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20:14 31.08.2017
Ministerin Karin Prien (CDU) bei der Pressekonferenz in Kiel. Quelle: Foto: Rehder
Kiel

. „Jetzt bin ich ein Schulkind“ – 24 000 Mädchen und Jungen in Schleswig-Holstein dürfen das von Montag an von sich sagen. Das sind 4,8 Prozent mehr Erstklässler als vor einem Jahr, gab Bildungsministerin Karin Prien (CDU) kurz vor Beginn des neuen Schuljahres bekannt. Weil die ersten Schuljahre so wichtig sind, soll die Qualität an den Grundschulen stärker betont werden. „Leistung gehört dazu“, sagte Prien.

Das heißt konkret, dass die Fachanforderungen für Mathematik und Deutsch verbessert werden sollen. Die verbundene Schreibschrift zu lernen, wird wieder Pflicht. Ab Klasse 3 gibt es künftig wieder Notenzeugnisse, und von 2018/2019 an kommt eine Unterrichtsstunde dazu. Bis Ende der 4. Klasse soll jedes Kind einen Grundwortschatz von etwa 800 Wörtern beherrschen. Bisher gab es eine solche Vorgabe nicht. Bis 2022 sollen die letzten 33 Grundschulen, die noch kein Ganztagsangebot haben, ein solches bekommen.

Prien sprach sich dafür aus, langfristig auch die Grundschullehrer wie deren Kollegen an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen nach der A-13-Besoldung zu bezahlen. Einen Alleingang des Landes dahingehend werde es aber nicht geben: Für ein Konsolidierungsland wäre es schwierig, hier voranzugehen. „Das ist eine sehr teure Angelegenheit.“ Sie wolle sich auf Länderebene für eine einheitliche Regelung einsetzen, sagte Prien. Unabhängig davon werde das Land aber möglichst bald die Besoldung für Grundschulleitungen erhöhen. Im Landtagswahlprogramm hatte die CDU angekündigt, sie werde die Einstiegsbesoldung der Grundschullehrer „durch die Gewährung von Zulagen erhöhen und so schrittweise auf A 13 anheben“.

Die Zahl aller Schüler sinkt zum neuen Schuljahr um 1,9 Prozent auf 373 100, Berufsschulen eingeschlossen. In den nächsten Jahren werde es aber eher steigende Schülerzahlen geben, sagte Prien. Dies liege an höheren Geburtenzahlen und an der Zuwanderung.

Die Ministerin wünschte 28 000 Lehrern, darunter 2000 neuen, einen guten Start ins neue Schuljahr. Angesichts der erwarteten höheren Schülerzahlen sei es dringend notwendig, mehr Lehrer zu gewinnen, um die angestrebte 100-prozentige Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Die Vorgängerregierung habe diese Herausforderung „ein wenig unterschätzt“. Die Zahl der Lehrerstudenten in Flensburg werde erhöht. Auch Quereinsteiger sollen einem Lehrermangel entgegenwirken. „Es darf hier aber keine Qualitätseinbußen geben“, sagte Prien. Deshalb würden Quereinsteiger gezielt auf den Schuldienst vorbereitet und pädagogisch-didaktisch qualifiziert. Ein genialer Physiker müsse nicht unbedingt ein guter Lehrer sein.

Bis Jahresende will Prien ein Maßnahmenpaket gegen Lehrermangel vorlegen. Derzeit seien an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe nur wenige Stellen noch nicht besetzt. An Grundschulen, Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe und Förderzentren sei es schwieriger. Es würden aber täglich Stellen neu besetzt, sagte die Politikerin.

Die GEW gewichtete das Problem anders: „Zum Schuljahresbeginn fehlen an vielen Schulen in Schleswig-Holstein qualifizierte Lehrkräfte“, sagte die Landesvorsitzende Astrid Henke. Viele Schulen könnten Stellen beispielsweise nur notdürftig mit Studenten oder Absolventen ohne zweites Staatsexamen besetzen, vor allem an Grundschulen und Förderzentren sowie im Hamburger Umland. Die GEW kritisierte die Schreibschrift-Pflicht und die Rückkehr zu Notenzeugnissen an Grundschulen.

Experten-Tipps für den Schulanfang

Elterntaxis: Immer mehr Eltern meinen, ihre Kinder bis vor das Klassenzimmer vorfahren zu müssen, klagt Elisabeth Pier von der Landesverkehrswacht. Die Eltern meinen es gut. „Dabei bringen sie die Kinder in gefährliche Situationen“, so Pier. Je mehr Eltern mit ihren Autos direkt vor dem Schulgebäude vorfahren, umso chaotischer und unübersichtlicher wird es. Deshalb empfiehlt Pier, die Kinder zu Fuß zur Schule gehen zu lassen: „Es ist wissenschaftlich erwiesen: Kinder, die sich morgens an frischer Luft bewegen, sind im Unterricht aufnahmefähiger.“ Alternativ eigne sich auch der Bus. Zudem sei es für junge Menschen ein Erfolgserlebnis, wenn sie den Schulweg eigenständig meisterten. Dadurch würden sie selbstständiger. ABC-Schützen sollten den Schulweg erst mit ihren Eltern abgehen. Die Schulen geben Pläne heraus, auf denen sichere Wege markiert sind.

Gutes Sehen ist wichtig: Wer beim Lesen lernen Buchstaben nur schlecht erkennen kann, sollte einen Augenarzt aufsuchen. Das rät die Krankenkasse AOK zum Schulstart. Bleiben Sehprobleme unentdeckt, hagelt es nicht nur schlechte Noten. Auch die kindliche Entwicklung kann gehemmt werden. Anzeichen für Sehprobleme können Kopfschmerzen, Augenbrennen und vermehrtes Zwinkern oder Blinzeln sein. Auch Kinder, die sich ständig die Augen reiben, ihren Kopf schief halten, einen geringen Abstand zu Buch, Bildschirm oder Fernsehen halten, können eine Sehschwäche haben. Für Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt vor dem Schulbeginn kommen die gesetzlichen Krankenkassen auf. Laut einer Auswertung der Krankenkasse AOK trägt in Schleswig-Holstein mehr als jedes zehnte Grundschulkind bereits eine Brille.

Wolfgang Schmidt

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