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Norddeutschland Mausklick statt gelbem Zettel
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20:58 14.10.2017
Kiel

„Wir haben einen sehr guten Start gehabt“, sagt TK-Sprecher Volker Clasen. Bisher beteiligten sich 251 Mediziner in 73 Arztpraxen an dem Pilotprojekt der TK und des Softwareherstellers MediSoftware, „und von Tag zu Tag werden es mehr“. Die TK hat 460 000 Versicherte in Schleswig-Holstein und ist damit die zweitgrößte Kasse im Land.

Seit dem 1. Oktober können Mediziner mit einem einfachen Mausklick eine elektronische Nachricht an die Krankenkasse abschicken. „Die TK bekommt dadurch die Krankmeldung innerhalb von Sekundenbruchteilen. Der Patient spart sich das Briefporto oder das Hochladen der Krankschreibung per Internet, und die Arztpraxis kann sich den Ausdruck des gelben Scheins sparen“, erklärt Johann Brunkhorst, Leiter der TK- Landesvertretung Schleswig-Holstein. „Das neue digitale Verfahren ist für alle Beteiligten einfacher, schneller und preiswerter.“

Die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH), Dr. Monika Schliffke, begrüßt das Projekt: „Das ist ein richtiger und wichtiger Schritt zum weiteren Abbau von Bürokratie in den Arztpraxen. Man kann nur hoffen, dass sich bald andere Krankenkassen anschließen.“ Die AOK hat das bereits angekündigt. „Wir als größte gesetzliche Krankenkasse im Land halten das für ein interessantes digitales Projekt. Wir haben bereits mit den Initiatoren von KVSH und MediSoftware darüber gesprochen und planen ebenfalls einen Beitritt“, sagte AOK-Sprecher Jens Kuschel den LN. Die AOK hat knapp 700 000 Mitglieder in Schleswig-Holstein.

Bisher können an dem Pilotprojekt etwa 500 der 4600 niedergelassenen Ärzte und Fachärzte in Schleswig-Holstein teilnehmen – alle jene, die die Praxissoftware Medi Software nutzen und zusätzlich ein Konto beim digitalen Dienst SafeMail der KVSH haben. „Die Krankmeldung wird von der Praxissoftware automatisch verschlüsselt mit einer elektronischen Signatur versehen und läuft über das sichere Datennetz der KVSH und einen Datenserver des Ersatzkassenverbands an die TK. So wird ein zukunftssicherer Arbeitsfluss garantiert“, sagt Jan Meincke, Geschäftsführer von MediSoftware. 

„Die fortschreitende Digitalisierung muss die Abläufe und Behandlungspfade im Gesundheitswesen in Zukunft deutlich erleichtern. Ich begrüße ausdrücklich, wenn Akteure wie die Krankenkassen dazu beitragen“, erklärt Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Lob kommt auch von der obersten Datenschützerin des Landes. „Das ist eine Vereinfachung, mit der wir keine Bauchschmerzen haben“, erklärt Marit Hansen. „Die Software haben wir begutachtet und zertifiziert. Das hat einen guten Eindruck gemacht.“

In den nächsten Schritten sollen die Krankmeldungen dann auch an Arbeitgeber und Patienten digital übermittelt werden, doch dafür fehlt vielen die nötige Software.

Von Christian Risch 

Papierberge

Bisher muss ein Arzt für seine Patienten bei einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ein DIN-A5-Formular in dreifacher Ausfertigung drucken. Bei bundesweit 75 Millionen Krankschreibungen im vergangenen Jahr fielen dadurch insgesamt 225 Millionen DIN-A5- Blätter in Deutschlands Arztpraxen an. Eine digitale Übermittlung spart das Papier ein.

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