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Norddeutschland Immer mehr Verbraucher sind verunsichert
Nachrichten Norddeutschland Immer mehr Verbraucher sind verunsichert
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18:49 27.10.2018
So sehen Mikroplastik-Teilchen aus. Erstmals wurden sie auch in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Lübeck/ Kiel

Die Angst vor gesundheitlichen Folgen durch Mikroplastik wächst. Auch in Lübeck und Umgebung sind Verbraucher verunsichert. Martin Smollich vom Lübecker Institut für Ernährungsmedizin sagt: „Immer mehr Patienten kommen mit Beschwerden zu uns und fragen nach, ob das mit Mikroplastik zu tun hat.“ Und bei einer Umfrage vom Bundesinstitut für Risikobewertung äußerten 56 Prozent der Befragten Bedenken über Mikroplastik in Lebensmitteln – elf Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

Die winzigen Partikel finden sich inzwischen in vielen Lebensmitteln wie Honig oder Bier sowie in der Zahnpasta, auf der Autobahn und im Meer. „Auch in der Ostsee finden wir die winzigen Spuren der Wegwerfgesellschaft“, sagt Mark Lenz vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Sie stammen meistens vom Müll des Verbrauchers. Regenjacken, Plastiktüten, sogar Waschmaschinen haben Fischer an der Ostseeküste schon aus dem Meer gefischt und anschließend entsorgt, berichtet Benjamin Schmöde von der Fischergenossenschaft Fehmarn.

Plastikmüll: Ein Problem für Mensch, Tier und Umwelt

Weit mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll verseuchen die Weltmeere. Jährlich kommen geschätzt weitere 10 Millionen Tonnen hinzu. Eines der größten Probleme: Es dauert mehrere hundert Jahre, bis sich die Kunststoffe zersetzen. Dabei gelangen Gifte vor allem in die Meeresumwelt.

Ist der Müll im Laufe der Zeit in mikroskopisch kleine Partikel zerfallen, drohen weitere Gefahren. Denn sie binden Schadstoffe an ihrer Oberfläche und transportieren sie in die Nahrungskette – mit Folgen für Mensch, Tier und Umwelt.

Für Aufregung sorgte diese Woche eine neue Studie aus Österreich, die Kunststoff im Stuhlgang des Menschen nachgewiesen hat. „Welche Auswirkungen Mikroplastik auf die Gesundheit hat, ist bisher komplett unerforscht“, sagt der Ernährungswissenschaftler Smollich. Gefahren seien nicht auszuschließen, gerade weil Plastik kaum abgebaut werde und oft giftige Farbstoffe und Weichmittel enthalte.

Das Thema Mikroplastik beschäftigt auch die Landespolitik in Schleswig-Holstein

Erst am Mittwoch verkündete das Europaparlament, zum Schutz der Meere Plastikteller und Strohhalme zu verbieten. Doch damit ist es nicht getan. Robert Habeck (Grüne) forderte etwa eine Reduzierung des Plastikkonsums durch ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Die Europäische Union solle zudem eine Steuer auf Wegwerfprodukte einführen. Kunststoff solle wiederverwendbar oder komplett abbaubar sein.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will sich für ein europäisches Verbot von Mikroplastik einsetzen. Darauf habe sich die Koalition verständigt. „Zudem haben wir uns im September im Bundesrat für ein Ende des Schredderns von verpackten Lebensmittelabfällen ausgesprochen.“ Auch die Landtagsabgeordnete Sandra Redmann (SPD) sagt: „Die Politik muss härtere Regeln treffen.“ Es sei die Aufgabe von Politikern, die Kosmetikindustrie dazu zu bringen, Mikroplastik in Produkten zu vermeiden. Der Verbraucher müsse sensibilisiert werden für die weniger sichtbaren Spuren von Plastik.

Kunststoff in Kosmetik ist nur eines von vielen Problemen

Und die gibt es nicht nur in der Kosmetik. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts vom Juni 2018 belegt der Reifenabrieb durch Autos und Lkw den ersten Platz bei der Freisetzung von Mikroplastik. Zum Vergleich: Partikel in der Kosmetik befinden sich auf Platz 17. „Auch zum Reifenabrieb sind wir in der Diskussion“, sagt Redmann. Allerdings befinde man sich erst am Anfang. „Von Forschungsprojekten zum Reifenabrieb sind wir noch weit entfernt“, kritisiert auch der Landtagsabgeordnete Heiner Rickers (CDU). Er fordert zudem, bessere Filter für Kläranlagen zu finanzieren.

Sollte die Politik im Kampf gegen Plastikmüll mehr tun?

Plastikmüll und Mikroplastik werden verstärkt zum Problem.

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Weitere Informationen zur Initiative der Landesregierung für das Schreddern von verpackten Lebensmittelabfällen finden Sie hier.

http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Kein-Plastik-Meer-Talkrunde-mit-Gabriele-Hiller-Ohm-in-Luebeck

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Politik/Politik-im-Rest-der-Welt/EU-Parlament-stimmt-fuer-Verbot-von-Wegwerf-Plastikprodukten

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Politik/Politik-im-Rest-der-Welt/Ocean-Cleanup-Grossreinemachen-auf-dem-Pazifik-beginnt

http://www.ln-online.de/Thema/L/Lifestyle/Noch-immer-viel-Mikroplastik-in-Kosmetik-Produkten

„The Ocean Cleanup“ ist ein Projekt eines Niederländers, der Plastikmüll in Weltmeeren einsammelt – hier ein Video zur Aktion:

Saskia Bücker

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