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Norddeutschland Modellflieger kämpfen um ihr Hobby
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20:18 09.04.2016
Ob Daniel Sack vom Modellbau Club Lübeck seinen Segelflieger auch in Zukunft ohne Einschränkungen starten lassen kann, ist unklar. Quelle: Neelsen

Lautlose Segler, Jagdflugzeuge mit surrendem Verbrennungsmotor oder kleine Propellermaschinen mit Elektroantrieb: Die Saison auf den Modellflughäfen hat wieder begonnen. Nach der Winterpause können nun auch die Mitglieder des Modellbau Club Lübeck im Roggenhorst wieder ihre Flugobjekte starten lassen. Doch während die Nachbauten über dem Platz ihre Runden drehen, hängt noch etwas anderes in der Luft, das für viele Diskussionen unter den Vereinsmitgliedern sorgt: Der Modellflug ist bedroht. Denn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant, die Nutzung von zivilen, unbemannten Luftfahrzeugen strenger zu regulieren. Abzielen soll die Änderung der Luftverkehrsordnung vor allem auf Drohnen, sogenannte Multikopter, die mit Kameras ausgestattet sind und immer wieder wegen unsachgemäßer Benutzung in die Schlagzeilen geraten sind — zuletzt wegen Behinderungen am Hamburg Airport (siehe rechts). Doch treffen würde die Gesetzesnovelle auch die Modellbauer mit ihren Flugzeugen, welche ebenso unter die Rubrik „unbemanntes Luftfahrzeug“ fallen.

„Vor allem, dass private Flüge in einer Höhe ab 100 Metern sogar auf den ausgewiesenen Plätzen verboten werden sollen, ist höchst problematisch“, sagt Daniel Sack, Kassenwart beim Modellbau Club Lübeck. Wenn zum Beispiel ein geübter Segelmodellflieger sein Objekt mit einem Schleuderstart bis zu 70 Meter in die Höhe bringt und dann noch die Thermik dazu kommt, seien schnell über 100 Meter Flughöhe erreicht. „Und dann gibt es noch die großen Flugzeuge mit mehreren Metern Spannweite, die schnell auf 250 bis 300 Meter kommen“, sagt Sack. Sein Fazit ist klar: „Wenn die Beschränkung auf 100 Meter kommt, geht beim Modellflug gar nichts mehr.“

So argumentiert auch der Deutsche Modellflieger-Verband (DMFV), der mit 87000 Mitgliedern der größte seiner Art in Europa ist. Um die Gesetzesnovelle zu stoppen, hat dieser nun in Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden und Herstellern die Online-Petition „Hände weg von meinem Hobby“ ins Leben gerufen, die bereits mehr als 35000 Unterstützer unterzeichnet haben. In der Begründung heißt es: „Es besteht bereits jetzt ein umfassendes Regelwerk, das sowohl den klassischen Modellflug als auch den Einsatz von ,Drohnen‘ ausreichend reglementiert.“ So zum Beispiel, dass ein Multikopter schon jetzt nur auf Sichtweite geflogen werden dürfe. Außerdem weist die Petition auf die Sicherheit des Modellflugs hin: Zum einen seien alle Zwischenfälle, die der deutschen Flugsicherung zwischen Januar 2015 und Februar 2016 gemeldet wurden, von Drohnen verursacht worden. Zum anderen habe die Europäische Agentur für Flugsicherheit dem Modellflug hingegen in einer Stellungnahme bescheinigt, dass dieser über eine „sehr gute Sicherheitsbilanz verfügt“, heißt es weiter in der Begründung.

Denn die Modellflieger hätten nicht nur alle eine Haftpflichtversicherung für ihre Flugobjekte abgeschlossen, auch würden ihre Flugübungen immer auf den ausgewiesenen Plätzen stattfinden — beim Flug-Modell-Club Lübeck sogar in Absprache mit der Leitung am Flughafen Blankensee, sagt der erste Vorsitzende Ulrich Warncke. Der Grund: Der Flugplatz des Flug-Modell-Clubs liegt in unmittelbarer Nähe zum Verkehrsflughafen Lübeck — und da wollen sie keiner Passagiermaschine in die Quere kommen. Da all diese Sicherheitsvorkehrungen bestehen, fühlen sich die Modellflieger zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt. „Es wäre viel wichtiger, dass der Käufer beim Erwerb einer Drohne ausführlich darüber informiert wird, wie er diese zu handhaben hat, wo er damit fliegen darf, dass keine Persönlichkeitsrechte verletzt oder Menschen gefährdet werden“, so Warncke. „Es gibt Aufklärungsbedarf, aber es soll keine weiteren Sanktionen für den Modellbau geben. Denn entsprechende Regelungen auch für den Umgang mit Drohnen existieren schon.“ Wie der Deutsche Aero Club (DAeC) mitteilt, soll die Gesetzesvorlage nach Informationen des Bundesministeriums nach dem Durchlaufen der Ausschüsse zur Kommentierung an die Verbände gehen. Das soll in der zweiten Jahreshälfte geschehen.

Drohnen-Problem am Flughafen

Die steigende Anzahl an Drohnen macht dem Hamburger Flughafen und der Flugsicherheitsbehörde nach eigenen Angaben zunehmend zu schaffen. „Eigentlich gibt es im Umkreis von eineinhalb Kilometern um den Flughafen ein gesetzliches Verbot, solche Fluggeräte dort steigen zu lassen“, sagt Harry Denz von der Luftsicherheitsbehörde. „Davon wissen die meisten Freizeitpiloten allerdings nichts.“ Allein 2015 seien drei Drohnen in der Einflugschneise des Airports gesichtet worden, welche die Flugzeuge möglichst nah filmen wollten. Auch die genehmigungspflichtigen gewerblichen Drohnenflüge haben laut Denz sehr stark zugenommen. 2012 habe es in Hamburg 19 Anträge gegeben. 2015 seien es bereits 620 gewesen.

Von Lena Modrow

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