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Mediziner warnen: Flüchtlingen setzt Silvesterfeuerwerk stark zu

Lübeck Mediziner warnen: Flüchtlingen setzt Silvesterfeuerwerk stark zu

Ärzte mahnen Rücksichtnahme an. Kriegstraumata können durch die Knallerei wieder hervorbrechen.

Lübeck. Verletzte, Tote, Brände, Millionenschäden — eine ganz normale deutsche Silvesterbilanz. Den Bundesbürgern war der jüngste Jahreswechsel dennoch Feuerwerk im Wert von 124 Millionen Euro wert. Im Trend laut Bundespolizei: Böller, die „mehr und brisantere Sprengmittel“ enthalten, als in Deutschland zugelassen sind, meist aus Polen und Tschechien.

Sprengungen also als Ausdruck von Freude? Für Menschen, die unter Kriegstraumata leiden, kann ein Feuerwerk eine schwere Belastung bedeuten. Mediziner sprechen von „posttraumatischen Belastungsstörungen“ (PTBS).

„Auslöser kann vieles sein“, sagt Simone Rohde. Die Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie beobachtete am Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster zuletzt unter den Flüchtlingen eine deutliche Zunahme an PTBS, dazu Fälle von Depressionen und Schizophrenie. „Situationen, die an Erlebtes erinnern, Gerüche, etwa Brandgeruch, Töne, Donnergrollen oder auch nur ein Gedanke: So ein Auslöser führt dann zu einem Erlebnis, als wäre der Mensch wieder in genau derselben Situation“, sagt Rohde. „Für den Menschen ist das wie das akute Erleben einer Extremlage. Sein Körper reagiert wie in einer echten Notfallsituation.“ Im schlimmsten Fall komme es zur Panik oder zu einem „dissoziativen Zustand“, einem Handeln außerhalb der Selbstkontrolle. Die Oberärztin begrüßt es deshalb, wenn möglichst viele Menschen zu Silvester darauf Rücksicht nehmen würden. Das Fest zur Jahreswende sei zwar nur eine unter vielen möglichen Auslöser-Situationen. „Dennoch steht diesen Menschen eine stressige Nacht bevor.“

Die Polizei in Schleswig-Holstein wird nach Informationen der LN nicht gesondert das Abbrennen von Feuerwerk in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften kontrollieren. Das sei nicht leistbar, heißt von dort. „Rücksichtnahme versteht sich aber natürlich von selbst“, betont Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten. Er hoffe aber darauf, dass sich die Menschen auch ohne Zwang oder Appelle in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften anständig verhielten. In den vergangenen Jahren habe es auch nie Probleme gegeben. „Mit einem Appell könnten wir ohnehin nicht alle erreichen“, erklärt der Behördenchef. „Da müsste man in der Nähe von Unterkünften schon Flugblätter verteilen.“

Einige Hilfsvereine machen das durchaus: So hat die Möllner Flüchtlingshilfe ein Flugblatt auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi und Französisch herausgebracht, das sich vor allem an die Flüchtlinge selbst richtet. Darin wird darüber aufgeklärt, dass das Abbrennen von Feuerwerk am 31. Dezember „normal und ungefährlich“ sei.

Professor Robert Göder, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Kieler Universitätsklinikum (UKSH), bekräftigt aber, dass posttraumatische Belastungsstörungen bei Flüchtlingen zu Silvester „auf jeden Fall eine Rolle“ spielen. Göder hält zwar nichts von einem generellen Böller-Verbot, einen Silvester-Aufruf zur Rücksicht auf die Flüchtlinge jedoch für ein „gutes Signal“: „Zurückhaltung wäre in diesem Fall schon sehr wünschenswert. Und die Leute müssen ja nicht ausgerechnet in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften ihr Feuerwerk zünden.“

Flüchtlingsstau im Norden?
Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, erwartet einen Rückstau von Flüchtlingen in Norddeutschland. Grund dafür sei die bevorstehende Verschärfung der Passkontrollen zwischen Dänemark und Schweden, sagte Radek dem Berliner „Tagesspiegel“: „Die Passkontrollen werden die logische Folge haben, dass sich mehr Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein aufhalten werden.“ Die Kontrollen greifen ab kommendem Montag.

O. Hamel und O. Vogt

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