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Mehr Einbrüche im Norden: Versicherungen werden teurer

Berlin/Kiel Mehr Einbrüche im Norden: Versicherungen werden teurer

Vor allem organisierte kriminelle Banden schlagen immer häufiger bei Wohnungseinbrüchen im Norden zu. Versicherer wollen deshalb die Beiträge zur Hausratversicherung erhöhen.

Es gibt immer mehr Wohnungseinbrüche in Deutschland. Das ist vor allem auf organisierte Banden zurückzuführen.

Quelle: Fotolia

Berlin/Kiel. Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) macht das brisante Sicherheitsthema zum Arbeitsschwerpunkt der Landespolizei und setzt auf vorbeugenden Einbruchsschutz. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wirft der Landespolitik dagegen Versäumnisse vor.

 

Die Zahlen des Jahres 2015 sind alarmierend. Bundesweit hat die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vorjahr um zehn Prozent auf 167 000 zugenommen. In Schleswig-Holstein nahmen diese Delikte sogar um 12,3 Prozent gegenüber 2014 zu. Es wurden 8456 gegenüber 7529 Fälle angezeigt. Allein die Hausratversicherungen der von Einbrüchen Betroffenen mussten 2015 bundesweit eine halbe Milliarde Euro zur Regulierung der Schäden aufwenden. Hinzu kommen immense Schäden, etwa an Türen und Fenstern, die über die Gebäudeversicherung reguliert werden.

Seit dem Jahr 2010 sei die Summe der über Hausratversicherungen regulierten Schäden bundesweit um 150 Millionen Euro gestiegen, sagte Norbert Rollinger, Chef des Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV), den LN. Und dies bei einem durchschnittlichen Beitrag für die Hausratversicherung von nur rund 100 Euro. Ohne den einzelnen Versicherern vorgreifen zu wollen, bedeutet dies im Klartext: Auf die Kunden kommen höhere Versicherungsprämien zu. Angesichts derzeit niedriger Beiträge hält Rollinger Rabatte für den Einbau besonders einbruchhemmender Fenster und Türen für kaum möglich.

Der Kieler Innenminister Stefan Studt sagte zum Anstieg der Einbruchszahlen: „Diese Entwicklung bereitet mir Sorge.“ Es dürfe nicht sein, dass sich die Menschen in den eigenen vier Wänden nicht sicher fühlen können. „Die Bekämpfung der Einbruchskriminalität ist ein ausgewiesener Arbeitsschwerpunkt der Landespolizei.“ Zuletzt seien mehrere Täterbanden gefasst worden. Einbrüche bedeuten für die betroffenen Menschen nicht nur Ärger und den Verlust von materiellen Gütern, sondern auch Schock, Angst, Ekel sowie das Gefühl von Ohnmacht, Erniedrigung.

Studt forderte die Bürger auf, durch besseren Schutz an Fenstern und Türen selbst mehr zur Verhütung von Einbrüchen zu tun. Es gebe dazu Förderprogramme, etwa von der KfW-Bank. Außerdem regte der SPD-Minister an, „über die Landesbauordnung zusätzliche Regelungsmöglichkeiten“ für die Prävention zu schaffen. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, früher Kieler Kripo- Chef, verwies darauf, dass die Täter heute vor allem internationale Banden seien, die die offenen Grenzen nutzten. Zugleich gebe es zu wenige Ermittler, die zu wenig Zeit hätten. Die Länder hätten das Problem nicht ernst genommen und bei Polizei und Justiz gespart.

Über 220 Tatverdächtige im Fokus der Ermittler

Innenminister Stefan Studt setzt bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität auf eine engere Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Ausländerbehörden. Ende 2015 standen im Fokus der Ermittler des Landeskriminalamtes über 220 „relevante Personen“ als Tatverdächtige. Nur 26 davon waren deutsche Staatsbürger, 135 stammten vom Balkan, 27 aus osteuropäischen Staaten.

Wer das Asylrecht zu Straftaten missbrauche, müsse abgeschoben werden, erklärte Studt. Die Aufklärungsquote liege bei etwa zehn Prozent. Die GdP geht von 100 organisierten Banden aus, die im Umland von Hamburg, vor allem im Kreis Stormarn, sowie in der Nähe der Autobahnen zuschlagen.

Von Reinhard Zweigler

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