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19:21 19.12.2015
„Was unsere freiwilligen Helfer seit dem Sommer tagtäglich leisten, ist einzigartig und unbezahlbar.“ Torsten Geerdts, DRK-Landesvorstand
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Kiel

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Schleswig-Holstein will die Ehrenamtler in der Flüchtlingshilfe besser stellen: Sie sollen — ähnlich wie die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks — einen Freistellungsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber sowie einen Anspruch auf Lohnfortzahlung für die Dauer ihres Einsatzes bekommen. Das fordert jetzt der DRK-Landesverband. Hintergrund ist die große Zahl an Flüchtlingen, die derzeit betreut werden muss.

„Was unsere freiwilligen Helfer seit dem Sommer tagtäglich leisten, ist einzigartig und unbezahlbar“, sagt DRK-Landesvorstand Torsten Geerdts. Bundesweit ist das DRK in 440 Einrichtungen mit etwa 15 000 Ehrenamtlern rund um die Uhr im Einsatz. In Schleswig-Holstein gibt es inzwischen 14 Erstaufnahmeeinrichtungen, 13 davon werden vom DRK betreut (zwei gemeinsam mit der Johanniter Unfallhilfe).

Dafür sind teilweise bis zu 600 ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz — meist für die Zeit des Aufbaus der Unterkünfte. „Natürlich stoßen einige auch an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Deshalb unser Appell an die Politik nach einer Gleichstellung für die Dauer des Einsatzes bei besonderen Herausforderungen“, so Geerdts. Der Vorstoß richtet sich an die Bundesregierung.

Er greift damit eine Forderung des DRK-Bundesverbandes auf. „Ohne die vielen Tausend ehrenamtlichen Helfer wäre die Betreuung der Flüchtlinge in Deutschland in der jetzigen Dimension gar nicht machbar“, hatte DRK-Präsident Rudolf Seiters gesagt und sich für eine Aufwertung der Arbeit der ehrenamtlichen Helfer durch den Gesetzgeber ausgesprochen.

„Die Betreuung der Flüchtlinge und noch viel mehr die anschließende Integration fordert den Einsatz der Ehrenamtler auch perspektivisch“, meint Geerdts. Daher müssten die gesellschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um die ehrenamtliche Arbeit zu sichern und für die Zukunft zu garantieren.

Schon im September hatte das DRK in Schleswig-Holstein vor einem Teil-Rückzug in der Flüchtlingshilfe gewarnt. Das Land könne nicht immer davon ausgehen, dass die hohe Zahl an Ehrenamtlern erhalten bleibe, sagte Geerdts damals. Viele der Helfer würden vom Arbeitgeber freigestellt. „Aber irgendwann wollen die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter auch zurück“, hatte er erklärt.

Politiker zeigten gestern Verständnis. „Ich verstehe diesen Vorschlag des DRK als berechtigte Aufforderung an die Verantwortlichen auf allen Ebenen, sich über die Verbesserung der Durchhaltefähigkeit unserer ehrenamtlichen Hilfsorganisationen Gedanken zu machen", erklärt Petra Nicolaisen, ehrenamtspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Auch SPD-Kollege Wolfgang Baasch sagte: „Ich kann das gut verstehen. Was die Ehrenamtler leisten, ist hoch anerkennenswert.“ Und die Flüchtlingshilfe werde weiter benötigt. „Da muss man sehen, dass man die Motivation hochhält.“ Die pauschale Forderung nach Gleichstellung hält Baasch für zu einfach. Es sei aber richtig, den ehrenamtlichen Einsatz neu zu ordnen.

Das DRK ist mit 400000 ehrenamtlichen Helfern und etwa 150000 hauptamtlichen Mitarbeitern nach eigenen Angaben die größte humanitäre Hilfsorganisation in Deutschland.

Julia Paulat

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