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Norddeutschland Mammutprozess in Schleswig: Täter gingen äußerst brutal vor
Nachrichten Norddeutschland Mammutprozess in Schleswig: Täter gingen äußerst brutal vor
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22:33 17.06.2016
Bewacht von SEK-Polizisten betritt einer der zwölf Angeklagten den Gerichtssaal in Schleswig. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Schleswig

Im Mammutprozess gegen eine Gruppe mutmaßlicher Räuber hat die Staatsanwaltschaft Kiel gestern mit ihrem Schlussvortrag begonnen. Am 45.

Verhandlungstag warf sie drei der insgesamt zwölf Angeklagten im Alter zwischen 22 und 40 Jahren vor, einen Juwelier in Düsseldorf überfallen und mit Tritten schwer verletzt zu haben.

Das Strafverfahren gegen einen vierten mutmaßlichen Beteiligten an diesem Überfall wurde zum Ende der Beweisaufnahme abgetrennt. Über seinen Anwalt hatte er sich über Schikane im Gefängnis beklagt, nachdem er wegen der Beteiligung an einer Geiselnahme in der Lübecker Justizvollzugsanstalt zu Weihnachten 2014 verurteilt worden war.

Die zwölf wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und der Beihilfe dazu angeklagten Männer stehen seit November 2015 vor Gericht. Kommende Woche soll das Plädoyer der Staatsanwaltschaft fortgesetzt werden – zu den weiteren Angeklagten, zu einem Überfall auf ein Pfandleihhaus in Kiel sowie einem geplanten Überfall in München. Für das Verfahren mit rund 60 Beteiligten ist das Landgericht Kiel zuständig. Aus Platzmangel wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen am Oberverwaltungsgericht in Schleswig verhandelt.

In seinem Plädoyer führte Staatsanwalt Christopher Sievers aus, was die vier Männer bei dem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Düsseldorf im August 2014 getan haben sollen. Bewaffnet mit Reizgas, Kabelbindern und Schreckschusspistole sei einer von ihnen über den Tresen gesprungen und habe den Inhaber zu Boden gedrückt. Nachdem ihm laut Staatsanwaltschaft ein weiterer Mann geholfen hatte, den Juwelier in den Hinterraum zu zerren und zu fesseln, soll er mehrfach gegen dessen Kopf getreten haben. Der Juwelier überlebte nur durch Zufall und kann bis heute nur schlecht gehen und sprechen.

Eigentlich hatten die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft einen Überfall auf einen anderen Juwelier in Düsseldorf geplant. Sie mussten sich demnach jedoch kurzfristig umentscheiden, da dieser den ersten mutmaßlichen Täter nicht durch die besonders gesicherte Tür ins Geschäft gelassen hatte. Der mutmaßliche Angreifer auf den dann ausgewählten Juwelier packte später bei der Polizei aus.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, die Überfälle in wechselnder Zusammensetzung und Verantwortung begangen zu haben. Allein in Düsseldorf sollen sie Schmuck im Wert von 72 000 Euro erbeutet haben. Bislang hätten drei Männer die Taten über ihre Verteidiger zumindest teilweise eingeräumt, sagte eine Gerichtssprecherin.

LN

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