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Norddeutschland Matrosenaufstand: Fotos gesucht
Nachrichten Norddeutschland Matrosenaufstand: Fotos gesucht
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20:17 06.07.2016
Matthias Sperwien (l.) und Johannes Rosenplänter, Leiter des Stadtarchivs, zeigen ein Bild vom Matrosenaufstand. Archivfoto: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

. Sie hatten den Krieg satt, wollten ein besseres Leben und andere politische Verhältnisse: Mit einem Aufstand in Kiel leiteten deutsche Matrosen Anfang November 1918 eine revolutionäre Bewegung ein, die zum Sturz des Kaiserreichs und zum Ende des Ersten Weltkriegs führte. Zum 100. Jahrestag dieses Schlüsselereignisses in der deutschen Geschichte wollen Historiker und Filmemacher aus dem gesamten Bundesgebiet Erinnerungsstücke zusammentragen. NDR und Arte werden ein Dokumentardrama drehen mit dem Arbeitstitel „Novembersturm“. Die Stadt plant eine Festveranstaltung am 3. November 2018 mit dem Bundespräsidenten, das Stadtmuseum eine Ausstellung und das Theater eine Opernaufführung.

Die Initiatoren suchen Exponate wie Fotos oder Postkarten, die persönliche Eindrücke von dem Matrosenaufstand wiedergeben. Im Internet ersteigerten sie schon einige historische Postkarten. Unter dem Datum 5.11.1918 schrieb ein Matrose namens Rudolf seiner Freundin in Thüringen: „Wir streiken alle, unsere Offiziere haben wir festgenommen . . .

Hoffentlich können wir bald zum Frieden schreiten.“ Die Soldaten der kaiserlichen Marine waren aus dem ganzen Reich gekommen. Schon während der Revolution setzten sich viele in ihre Heimat ab und nahmen womöglich persönliche Erinnerungsstücke mit.

Die Quellenlage sei schwierig, sagte Museumsleiterin Doris Tillmann. Es fehlten besonders Belege dafür, wie die Revolution von Kiel ins ganze Reich getragen wurde. Von den Kieler Ereignissen gebe es fast keine authentischen Fotodokumente, berichtete der Leiter des Stadtarchivs, Johannes Rosenplänter. Ein Pressefotograf war offenkundig nicht anwesend. Der historische Rang des Matrosenaufstandes war lange umstritten. Der Freiburger Historiker Jörn Leonhard spricht von einem Fanal für einen Prozess, der in atemberaubendem Tempo in die Revolution mündete. „Das war ein entscheidender Moment im Übergang vom Krieg zum Frieden und zu einem Systemwechsel“, sagte er. Es sei nicht nur um Beschwernisse von Matrosen gegangen, sondern auch um soziale und politische Forderungen. Der Aufstand habe zudem gezeigt, wie ausgehöhlt die Legitimation des Kaiserreichs 1918 war.

LN

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