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Norddeutschland Lübecker Studie: Alkoholkranke sterben 20 Jahre früher
Nachrichten Norddeutschland Lübecker Studie: Alkoholkranke sterben 20 Jahre früher
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08:55 17.10.2012
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Lübeck

Alkoholabhängige haben eine um zwei Jahrzehnte geringere Lebenserwartung. Das geht aus einer Langzeitstudie von Lübecker und Greifswalder Wissenschaftlern hervor. Demnach starben Frauen, die alkoholabhängig waren, durchschnittlich mit 60 Jahren, Männer mit 58 Jahren.„Keiner der verstorbenen Alkoholabhängigen hat das durchschnittliche Lebensalter von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer erreicht“, sagte gestern der Leiter der Studie, der Greifswalder Epidemiologe Ulrich John. „Uns hat überrascht, dass die Alkoholabhängigkeit im Vergleich zum Rauchen besonders stark zu einer Lebenszeitverkürzung beizutragen scheint.“ Durch das Rauchen bedingte Krebserkrankungen führten oft erst im Alter von deutlich über 60 Jahren zum Tode.Die Ergebnisse der repräsentativen Studie erscheinen im Januar in der US-Fachzeitschrift „Alcoholism: Clinical & Experimental Research“. Die Experten hatten im Jahr 1996 die Gesundheitsdaten von 4070 Menschen gesammelt und ausgewertet. Dabei handelte es sich um Lübecker und Einwohner von 46 umliegenden Gemeinden, die über die Einwohnermeldeämter zufällig ausgewählt wurden. Von ihnen waren 153 alkoholabhängig. Davon konnten wiederum 149 (119 Männer und 30 Frauen) über 14 Jahre beobachtet werden.Verglichen mit der jeweils gleichaltrigen Normalbevölkerung war die Sterberate von Alkoholikerinnen um das 4,6-fache erhöht, von männlichen Alkoholikern um das 1,9-fache. Woran die Betroffenen genau starben, wurde nicht untersucht. „Wir gehen aber davon aus, dass die Alkoholabhängigkeit die dominierende Erkrankung war“, sagte John.Erstaunt waren die Forscher über die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede.„Frauen scheinen schneller und stärker als Männer mit Erkrankungen auf Alkoholkonsum zu reagieren als Männer“, sagte John. Die Gründe kennen die Forscher bisher nicht. Die geringere Körpermasse sei allein kein ausreichendes Argument.„Frauen müssen beherzigen, dass sie deutlich weniger Alkohol konsumieren dürfen als Männer.“ Der international anerkannte Richtwert liegt bei einer maximalen Tagesmenge von zwölf Gramm für Frauen (ein Achtelliter Wein oder ein Viertelliter Bier) und 24 Gramm (ein Viertelliter Wein oder ein halber Liter Bier) für Männer.Den Ergebnissen zufolge hat eine Alkoholtherapie keine positive Auswirkung auf die Lebenserwartung. Die Sozialmediziner ziehen daraus den Schluss, dass die Therapieangebote überarbeitet werden müssen. „Die Therapien setzen zu spät an, wenn die Betroffenen bereits an vielen alkoholbedingten Störungen leiden“, kritisierte John. Er fordert auch eine neue Debatte über Prävention. Wirksame Instrumente wären seiner Ansicht nach Preiserhöhungen, ein Verkaufsverbot an Tankstellen sowie ein striktes Alkoholverbot am Steuer.

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