Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Millionenschäden durch Orkan: Land sperrt Wälder im Norden
Nachrichten Norddeutschland Millionenschäden durch Orkan: Land sperrt Wälder im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:54 29.10.2013
Der Orkan fällte 300 000 Kubikmeter Holz im Land. Quelle: dpa
Lübeck

„Christian“ dürfte als einer der schlimmsten Orkane in die Geschichte Schleswig-Holsteins eingehen. Der erste Herbststurm des Jahres hinterlässt Tote, Schwerverletzte, Verkehrschaos und Schäden in Millionenhöhe.

Die Unruhe nach dem Sturm

„Das war ein Extremsturm, so viele Einsätze hatten wir noch nie“, sagte Lothar Gahrmann, Sprecher des Landespolizeiamts in Kiel. Bis Montagnacht seien rund 4000 Wettereinsätze bei den Polizei-Leitstellen aufgelaufen, die Hälfte davon in Flensburg und Nordfriesland. 243 gab es in und um Lübeck. In Göhl (Ostholstein) starb eine 66-jährige Frau, als eine Mauer auf sie fiel; in Flensburg wurde ein 85-Jähriger von einem Baum erschlagen. Bei Braderup (Nordfriesland) kam ein 50-Jähriger bei einem Autounfall ums Leben, als eine Orkanböe seinen Transporter von der Straße wehte. Etliche Menschen wurden durch umstürzende Bäume und umherfliegende Trümmerteile zum Teil schwer verletzt, eine 57-jährige Lübeckerin sogar lebensgefährlich. Ihr Zustand galt laut Polizei auch gestern noch als kritisch.

Das komplette Ausmaß der Verwüstung, die „Christian“ im Norden hinterlassen hat, war gestern noch gar nicht absehbar. Allein die Provinzial-Versicherung geht von einem „zweistelligen Millionenbetrag“ aus. „Bei uns stehen die Telefone nicht mehr still“, sagte Sprecherin Bärbel Reichelt. Vor einigen Filialen hätten sich lange Schlangen von Kunden gebildet, die ihre Schäden melden wollten. Zum Teil seien ganze Dächer von Orkanböen abgedeckt worden, wobei die schlimmsten Schäden westlich der A 7 zu verzeichnen seien. Zeitweise waren am Montag auch 50<TH>000 Haushalte im Norden ohne Strom.

Auch in den Wäldern richtete der Orkan schwere Verheerungen an. Laut Umweltministerium habe „Christian“ rund 300 000 Kubikmeter Holz gefällt. In den Wäldern in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Rendsburg Eckernförde hat die Forstbehörde den Zutritt bis auf Weiteres untersagt. „Beim Betreten der Wälder besteht wegen der zahlreichen entwurzelten und abgeknickten Bäume Lebensgefahr“, sagte Forstminister Robert Habeck (Grüne).

Der Straßen- und Schienenverkehr war gestern weiterhin stark beeinträchtigt. In allen Landesteilen seien schwere Schäden durch entwurzelte Bäume entstanden, teilte das Kieler Verkehrsministerium mit. „Ein solches Ausmaß der Zerstörung ist bislang noch nicht da gewesen“, sagte Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Ebenso fielen gestern die meisten Zugverbindungen in Richtung Norden wegen Bäumen auf den Gleisen aus – 71 waren es allein auf der Strecke zwischen Neumünster und Flensburg. Zwischen Lübeck und Hamburg lief der Bahnverkehr dagegen wieder normal.

Wolfgang Seifert, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Hamburg, sprach von einem „extraordinären Wetterereignis“. Orkanböen der Stärke 12 würden im Binnenland nur „extrem selten“ erreicht. Einen Orkan dieser Stärke habe es so früh im Herbst noch nie gegeben.

Stark wir ein Hurrikan

172 Stundenkilometer – die höchste Windgeschwindigkeit des Orkantiefs „Christian“ wurde in St. Peter Ording gemessen. Ein Orkan beginnt auf der Beaufortskala ab 117 Stundenkilometern (Windstärke 12). Auf der sogenannten Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala entsprechen 172 Stundenkilometer Windstärke 15 – oder einem Hurrikan der Kategorie 2.

Oliver Vogt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!