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Norddeutschland Ministerin will allen Schülern Berufsausbildung garantieren
Nachrichten Norddeutschland Ministerin will allen Schülern Berufsausbildung garantieren
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22:47 11.02.2016
Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will die bundesweit diskutierte Ausbildungsgarantie in Schleswig-Holstein einführen. Quelle: dpa

 „Wir wollen in ein paar Jahren allen Sechst- und Siebtklässlern das Signal senden, ihr bekommt alle eine berufliche Ausbildung“, sagte die Ministerin in Lübeck. „Das soll garantiert werden.“

Zugleich warb die Ministerin für Jugendberufsagenturen. Auslöser für den Vorstoß ist der Länderbericht der Bertelsmann- Stiftung von 2015, der das schleswig-holsteinische Berufsbildungssystem massiv kritisiert. Zu viele Schulabgänger landen danach in einem Übergangssystem statt in einer betrieblichen Ausbildung. „Es besteht akuter Handlungsbedarf“, sagte die Ministerin bei einer Konferenz in Lübeck. Nach ihren Angaben hielten sich im Schuljahr 2014/2015 rund 6500 Jugendliche in schulischen Übergangssystemen auf. Gemeint sind etwa Berufseingangsklassen oder auch das Ausbildungsvorbereitende Jahr (AVJ). „Wir müssen diesen Übergangsbereich als Reparaturbetrieb verkleinern und Jugendliche direkt in eine betriebliche Ausbildung bringen“, sagte die Ministerin. Wie die Garantie genau aussehen soll und was sie beinhaltet, kann Britta Ernst noch nicht sagen. „Wir stecken noch in den Anfängen“, erklärte sie den LN. Das Ausbildungsversprechen funktioniere nur gemeinsam mit der Wirtschaft.

Lesen Sie hier mehr: "Nach der Schule in die Lehre — und nicht in die Warteschleife"

Vorbild ist der Stadtstaat Hamburg. Dort wurde das Übergangssystem reformiert. „Wir bieten ein staatliches Ergänzungsangebot für alle, die keine Lehrstelle in einem Betrieb finden“, erklärt Angela Homfeld, Sprecherin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung. Außerdem kümmert sich seit 2012 eine Jugendberufsagentur um alle Schulabgänger, die nicht auf dem Lehrstellenmarkt unterkommen.
„Was die Hamburger machen, ist toll“, meint Ulrich Hoffmeister, Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck. Jedoch sei es ausgesprochen schwierig, das auf Schleswig-Holstein zu übertragen. Die Handwerkskammer Lübeck steht den Plänen aufgeschlossen gegenüber. Schließlich suche das Handwerk wegen der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren händeringend Fachkräfte, so Sprecher Ulf Grünke.

Nach Auffassung der CDU kommt die Initiative der Ministerin reichlich spät. Bildungspolitikerin Heike Franzen: „Die Initiative der Ministerin geht auf einen Vorschlag der Bertelsmann-Stiftung zurück. Schön, dass sie kurz vor dem Ende des vierten Jahres der Albig-Regierung zumindest andeutet, an dem Projekt weiterzuarbeiten. “ Die Bertelsmann-Stiftung hatte 2012 ein Konzept erarbeitet, wie der unübersichtliche Bereich zwischen Schule und Beruf neu gestaltet werden kann.

Von Kay Dordowsky und Julia Paulat

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