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Norddeutschland Mit Feuer und Fahne
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21:21 22.06.2013
Im Reventlow-Park auf Lolland findet einer der größten Sankt-Hans-Feiern der Region statt. Im Mittelpunkt steht das große Feuer. Quelle: Foto: hfr
Pederstrup

Sie will Modell gestanden haben — für die Strohhexe, die die Kinder der Privatskolen Nakskov gerade basteln. Charlotte Pepping muss grinsen, als sie dem deutschen Reporter das weiß machen will. Mit vollgeklecksten Fingern und in nicht mehr ganz so weißen Kitteln bemalen ihre Schüler gerade den Kopf der zwei Meter großen Märchenfigur, stülpen ihr einen Wischmopp als Frisur über und ziehen ihr eine Strumpfhose über die aus beklebten Lufballons gebastelten Beine. Pepping, die Leiterin der Nachmittagsbetreuung an der Schule, meint: „Eigentlich fast schade, dass wir die Hexe verbrennen müssen.“ Aber so ist das nun mal: Heute ist Sankt-Hans-Abend in Dänemark.

Das rot-weiße Königreich feiert am Vorabend des Johannistages (24. Juni) sein Mittsommerfest. Und bevor die Tage wieder kürzer werden, steigt auch in Pederstrup auf Lolland noch einmal eine große Party. Wobei: Diesen Begriff hört Ib Bruun Clausen eigentlich nicht so gerne. Er ist Vorsitzender der Unterstützergruppe des Reventlow- Parks, der vielleicht schönsten Parkanlage der Insel. Hier steigt eine der größten Sankt-Hans-Feiern der Region. Clausen organisiert sie. „Ohne viel Tingeltangel“, betont er. Nicht wie ein paar Kilometer weiter in Nakskov, wo das Fest mittlerweile eher einem Rummel gleiche.

Die Strohhexe für den Reventlow-Park kommt trotzdem von da. Bis sie dem großen Feuer aber übergeben wird, dauert es, bis es zumindest etwas dunkel geworden ist. Die Hexenverbrennung ist keine überlieferte Tradition, sondern wurde erst im 20. Jahrhundert aus Deutschland mitgebracht. Aus dem Harz.

Alles beginnt aber mit dem Dannebrog. Selbstverständlich wird die dänische Nationalflagge an diesem Tag gehisst. „Wir Dänen nutzen eigentlich jede Gelegenheit, sie zu hissen“, sagt Clausen mit einem Lächeln und beschreibt den weiteren Ablauf des Sankt- Hans-Abends: „Erst kommt man zusammen und isst etwas. Jeder bringt das mit, was er mag“, erzählt er. Dann gebe es etwas Unterhaltung, eine Band zum Beispiel — oder Akrobaten. Nächster Programmpunkt ist stets die Rede der lokalen Prominenz. „Wir hatten schon einen Bischof bei uns, Bürgermeister aus der Umgebung und Parlamentsabgeordnete“, erzählt Clausen. Einzige Regel für die Rede: „Nicht zu politisch.“

Dann kommt der Höhepunkt: Die Verbrennung der Strohhexe. Vorher wird sie mit einem Heuler präpariert — so verabschiedet sie sich schön scheußlich gen Blocksberg. Volkslieder und Feuerwerk bilden schließlich den feierlichen Abschluss. Ein Muss dabei ist das Lied „Wir lieben unser Land, jedoch am meisten zu Mittsommer” vom dänischen Dichter Holger Drachmann. „Das singen wir aus voller Inbrunst“, sagt Clausen. Heute darf er es wieder machen — und ein ganzes Königreich singt mit.


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Jan Wulf

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