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Mit Pfeil und Bogen auf den Pfaden der Film-Helden

Lübeck Mit Pfeil und Bogen auf den Pfaden der Film-Helden

Kinohits wie „Die Tribute von Panem“ wecken bei Jugendlichen immer mehr das Interesse am Bogenschießen — Doch was in den Filmen leicht aussieht, ist in der Praxis meist schwieriger.

Lübeck. Der Trainer pfeift zwei Mal. Katharina (15) bringt sich in Position. Sie zieht einen Pfeil aus dem Köcher und legt ihn am Bogen auf, spannt die Sehne, bis sie damit ihre Nase berührt. Konzentriert blickt sie auf das Ziel vor ihr, dann saust der Pfeil nach vorn. Treffer. Nicht ins Schwarze, sondern ins Goldene — auf der rund 18 Meter entfernten Zielscheibe.

„Nicht die Hand wegziehen“, ruft Gerd Fritsche ihr zu. Ansonsten ist der Trainer zufrieden. „Katharina hat erst im Winter angefangen, aber sie hat ein ziemliches Talent.“

Gerade ist der Andrang aufs Bogenschießen nicht nur beim Lübecker Bogenclub, sondern auch hier am Platz der Lübecker Turnerschaft in der Possehlstraße ziemlich groß. „Seit der Weihnachtszeit wollen plötzlich viele Jüngere damit anfangen — meistens mit Alternativschießen ohne technisches Zubehör, was am Anfang aber sehr schwierig ist“, sagt Fritsche. Er weist seine jüngeren Schützlinge, von denen an diesem Tag vier zum Training gekommen sind, daher zunächst am sogenannten Recurve-Bogen mit Zielvorrichtung ein. „Aber die Jugendlichen haben das Bogenschießen mit Blanko-Bogen im Fernsehen oder in Filmen gesehen und deshalb finden sie es wohl so spannend“, sagt der Trainer.

Vorbilder sind Film-Epen wie „Herr der Ringe“, in dem Legolas mit Pfeil und Bogen Orks besiegt. Und vor allem die Verfilmung der RomanTrilogie „Die Tribute von Panem“, in der sich die Protagonistin Katniss Everdeen mit einer der ältesten Jagdwaffen der Menschheit verteidigt, hat es dem jüngeren Publikum angetan.

„Deswegen habe ich eigentlich vor zwei Jahren mit dem Bogenschießen angefangen“, sagt Lisa (17). Mit einer Freundin hat sich die Schülerin den ersten Teil der Tribute-Trilogie angesehen und sagte:

„Das sollten wir auch einmal ausprobieren.“ Die Freundin hat inzwischen wegen der Schule mit dem Bogenschießen aufgehört, doch Lisa ist dabei geblieben — trotz der drei Trainingstermine in der Woche.

„Der Trainer und die Gruppe sind sehr nett, es gefällt mir super“, sagt die 17-Jährige. Und das, obwohl das jetzige Bogenschießen mit den Filmvorbildern eigentlich nicht mehr so viel zu tun hat.

„Jetzt weiß ich: In den Filmen machen die eigentlich fast alles falsch“, sagt Lisa. Auch Mitstreiter Nico (15) bestätigt das. Legolas hat die falsche Körperhaltung, Katniss spannt den Bogen nicht immer richtig. „Wenn man das im Fernsehen sieht, denkt man, es sei alles leicht wie eine Feder“, sagt Lisa. Tatsächlich aber wiegt der Bogen ein paar Kilo und beim Spannen der Sehne zieht sie über die Rückenmuskulatur ein Gewicht von mehr als 24 englischen Pfund (etwa 10,9 Kilo). Und dann ist da noch das Wichtigste: die Technik. „Man muss sich wirklich konzentrieren“, sagt die Schülerin.

Drei Mal Pfeifen. Das ist das Zeichen vom Trainer, dass nun erst einmal keiner mehr schießen darf und die Schützen zu den Scheiben laufen, um ihre Pfeile wieder einzusammeln. Wie viele von seinen neuen Schützlingen in der fast 70 Mitglieder starken Bogensportsparte der Lübecker Turnerschaft nach dem Film-Hype bleiben, weiß Gerd Fritsche noch nicht. „Generell wechseln einige Jugendliche häufig die Sportarten oder müssen aufhören, weil die Schule ihnen immer mehr abverlangt“, sagt der 71-Jährige. Er aber macht weiter Werbung für das Bogenschießen. „Es ist ein Familiensport und man ist in der Saison die ganze Zeit an der frischen Luft, das kann ich nur empfehlen.“

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Von der Jagdform zur Olympischen Disziplin

14 000 Jahre mindestens schon werden Pfeil und Bogen zum Jagen verwendet, was durch alte Pfeilspitzen aus Feuerstein belegt ist.

60 englische Pfund , also rund 27 Kilogramm, haben trainierte Schützen als Zuggewicht — das ist die Kraft, die benötigt wird, um den Bogen zu spannen. Kinder fangen mit wenigen Pfund Zuggewicht an.

130 Stundenkilometer erreicht ein Pfeil mit einem schweren, modernen Sportbogen. Dieser kann die Pfeile etwa 150 Meter weit schießen.

1972 ist das Jahr , seitdem Bogenschießen wieder zu den Olympischen Disziplinen gehört. Davor ist die Präzisionssportart 1900, 1904, 1908 sowie 1920 vertreten gewesen.

Von Lena Modrow

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