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Norddeutschland „Mieze“ und „Bello“ sind out –Tierbesitzer geben Lieblingen Kindernamen
Nachrichten Norddeutschland „Mieze“ und „Bello“ sind out –Tierbesitzer geben Lieblingen Kindernamen
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15:45 11.02.2019
Jenny Kontosz und Jan Timmermann aus Ritzerau mit „Mira“: Der Schäferhundmischling ist vollwertiges Familienmitglied – Kindersatz aber nicht. Quelle: Joachim Strunk
Lübeck

„Das letzte Kind hat Fell“ ist ein unter Tierärzten verbreiteter Spruch, das lässt sich auch an den populärsten Namen für Katzen und Hunde ablesen. „Mieze und Bello sind nicht angesagt“, meldete das Haustier-Register Tasso vor kurzem. Wieder einmal führt demnach bei den Hündinnen Luna die Namens-Hitliste 2018 an, gefolgt von Bella und Emma. Katzen wurden demnach am häufigsten Lilli/Lilly, Luna und Lucy genannt. Beliebte Tiernamen finden sich auch in den Top Ten der Mädchennamen. Hier diskutieren LN Leser auf Facebook das Thema.

Das Haustier als Kind-Ersatz

Die innige Verbindung der Deutschen zu ihren Vierbeinern wurde erst kürzlich wissenschaftlich untersucht. Laut einer Befragung an der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) halten mehr als 90 Prozent ihren Hund oder ihre Katze für ein „vollwertiges Familienmitglied“. Knapp die Hälfte bezeichnet das Tier sogar als „Kind-Ersatz“.

„Die ursprünglichen Hauptfunktionen der Haustiere fallen weg“, sagt Peter Kunzmann, Professor für Ethik in der Tiermedizin an der Tiho. So gehe es bei der Katze nicht mehr darum, Nager fernzuhalten. Hunde würden im Privaten auch nur noch selten zum Schutz von Haus und Hof eingesetzt.

Namensgebung ist Modetrend

Die beliebtesten Namen für Rüden unterscheiden sich deutlicher von den Top Ten der Jungennamen, denn hier steht Balu/Balou (der Bär aus dem Zeichentrickklassiker „Dschungelbuch“) ganz oben, gefolgt von Buddy, also Kumpel, und Charlie/Charly. Aber auch die ebenso für Kinder tauglichen Bruno (Platz 6) und Max (Platz 10) tauchen auf. Bei den Katern hat Leo den langjährigen Spitzenreiter Felix verdrängt.  

Das Register Tasso erfasst insgesamt 9,3 Millionen Heimtiere. Im vergangenen Jahr wurden 312 500 Katzen und 390 200 Hunde neu angemeldet. Der im hessischen Sulzbach ansässige Verein finanziert sich aus Spenden. Im Mittelpunkt stehe die Suche nach entlaufenen Tieren und ihre Rückvermittlung, sagt Sprecherin Laura Simon. Dass ihre Namensgebung der Mode unterliegt, beweist ein Blick in die Tasso-Listen aus der Zeit vor 1990. Beliebt bei den Hündinnen waren damals Susi, Lady, Anka, Trixi, Senta, Cindy, Cora, Tina, Asta und Jenny. Weibliche Katzen hießen oft Minka, Susi, Muschi, Mausi, Mohrle, Pussy, Tiger, Lisa, Micky oder Mieze.

„Waldi“, „Bello“ und „Hasso“ sind out: Vierbeiner haben jetzt häufig Namen wie Menschen. Geblieben ist: Der Name drückt Zuneigung zum Tier aus.

Ausstattung und Futter werden immer ausgefallener

Davon, dass der Hund und die Katze als Familienmitglieder aufgefasst werden, profitiert der Zoohandel. Ausstattung und Nahrung werden immer individueller, wie der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) berichtet. So könnten sich Tierhalter etwa das Futter online selbst zusammenstellen und auf das Etikett den Namen drucken lassen. Beliebt seien auch Zahnpflegesnacks für Hunde, Backmischungen für Hundekekse oder handgemachte Halsbänder.

Kindernamen passen sich auch an

Der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld aus Ahrensburg (Kreis Stormarn) findet die Angleichung von Tier- und Kindernamen „faszinierend“. Möglicherweise hätten sich die Vornamen für Mädchen und Jungen in den vergangenen Jahren den Tiernamen angepasst, meint er: „Kindernamen sind heute deutlich kürzer als früher und klingen immer lalliger.“

Studie aus 2012: Hunde heißen oft wie Drinks

Im Jahr 2012 wurde ein anderer Trend festgestellt. Auch damals hieß es bereits: Die klassischen Vokabeln nutzt inzwischen fast niemand mehr, ergab die Magisterarbeit einer Studentin am Deutschen Institut der Universität in Mainz. Lieber rufen die Deutschen beim Gassigehen nach alkoholischen Getränken: Die Befragung von 1000 deutschen Hundehaltern habe ergeben, dass viele Hunde „Jim Beam“, „Asti“ oder „Brandy“ heißen, sagte Damaris Nübling. Die Namenkundlerin hat die Magisterarbeit der Studentin betreut. Noch beliebter seien Menschennamen: „Ben“ oder „Benny“ sowie „Sam“ oder „Sammy“ führen das Ranking an. Und auch damals zählten schon „Lilly“ und „Max“ zu den Favoriten –die zeitgleich auch bei Kindernamen ganz vorne in der Beliebtheitsliste lagen.

LN

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