Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Schlechte Maisernte im Norden
Nachrichten Norddeutschland Schlechte Maisernte im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:58 28.08.2018
Maisbauer Daniel Haase zeigt die dürren Kolben. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Schiphorst

Der „Claas-Jaguar“-Häcksler schiebt sich durch das Maisfeld wie ein Schiff durch wogende See. Das Meer der Halme bricht vor der sechs Meter langen Schneidefläche. Wie eine Welle verschwinden die langen Pflanzen in der Maschine, samt den Kolben. Um Sekunden später als fertiges Häcksel auf der Ladefläche eines Anhängers zu landen, der von einem Traktor neben dem „Claas“-Häcksler hergezogen wird.

Kapitän der Erntemaschine ist Tobias Vandeck (42). Missmutig blickt er auf den Horizont, der hinter dem Maisfeld sichtbar ist. „Sonst sieht man nur den Mais, wenn man durchs Feld fährt. Der müsste viel höher als die Kabine sein.“

Der Mais ist zu klein, zu dünn, und die Kolben haben zu wenig Körner

Aber dieses Jahr ist es anders, der Dürre wegen. Nur halb so hoch wie sonst sind die Pflanzen, viel zu dünn, und sie haben auch weniger und zu kleine Kolben, denen oft auch noch am Ansatz die Körner fehlen. „Außerdem sind sie von Läusen befallen.“ Nein, eine gute Ernte könne man das nicht nennen.

40 Prozent weniger Ertrag

Auch Bauer Daniel Haase (43), dem der zehn Hektar große Maisschlag in Schiphorst (Kreis Herzogtum Lauenburg) gehört, ist nicht zufrieden. 40 Prozent weniger Ertrag als in einem normalen Jahr werde er schätzungsweise auf der Fläche haben. „Zu wenig.“ Insgesamt hat Haase 210 Hektar Mais, mit anderen Bauern gemeinsam produziert er hauptsächlich für die Biogasanlage. Außerdem hält er 40 Galloway-Rinder. „Für die müssen wir etwas abzwacken“, überlegt er. „Wir müssen Mais zufüttern.“ Denn Gras sei auch zu wenig da. In allen Bereichen fehle es am Ertrag.

Jan-Hinrich Behnk (20) arbeitet wie Vandeck für das Lohnunternehmen Fahrenkrog in Poggensee, nicht weit entfernt auf der anderen Seite der Autobahn A 1. Doch er ist auch selbst Landwirt. 100 Milchkühe hat sein Betrieb, auf 25 Hektar baut er Mais für die Tiere an. Bei ihm stehe der Mais noch einigermaßen gut. „Aber sonst sehe es schlecht. aus. Beim Gras vor allem.“ Für den Winter reiche das Futter nicht. Da müsse er zukaufen, und das koste Geld.

Mais hat weniger Nährwert als sonst

Seit einer Woche sind Behnk und seine 14 Kollegen von der Erntefirma bei der Maisernte im Einsatz. Und an vielen Stellen lassen die Flächenerträge stark zu wünschen übrig. „Bis zu 70 Prozent Minderertrag“, hat Vandeck festgestellt. Der Mais habe dank der schlecht ausgebildeten Kolben weniger Heiz- beziehungsweise Nährwert. „Der Halm ist Strukturfutter, der Kolben Energie.“

„Wenn die Qualität beim Mais nicht stimmt, geben die Kühe auch weniger Milch, ihre Leistung sinkt“, sagt Klaus-Peter Lucht (57), Vizepräsident des Landesbauernverbandes. Er selbst hält 100 Milchkühe, dazu 160 Tiere für die Nachzucht. Landesweit sei die Maisernte um durchschnittlich 30 Prozent zu gering. Für viele der rund 15 000 Betriebe in Schleswig-Holstein ein Problem. „Viele werden aufgeben“, befürchtet Lucht. Die vom Bund angekündigte Dürrehilfe reiche nicht. Von den zugesagten 340 Millionen Euro würden im Land vielleicht 30 bis 40 Millionen ankommen, zu wenig für alle.

„Da müssen wir durch“, sagt Bauer Daniel Haase. „Jetzt heißt es, die Zähne zusammenzubeißen.“

Marcus Stöcklin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er kann’s nicht lassen: FDP-Grande Wolfgang Kubicki mischt sich auch von Berlin aus in die Debatte um den SPD-Landesvorsitz ein – und rät seinem langjährigen Lieblingsfeind Ralf Stegner zum Rückzug.

28.08.2018

Zehn Striche und ein Drohnensymbol auf dem Raketenstarter der Fregatte "Lübeck" sorgen für Rätselraten bei Militär-Bloggern und auf Twitter. Die Abzeichen waren bei einem Nato-Einsatz zur Schleuser-Jagd in der Ägäis entdeckt worden.

28.08.2018

Im LN-Interview spricht die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes, Christel Happach-Kasan, darüber, was Fischbestände bedroht und was Angler dagegen tun können.

27.08.2018