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Norddeutschland Verzicht auf Plastik ist schwierig
Nachrichten Norddeutschland Verzicht auf Plastik ist schwierig
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20:00 27.10.2018
Wer bei Wiebke Euler einkauft, füllt sich die Lebensmittel in selbst mitgebrachte Behälter. „Wer bewusster einkaufen will, muss sich gut organisieren“, sagt die Ladenbesitzerin vom Lübecker „Unverpackt“-Laden. Quelle: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Wer im Alltag möglichst wenig mit Plastik in Berührung kommen will, hat es nicht einfach. Vor allem im Supermarkt. An der Gemüsetheke sind Tomaten und Himbeeren mit Folie umhüllt, das Brot steckt in einer Tüte aus Plastik, der Salat to go fristet sein Dasein in einer Plastikschale neben dem Smoothie aus der PET-Flasche, Kunststoff umhüllt das Klopapier. Ist ja auch praktisch für den Transport. Das Problem: Plastik schädigt die Umwelt. Und vielleicht auch den menschlichen Körper.

Was ist eigentlich Mikroplastik?

Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind, werden als Mikroplastik bezeichnet. Zu kleinen Teilen bildet es sich selbst in den Meeren. Den größeren Anteil an der Entstehung haben aber Menschen an Land, etwa durch Abrieb von Autoreifen, Farben und Textilien und der Produktion von Plastikverpackungen.

Häufig finden die Partikel ihren Weg in die Organe von Meerestieren und inzwischen auch Menschen. Ob das die Gesundheit schädigt, ist weitestgehend unklar.

„Wir wissen noch sehr wenig über die Auswirkungen von Mikroplastik auf den Organismus“, sagt der Meeresökologe Mark Lenz vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar). Der Wissenschaftler führt derzeit ein Projekt mit Miesmuscheln durch, die einer besonders hohen Konzentration von Mikroplastik ausgesetzt werden. „Wir haben bisher eine erhöhte Mortalität festgestellt“, berichtet Lenz. Endgültige Ergebnisse der Studie gibt es aber erst Mitte nächsten Jahres.

Autobahn, Fußballplatz, Kleidung: Quellen für Mikroplastik sind überall

Klar ist aber: Es werden immer mehr Partikel. Sie werden überall freigesetzt, und zwar bei weitem nicht nur durch Lebensmittelverpackungen, sondern auch durch den Reifenabrieb rollender Autos, bei der Abfallentsorgung, bei Verwehungen auf Fußballplätzen mit Kunstrasen, auf Baustellen, beim Bewegen der Fasern des Pullovers.Während die Politik über schärfere Gesetze zu Plastikprodukten diskutiert und die Wissenschaft den Auswirkungen auf den Grund geht, kratzt sich der Verbraucher am Kopf.

Mediziner Martin Smollich vom Lübecker Institut für Ernährungsmedizin bekommt inzwischen vermehrt Patientenanfragen zum Thema Mikroplastik und Ernährung. „Aus Sicherheitsgründen können Verbraucher den Kontakt mit Mikroplastik reduzieren, indem sie beispielsweise auf PET-Flaschen, Kaugummis und bestimmte Zahnpasta verzichten“, empfiehlt der Experte. Eine besonders hohe Konzentration von Mikroplastik befinde sich in Fisch, Meeresfrüchten, Muscheln – und auch Meersalz. Darum könnten Verbraucher einen Bogen machen.

Auf der Suche nach alternativen Einkaufsmöglichkeiten

Auf Plastikverpackungen verzichten, das geht im Lübecker „Unverpackt“-Laden von Wiebke Euler. Seit anderthalb Jahren bietet die 32-Jährige auf kleiner Verkaufsfläche in der Fleischhauerstraße Lebensmittel ohne Plastikverpackung an. „Wer bewusster einkaufen will, muss sich gut organisieren“, sagt die 32-Jährige. Sie kenne das selbst, von Supermarkt zu Supermarkt laufen, um die gewünschten Lebensmittel ohne Plastikhülle zu bekommen. Ihre Lösung im eigenen Laden: Lasagneplatten, Reis, Eier, Gewürze, Müsli füllen sich die Kunden in selbst mitgebrachte Dosen, Beutel und Glasbehälter. Vom Spontaneinkauf rät Wiebke Euler ab. Ein Beispiel: das Mittagessen. „Muss es der in Plastik verpackte fertige Salat sein oder kann ich das vielleicht auch schon zu Hause vorbereiten?“, verdeutlicht Euler das Problem.

Während Wissenschaftler zu möglichen Auswirkungen von Mikroplastik forschen, wollen Verbraucher Tipps für den Alltag

Doch nicht immer können Kunden ganz auf die Plastikverpackung verzichten, so wie etwa im „Unverpackt“-Laden. „Wenn ich mir einen Joghurt kaufen will, ist es schwierig, Plastik zu umgehen“, sagt etwa Kunde Kevin Prehn (30). „Ich versuche immer, loses Gemüse zu kaufen, zumindest wenn ich die Wahl habe“, berichtet Kundin Anne-Katrin Voutta (39). Und Emma McNairy plädiert für Glas- statt Plastikflaschen. „Plastik zerstört die Welt“, sagt die 30-Jährige, die Stammkundin bei Wiebke Euler ist.

Ein paar Alternativen gibt es also, nach denen sich Verbraucher im Alltag umschauen können. Wer ratlos im Super- oder Drogeriemarkt steht, kann die App „Codecheck“ zu Rate ziehen. Sie warnt vor bedenklichen Inhaltsstoffen und informiert darüber, ob etwa ein Kosmetikartikel Mikroplastik enthält. Dazu fotografiert man mit der App den Strichcode des Produkts.

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Saskia Bücker

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