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Norddeutschland Mehr Ganztagsplätze in Kitas gefordert
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22:18 04.07.2013
Die Bertelsmann Stiftung nimmt jährlich die Situation in den Kitas unter die Lupe. Quelle: Foto: dpa

Nach dem Länderreport der Bertelsmann-Stiftung zu frühkindlichen Bildungssystemen besuchten in Schleswig-Holstein zum Stichtag 1. März 2012 nur 25 Prozent der Mädchen und Jungen über drei Jahre ganztags eine Kita. Dies sei der drittniedrigste Wert aller Bundesländer; der Durchschnitt im Westen betrage immerhin 34 Prozent. Von den Kita- Kindern unter drei Jahren werden den Angaben zufolge fast 43 Prozent mehr als 35 Wochenstunden lang betreut. „Auch für ältere Kita-Kinder brauchen wir eine verlässliche ganztägige Betreuung“, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Das Sozialministerium in Kiel gibt unter Berufung auf die Kommunen allerdings an, der tatsächliche Betreuungsbedarf sei bei den über drei Jahre alten Kindern nicht so hoch. Die Quote in dieser Altersgruppe werde aber steigen, auch als Konsequenz aus dem Ausbau der U-3-Betreuung.

Nach der in Schleswig-Holstein geltenden Verordnung sollen die Öffnungszeiten in Kindertagesstätten für die über Dreijährigen „bedarfsgerecht“ gestaltet werden, aber mindestens vier Stunden an fünf Tagen in der Woche betragen. Ganztagseinrichtungen sollen mindestens durchgängig sechs Stunden offen haben und eine Betreuung während der Mittagszeit gewährleisten. Nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung wäre es besser, wenn es auch in Schleswig-Holstein einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für die über Dreijährigen gäbe. Damit würden für die Eltern die Barrieren gesenkt, sagte eine Sprecherin. Für Nichtberufstätige könne es schwierig sein, individuellen Bedarf für eine Ganztagsbetreuung nachzuweisen.

Nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung ist das Zahlenverhältnis zwischen Kindern und Betreuern in Schleswig-Holsteins Krippen relativ günstig. Eine Vollzeitkraft betreue rechnerisch annähernd vier Ganztagskinder (1 : 3,7). Dies entspreche dem westdeutschen Durchschnitt. Weniger gute Bedingungen fänden allerdings unter Dreijährige, die keine Krippe, sondern andere Gruppenformen besuchen.

In den Kindergartengruppen (für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt) kümmert sich in Schleswig-Holstein eine Erzieherin rechnerisch um acht Kinder (1:8,2). Das ist etwas besser als der Bundesdurchschnitt, wonach ein Erzieher neun Kinder betreut (1 : 9,1). Die Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung liegt allerdings bei 1 : 7,5. Am besten schneidet Bremen ab — mit einem Personalschlüssel von 1 : 7,3. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 1 : 13,6.

Die Stiftung warnte davor, den Ausbau der Kita-Plätze zulasten der Qualität gehen zu lassen. „Gut ein Viertel der unter Dreijährigen findet in Schleswig-Holstein schon heute alles andere als optimale Bedingungen“, sagte Dräger. Für die Qualität von frühkindlicher Bildung sei es von entscheidender Bedeutung, wie viele Kinder eine Erzieherin zu betreuen habe. So habe sich gezeigt, dass bei einer guten Betreuungslage Kinder ihre sprachlich-kognitiven und sozialen Fähigkeiten besser entwickelten. Ähnlich hatte sich zuvor Michael Selck, Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, geäußert. Bei dem Tempo des Ausbaus sei die Qualität nicht mitgewachsen, sagte er. Es würden dringend mehr Fachkräfte gebraucht.

In Schleswig-Holstein nehmen nach Angaben der Stiftung inzwischen mehr als 90 Prozent aller Kinder über drei Jahren eine Tagesbetreuung in Anspruch. jup

Der Länderreport

97 977 Kinder besuchten im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein eine Kindertagesstätte. Bei den über Dreijährigen lag die Betreuungsquote bei 90,6 Prozent, von den unter Dreijährigen waren nur 24,2 Prozent in einer Kita untergebracht. Das bedeutet eine Steigerung um 12,6 Prozent seit dem Jahr 2008. Bisher hat jedes Kind in Schleswig-Holstein ab seinem dritten Geburtstag Anspruch auf einen Kita-Platz mit einer täglichen Betreuungszeit von vier Stunden. Ab August gilt auch ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Ein- und Zweijährige.


1702 Tageseinrichtungen wurden im Vorjahr im Norden gezählt, ein Großteil davon in gemeinnütziger Trägerschaft (77,1 Prozent). 21,1 Prozent waren in öffentlicher Trägerschaft.


Der Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung erscheint einmal pro Jahr. Dafür werden die Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern ausgewertet, zudem werden die zuständigen Fachministerien der Länder befragt.

LN

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