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Norddeutschland Mann wollte Achtjährige entführen
Nachrichten Norddeutschland Mann wollte Achtjährige entführen
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22:24 30.10.2013
Konnte ihrem Verlies entkommen: Natascha Kampusch. Quelle: ARD

Kurz nach Beginn eines Prozesses um die versuchte Geiselnahme eines achtjährigen Mädchens hat das Hamburger Landgericht gestern die Öffentlichkeit vom Verfahren ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes sowie versuchte Geiselnahme vor. Der 28-Jährige habe das Kind über längere Zeit gefangen halten und sexuell missbrauchen wollen.

Mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit noch vor der Anklageverlesung folgte der Vorsitzende Richter einem Antrag der Verteidigung des angeklagten 28-Jährigen. Das sei notwendig gewesen, weil das Krankheitsbild seines Mandanten vielleicht eine große Rolle im Verfahren spiele, sagte der Anwalt des Angeklagten am ersten Verhandlungstag. Der 28-Jährige sitzt seit dem 1. Mai in Untersuchungshaft und wurde Ende August in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Er soll an einer Form von Autismus leiden, dem sogenannten Asperger-Syndrom.

Der kleine, zierliche Mann hatte die Achtjährige am 30. April dieses Jahres auf dem Weg von der Musikschule in Hamburg-Duvenstedt angesprochen und gegen ihren Willen auf die Rücksitzbank seines Autos gezerrt. Als er die Tür verschlossen hatte und losfahren wollte, gelang es dem Mädchen, die Autotür wieder zu öffnen. Es schrie um Hilfe und floh zu Passanten. Da sich ein Zeuge das Autokennzeichen merkte, wurde der damals 27-Jährige in der Nacht festgenommen.

Laut Anklage hatte der Mann geplant, das Mädchen in einem präparierten Kleiderschrank in seiner Wohnung für längere Zeit gefangen zu halten. Der Schrank sei schallisoliert gewesen, hieß es in Zeitungsberichten. Bei der Durchsuchung von Haus, Grundstück und Gartenlaube im Stadtteil Hummelsbüttel habe die Polizei auch zwei Computer sowie Dämmmaterial sichergestellt. Der Angeklagte soll dort mit seiner Mutter und seinem Bruder gewohnt haben.

Bei der Polizei gab der Angeklagte zu, dass er das Kind sexuell missbrauchen und in sein Elternhaus verschleppen wollte. Vor dem Haftrichter hatte er hingegen zu den Vorwürfen geschwiegen. Er ist bei der Polizei bereits wegen Körperverletzung und Nötigung in Erscheinung getreten, nicht aber wegen Sexualdelikten. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage bis Ende November angesetzt. Im Falle eine Verurteilung drohen dem Mann zwei bis 15 Jahre Haft, sagte eine Sprecherin des Gerichts.

Der Fall erinnert an Natascha Kampusch
3096 Tage wurde die Österreicherin Natascha Kampusch von Wolfgang Priklopil gefangen gehalten. Der arbeitslose Nachrichtentechniker hatte das damals zehnjährige Kind am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule entführt. Priklopil wollte kein Lösegeld erpressen, sondern das Mädchen besitzen. Dazu hatte er unter seinem Haus ein geheimes Verlies ausgehoben, um sie dort einzusperren. Achteinhalb Jahre wurde Kampusch in der zwei mal drei Meter großen Zelle gefangen gehalten. 2006 gelang ihr die Flucht, ihr Entführer nahm sich daraufhin das Leben.

LN

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