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Norddeutschland Mit Laufenten auf Schneckenjagd
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11:50 20.05.2016
Laufenten sind perfekte Schneckenjäger. Quelle: Olaf Malzahn
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Ahrensbök/Kiel

Die Schnecken kommen! Die milde und feuchte Witterung der kommenden Tage biete den hungrigen Tieren das ideale Umfeld für ein rasches Wachstum, prognostizierte das Institut für Wetter- und Klimakommunikation gestern in Hamburg. Rund 60 Eier legen Schnecken in Spalten und unter Steinplatten ab. Binnen weniger Wochen wachsen die Tiere heran.

 

Schwört auf Indische Laufenten zur Schneckenbekämpfung: Thorsten Heide (60) vom Hof Steindamm in Ahrensbök. Quelle: Olaf Malzahn

Gartenfreunde sind jetzt gefragt, Gegenstrategien zu entwickeln. Neben Schneckenkorn und Bierfallen setzen auch immer mehr Menschen auf Indische Laufenten.

„Die sind einfach toll. Morgens gegen fünf machen die ihre Runde und fressen alles, was Eiweiß hat“, berichtet Thorsten Heide. Der 60-Jährige betreibt gemeinsam mit Andrea Weber (58) die Nutztierarche Hof Steindamm in Ahrensbök (Kreis Ostholstein). Schnecken sind auf den Naturwiesen rund um den Hof kein Thema mehr. 30 bis 40 Nacktschnecken kann eine ausgewachsene Laufente am Tag verputzen. Dazu frisst sie auch Raupen, Würmer und Käfer. „All unsere Nachbarn haben schon Laufenten“, erzählt Heide.

Inzwischen bietet er auch Enten- Leasing für 15 Euro pro Monat. Dazu wird eine Kaution von 15 Euro pro Tier verlangt. Die Tiere, die durch ihren langgestreckten Hals auffallen, sollten mindestens zu zweit gehalten werden. Sie brauchen zudem einen umzäunten Garten, ein Wasserbassin und einen kleinen Stall, in dem sie nachts vor Füchsen und Mardern sicher sind. „In der Regel behalten die Leute die Tiere dann aber doch“, erzählt Heide. Man gewöhne sich ja an sie. Im Grunde eigne sich jede Ente für den Schneckeneinsatz. „Aber nur die Laufenten stehen meiner Erfahrung nach nicht so auf Salat.“

Beim Landesverband der Gartenfreunde zeigt man sich da skeptisch. „Wenn die Schnecken aufgegessen sind, entwickeln die Laufenten einen gesunden Appetit auf Salat und solche Dinge“, warnt Geschäftsführer Thomas Kleinworth. Er rät eher zu „vernünftigen Kulturmaßnahmen“. So solle man im Garten wenig Möglichkeiten zur Ei-Ablage bieten. Auch sei es sinnvoll, die Beete morgens zu wässern.

„Da trocknet das Wasser schneller ab und nimmt den Schnecken den Bewegungsraum“, sagt Kleinworth. Von Bierfallen rät er ab. „Da holt man sich noch mehr Schnecken in den Garten.“ Bei vielen Gärtnern sei auch das Absammeln eine gängige Methode, die „für den Moment Abhilfe verschafft“. Der Nachbarsgarten bietet sich für eine Umsiedlung allerdings nicht an. Denn Nacktschnecken können bis zu 100 Meter Strecke pro Nacht zurücklegen.

Ganz neu auf dem Markt ist „Schnexagon“, ein von Studenten der Kieler Universität entwickeltes Anti-Schneckenmittel. „Es ist ökologisch nachhaltig hergestellt und biologisch unbedenklich“, erklärt Erfinderin Nadine Sydow (29). „Dabei werden die Klebeproteine, die im Schneckenschleim sind, blockiert.“ Begrenzte Flächen sollen sich mit einmaligem Anstrich gut vor Schnecken schützen lassen. Nötig ist allerdings eine Barriere, die höher ist als die Schnecken sich strecken können. In diesen Tagen kommt das Mittel erstmals in den Handel. „Es ist in 200 Märkten in Deutschland erhältlich“, sagt die Gründerin stolz.

Der Naturschutzbund Schleswig-Holstein (Nabu) bringt zur Schneckenabwehr noch Elektrozäune ins Spiel. „Ein kleiner Kupferdraht soll helfen, das ist aber sehr aufwendig“, räumt Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski ein. Als Biologe findet er die Gruppe der Schnecken „hochinteressant“. Schließlich seien manche von ihnen auch räuberisch und würden Artgenossen fressen. „Ich kann aber auch verstehen, dass die Leute in Sorge um ihr Gemüse sind.“

100 000 Arten

Schnecken sind mit etwa 100000 Arten sind die größte Klasse der Weichtiere. Weinbergschnecken sowie Schnirkel- und Bänderschnecken kennt jeder – vermehrt kommen inzwischen aber auch Nacktschnecken (ohne Gehäuse) vor. In den Gärten bereiten neben der Spanischen Wegeschnecke, die vor 40 Jahren eingewandert ist, vor allem die Gartenwegschnecke und die Ackerschnecke (bis zu fünf Zentimeter groß) Probleme, weil sie sich mit allzu großem Appetit über Pflanzenteile hermachen. Es gibt aber auch Schnecken, die am liebsten Aas fressen, und auch Raubschnecken.

 Julia Paulat

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