Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Marine-Schiffbau läuft auf vollen Touren
Nachrichten Norddeutschland Marine-Schiffbau läuft auf vollen Touren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:10 22.12.2017
Gefragtes Modell: das deutsche U-Boot „U 31“ auf der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems. Quelle: Foto: Rehder/dpa
Anzeige
Kiel

Die internationale Konkurrenz sei stark. „Für ,Made in Germany‘ sehen wir allerdings gute Chancen“, erklärte der Sprecher. Das gilt nicht nur für nicht-nukleare U-Boote, bei denen TKMS nach eigener Sicht „klar Marktführer“ ist, sondern auch für den Überwasserbereich. Mit Spannung wartet die Branche auf die Entscheidung, welches Konsortium das neue Mehrzweckkampfschiff MKS 180 für die deutsche Marine bauen darf. Am 27. Dezember endet die Frist zur Abgabe für das zweite Angebot. „Daran schließt sich allerdings erst noch die Angebotsauswertung an“, teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit – ohne nähere Angaben zu machen.

 

Bernd Buchholz (FDP).

Kritik an Ausschreibepraxis

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hat die europaweite Ausschreibung deutscher Marine-Schiffe kritisiert. „Wenn deutsche Werften, die zumindest teilweise mittelständisch geprägt sind, mit europäischen Staatswerften konkurrieren müssen, kann kein fairer Wettbewerb stattfinden“, sagte Buchholz. „Die deutschen Werften müssen von den aktuell anstehenden Aufträgen der deutschen Marine profitieren.“

Nur noch drei Bieterkonsortien sollen nach Branchen-Informationen im Rennen sein. TKMS gemeinsam mit der Fr. Lürssen Werft (Hauptsitz Bremen), das niederländische Unternehmen Damen Shipyards Group in Partnerschaft mit Blohm+Voss sowie German Naval Yards als Generalunternehmer. Fr. Lürssen hat doppelte Chancen, denn das Unternehmen hatte 2016 die Hamburger Schiffswerft Blohm+Voss GmbH übernommen. Ursprünglich sollten erst vier MKS 180 geordert werden, inzwischen sind es sechs. Allein die ersten vier MKS 180 werden laut „Bundeswehr-Journal“ statt vier rund 4,5 Milliarden Euro kosten, die Auslieferung solle ab 2023 beginnen.

Zwei politische Entscheidungen nähren Hoffnungen der Rüstungsbranche für die Zukunft: Zum einen die im Dezember beschlossene grundsätzliche Verpflichtung von 25 EU-Ländern für eine weitgehend gemeinsame europäische Verteidigungspolitik – mit real steigenden Verteidigungsausgaben und dem Ziel gemeinsamer Rüstungsprojekte. Zum anderen die von Norwegen und Deutschland vereinbarte strategische Partnerschaft im Marine-Bereich. Die künftige Kooperation sei so eng wie bisher mit keiner anderen Marine, sagte ein Marinesprecher.

Norwegen will vier U-Boote in Kiel von TKMS bauen lassen, die deutsche Marine zwei weitere U-Boote im Rahmen desselben Loses – aber mit eigenen Spezifikationen. Norwegen hat für das U-Boot- Paket etwa 4,3 Milliarden Euro eingeplant. Der Vertrag könnte 2019 unterzeichnet werden. Die neuen U-Boote für Norwegen sollen ab etwa 2025 und für die deutsche Marine etwa ab 2027 geliefert werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre norwegische Kollegin Ine Marie Eriksen Søreide hatten im August den Marinestützpunkt in Eckernförde besucht. „Norwegen ist für uns der absolute Wunschpartner“, sagte von der Leyen. Eriksen Søreide betonte, es handele sich um eine „Win-Win-Situation“ und könne ein Beispiel sein für Kooperationen anderer Nato-Staaten. Der Norwegen-Deal sei für TKMS „ein strategisch sehr wichtiges Programm“, sagte der Firmensprecher. Neben den sechs U-Booten für Norwegen und Deutschland hofft TKMS, drei weitere Boote für Israel bauen zu können. Bis 2021 stehen zwei weitere Boote für Ägypten und vier Boote für Singapur in den Auftragsbüchern von TKMS.

Im Überwasserbereich agiert TKMS als Generalunternehmer und gemeinsam mit Partnern wie Fr. Lürssen. „Wir bemühen uns gerade um einen Auftrag zum Bau von vier Fregatten für Kolumbien“, sagte der TKMS-Sprecher. Für die deutsche Marine baut TKMS in der Arbeitsgemeinschaft Arge F125 gemeinsam mit der Fr. Lürssen Werft vier Fregatten. „In Kiel fokussieren wir uns auf den Unterwasserbereich.“

Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, setzt TKMS  auf „Digital Shipyard“, die Digitalisierung der Wertschöpfungskette. „Wir wollen den Standard der Marine von morgen entwickeln und fertigen.“

 Matthias Hoenig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige