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Norddeutschland Lübecker Ehepaar ringt um Gottes Segen
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22:10 13.07.2018
Lübeck

Die katholische Messe besuchen sie selten. „Ich gehe nicht gerne dorthin, wo ich eigentlich unerwünscht bin“, sagt Clara Jeiler- Heitmann (70). Das muss nach dem Willen des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße nicht so bleiben. In einer „Orientierungshilfe“ für Pastoren regt er seit Kurzem an, Ehepartnern anderer Konfession die Teilnahme an der katholischen Abendmahls-Zeremonie zu gestatten. Eine kleine Sensation, 500 Jahre nach der Reformation.

Clara Jeiler Heitmann und ihr Mann Antonius Jeiler vor der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Lübeck. Quelle: Foto: Roessler

„Wenn in einem seelsorgerischen Gespräch diese Dinge besprochen wurden, kann der Pfarrer der Teilnahme des Ehepartners zustimmen“, führt Lübecks katholischer Propst Christoph Giering aus. Es sei jedoch keineswegs automatisch so, dass Angehörige einer anderen Konfession, die am Gottesdienst teilnähmen, in der katholischen Messe Brot und Wein empfangen könnten. Auch nicht als Familienmitglieder. Giering: „Das setzt Kirchengemeinschaft voraus. Wie soll man sonst Kirche bilden? Das ist seit ältesten Zeiten so.“

Aber nur theoretisch, wie Clara Jeiler-Heitmanns Ehemann Antonius Jeiler (67) nüchtern feststellt. „Praktisch ist meiner Frau die Teilnahme an der Kommunion nie verwehrt worden.“ Sprich: Wer sich in der Messe anstellte, um die Hostie zu empfangen, die den Leib Christi symbolisiert, bekam sie auch schon früher meistens anstandslos. „Sie tun es“, sagt Jeiler. „Aber offiziell wird etwas anderes erzählt.“

Streng dogmatisch gesehen sei die Situation gerade in seinem Fall ohnehin komplett verfahren, überlegt der Katholik. Denn seine Frau habe sich von ihrem ersten Mann scheiden lassen. Und deshalb sei ihm die kirchliche Heirat mir ihr aus Sicht seiner Kirche verwehrt. So gesehen werde die Ehe also gar nicht anerkannt – und so könne seine Frau eigentlich auch nicht in den Genuss der erzbischöflichen Empfehlung kommen.

Clara Jeiler-Heitmann fühlt sich deswegen ausgegrenzt. „Nicht, weil die Menschen in der Herz-Jesu Gemeinde nicht zugewandt wären. Aber ich weiß um die Einstellung der Kirche und führe diese Diskussion mit mir selbst.“

Die Teilnahme an der Zeremonie sei wichtig für beide, führt sie aus. Beide brachten Kinder mit in die Ehe, insgesamt sind es acht. „Eine große Aufgabe und Verantwortung, die nur mit Spiritualität durchzustehen ist“, meint die gebürtige Lübeckerin. „Das Abendmahl gehört für mich dazu.“ Sie glaubt, dass der Pastor seine spirituelle Kraft dabei auf die Gemeinde überträgt. „Die ablehnende Haltung der katholischen Lehre mir gegenüber hat mich sehr verletzt.“

Die Kirchenzugehörigkeit hat Clara Jeiler-Heitmann schon immer beschäftigt. In Lübeck getauft, trat sie als junge Frau aus der evangelischen Kirche aus und wandte sich der Antroposophie zu. Ihr Mann Antonius Jeiler (67) wuchs im Münsterland auf. In Lübeck engagierte er sich lange im Vorstand der Herz-Jesu-Gemeinde. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er vor 17 Jahren Clara Heitmann.

Inzwischen hat das Ehepaar sich der evangelischen Domgemeinde angeschlossen. „Wir gehen eigentlich fast jeden Sonntag in den Dom-Gottesdienst“, sagt sie. Dort sei die gemeinsame Teilnahme am Abendmahl kein Problem.

Und das mit offiziellem Segen. „Alle Getauften sind zum Abendmahl eingeladen, unabhängig davon, welcher christlichen Kirche sie angehören“, erklärt Nordkirchen-Sprecher Stefan Dobler. „Nach evangelischem Verständnis ist es Christus selbst, der zum Abendmahl einlädt.“

In Deutschland sind bei mehr als 40 Prozent der kirchlichen Trauungen die Partner konfessionsverschieden. Der Vorstoß des Erzbischofs soll verhindern, dass diese Menschen sich von der Kirche abwenden. Ob seine „Orientierungshilfe“ indes Bestand hat, ist unklar. Antonius Jeiler weiß das: Das letzte Wort habe der Papst.

Von Marcus Stöcklin

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