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22:11 13.09.2013
Tattoo-Entfernung im Lübecker „beautymedix“. Mit Hilfe eines Lasers wird hier eine Tätowierung am Hinterkopf behandelt. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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Lübeck

Entspannt sitzt Manuela (Name geändert) auf einem Stuhl des „beautymedix“ in Lübeck. Die 21-Jährige weiß, was sie gleich erwartet. Der Laser surrt, es geht los.

Es fühle sich an, „als ob man gezwickt wird“, sagt Manuela, „unangenehm, aber doch auszuhalten“. Vor einem Jahr hat sie sich hinter dem rechten Ohr ihr Sternzeichen, ein Zwillingssymbol, tätowieren lassen. „Das war unüberlegt“, findet die junge Frau aus Oldenburg (Kreis Ostholstein) heute. „Man sieht es, wenn ich einen Zopf oder eine Hochsteckfrisur trage.“ Heute ist sie zum dritten Mal bei der Tattoo-Entfernung in dem Geschäft in der Wahmstraße. Eine Wendeltreppe führt in den Behandlungsraum im Keller eines Altstadt-Fachwerkhauses. Die Szenerie gleicht fast der in einer Zahnarztpraxis.

Allein der Laser wirkt futuristischer als ein Bohrer.

Jeder Vierte ist tätowiert

Tattoos liegen im Trend: Nach einer Studie der Universität Leipzig ist etwa jeder vierte Deutsche zwischen 25 und 34 Jahren tätowiert. Bei den Menschen über 60 Jahren betrage die Anzahl der Tätowierten laut einer Umfrage der „Bild am Sonntag“ indes nur zwei Prozent. Mit dem Trend zum Tattoo geht aber auch der zur Tattoo-Entfernung einher. „Es gibt eine große Nachfrage“, bestätigt der Lübecker Dermatologe Jürgen Kreusch.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. „Tattoos, die vor über zehn Jahren gestochen wurden, sind oft von schlechter Qualität“, erzählt die „beautymedix“-Leiterin Alexandra Lütgens-Tauchert. Auch Schreibfehler müssten korrigiert oder die Initialen des Partners aktualisiert werden — weil der gewechselt hat. Da solche Behandlungen kein medizinisches Problem sind, übernehmen die Kassen die Kosten nicht. „Tattoos sind in den letzten Jahren salonfähig geworden“, berichtet Uwe Hansen vom „Tattoo Zentrum Lübeck“, das sowohl Tätowierungen, als auch Tattoo-Entfernungen anbietet. Weil es immer mehr Tätowierer gebe, leide die Qualität der Tattoos, „denn die hat ihren Preis“. Manche Kunden würden aufgrund ihrer Tattoos nur schwer einen Job finden. Sogar neonazistische Symbole habe er bereits entfernt.

Nur sogenannte Laserschutzbeauftragte dürfen Tattoos entfernen. Diese müssen einen entsprechenden Kurs absolviert haben, außerdem gibt es eine Einweisung durch den Laser-Verkäufer. Lütgens- Tauchert erläutert die Wirkung: „Der Laser reagiert nur auf die Tattoo-Farbe, nicht auf die normale Haut. Er greift die Farbpigmente an, die dann vom Körper abtransportiert werden können.“ Deshalb sei eine Tattoo-Entfernung auch langwierig. „Zwischen zwei Sitzungen sollten sechs Wochen liegen, in denen sich die Haut regenerieren kann.“ Es komme nach jeder Sitzung vor allem auf die Mitarbeit des Kunden an. Dieser müsse „sich mit Desinfektionslösung, Bepanthen und Kühlpacks eindecken“.

Entfernung ist umstritten

Wenig Verständnis für Tattoo-Entfernungen hat Mario Flöter, der 3. Vorsitzende des DOT (Deutsche Organisierte Tätowierer). „Tattoos sind für immer — und auch Jugendsünden gehören zum Leben“, erklärt der Tätowierer aus Trittau. „Außerdem fehlen Langzeitstudien zum Lasern.“ Einen medizinischen Einwand nennt Antje Boetius-Thomsen, Vize-Landesvorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen: „Lasertattoo- Entfernungen sind wie ein chirurgischer Eingriff, und es ist fraglich, ob Laserschutzbeauftragte dies ohne ärztliche Kontrolle dürfen.“ Man sehe sich nicht in Konkurrenz zu den Ärzten, betont Lütgens-Tauchert: „Jeder Kunde soll dorthin gehen, wohin er möchte.“ Fast 30 Jahre hat sie als Arzthelferin gearbeitet. „Mein medizinischer Background hilft mir schon“, sagt die 46-Jährige.

Weil ihr Tattoo so klein ist, dauert das Lasern bei Manuela nur eine Minute. „In guten Händen“ fühle sie sich bei Lütgens-Tauchert. „Ich freue mich nach jeder Sitzung, dass das Tattoo heller wird.“

Danach sei eine „leichte Kruste“ auf der Stelle, aber keine Vernarbung.

Dann verabschiedet sie sich, ihr nächster Termin ist in sechs Wochen. „Nach den Behandlungen gehe ich immer mit meinem Freund essen“, sagt sie lachend und freut sich auf ihre „Belohnung“.

Beliebte Tattoo-Motive
Bei den weiblichen Kunden sind vor allem „zarte, mit Blumen oder Sternen verzierte Schriftzüge“ beliebt, erklärt Uwe Hansen vom „Tattoo Zentrum Lübeck“.
Männer würden hingegen eher schnörkellose Schriftzüge bevorzugen. „Chinesische Schriftzeichen sind etwas aus der Mode gekommen“, berichtet Hansen. „Heute sind die Schriftarten individueller, zum Beispiel Elbisch aus der Herr-der-Ringe-Welt.“ Sehr populär seien Figuren aus Mangas oder Walt-Disney-Comics. Auch die Drohne Willi, der beste Freund der Biene Maja, wurde bereits gestochen.
Tierporträts, etwa vom verstorbenen Lieblingshund und die Klassiker Adler und Tiger, seien auch häufige Motivwünsche.

Der Anker erlebe gerade ein Revival: „In sehr schlichter Form, etwa als Bauchnabelschmuck.“ Der klassische Totenkopf wird meist als Bestandteil anderer Motive verwendet. Auch Wappen von Fußballvereinen werden mitunter auf der Haut von Fans verewigt.

Georg Meggers

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