Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Mammutprozess geht in Endrunde
Nachrichten Norddeutschland Mammutprozess geht in Endrunde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:17 27.04.2016

Nach sechsmonatiger Verhandlung, der Anhörung von 75 Zeugen und Erörterung unzähliger Indizien hofft das Kieler Landgericht im Mammutprozess gegen zwölf mutmaßliche Räuber aus Litauen auf einen baldigen Abschluss der Beweisaufnahme. Für den 35. Sitzungstag hatte die Strafkammer weitere Zeugen zum dritten und letzten Tatkomplex — der Planung eines Überfalls auf einen Juwelier in München — geladen.

Ein SEK-Polizist bewacht einen der Angeklagten im Gerichtssaal in Schleswig. Quelle: Rehder/dpa

Weitgehend abgehakt ist der Prozessstoff für die beiden vollendeten Raubtaten in Düsseldorf (August 2014) und in Kiel (Oktober 2014). Die 22- bis 41-jährigen Männer hatten laut Anklage in unterschiedlicher Besetzung die Läden überfallen, jeweils einen Mitarbeiter niedergeschlagen sowie Uhren und Goldschmuck im Gesamtwert von rund 400 000 Euro erbeutet. In Kiel überfielen die Täter ein Pfandhaus am Exerzierplatz.

In Düsseldorf gingen die Räuber besonders brutal gegen den Inhaber vor. Das Opfer erhielt mindestens acht wuchtige Fußtritte gegen den Kopf, so der Vorwurf. Ein zur Tatzeit 22-jähriger Mittäter, der kurz zuvor von der Bande angeheuert worden sein will, trat zu Prozessbeginn als Kronzeuge auf. Vilmantas K. legte als einziger ein umfassendes Geständnis ab und belastete mehrere Mitangeklagte. Nach eigener Darstellung glaubte K. damals, es gehe bei den in Düsseldorf erwarteten Armbändern, Ketten und Ringen nur um Einbruch, nicht aber um brutalen Raub.

Der junge Mann belastete später den Hauptangeklagten Ramunas P. (34), dem er die Fußtritte gegen den Juwelier vorwarf. Zu seiner Sicherheit steht er unter besonderem Schutz. Nicht einmal die Anwälte des Kronzeugen kennen seinen Aufenthaltsort. Nach Planung der 7. Großen Strafkammer, die im mit 50 Prozessbeteiligten größten und aufwendigsten Strafverfahren der schleswig-holsteinischen Rechtsgeschichte aus Platz- und Sicherheitsgründen in den größten Saal der Verwaltungsgerichte in Schleswig ausweichen musste, soll der letzte Zeuge nun am 13. Mai vernommen werden.

Doch zunächst wird am kommenden Dienstag ein litauischer Gefangener per Videokonferenz aus einer Haftanstalt seines Heimatlandes zugeschaltet, so der Fahrplan. Der Zeuge D. könnte nach Überzeugung der Staatsanwälte über die Hintergründe und Strukturen der Bande berichten, die den „Kamuoliniai“ („Ballspieler“) zugerechnet wird. An die berüchtigte Organisation soll D. auch den späteren Kronzeugen vermittelt haben. Doch ob D. darüber reden wird, ist fraglich: Ihm steht ein Aussageverweigerungsrecht zu.

Wenn am Ende auch die Vorstrafen der einzelnen, stets von mindestens zwei Beamten streng bewachten Angeklagten eingeführt worden sind, steht dem Gericht ein Marathon an Plädoyers bevor. Neben den beiden Staatsanwälten und zwei Rechtsbeiständen der als Nebenkläger beteiligten Raubopfer werden bis zu 25 Verteidiger ihre Schlussvorträge halten.

Von gey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Landtag beschließt neues Naturschutzgesetz.

27.04.2016

Winter im Frühling: Kurorte und Eisdielenbesitzer lassen sich die Stimmung nicht vermiesen. Und laut Wetterwelt in Kiel klettern die Temperaturen am Wochenende wieder in die Höhe.

27.04.2016

Am Donnerstag beginnt die Landesgartenschau in Eutin. Das Motto der Schau: "Eins werden mit der Natur." Geschäftsführer Bernd Rubelt hofft auf 600 000 Besucher. LN-Leser sind bei einem Exklusiv- Rundgang begeistert.

27.04.2016
Anzeige