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Norddeutschland Mörder gesucht: Polizei rollt 180 ungeklärte Fälle auf
Nachrichten Norddeutschland Mörder gesucht: Polizei rollt 180 ungeklärte Fälle auf
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00:52 01.12.2016
In Schleswig-Holstein gibt es 180 trotz jahrelanger Ermittlungen unaufgeklärte Tötungsdelikte. Quelle: dpa

„Jedes Opfer eines Tötungsdelikts hat Anspruch darauf“, sagt Jens Vullgraf. Der 51-Jährige leitet die „Cold Case Unit“ der Abteilung 243 im LKA. Der älteste Fall in seinen Akten stammt aus dem Jahr 1946 – in der Nähe von Itzehoe verschwand eine Frau spurlos. Die meisten Vorfälle, gut 100, ereigneten sich allerdings erst im Zeitraum von den späten 80er Jahren an. Der jüngste Fall stammt aus dem Oktober 2015 – an der B 432 unweit von Sülfeld bei Bad Oldesloe wurde damals die Leiche eines Neugeborenen in einer Plastiktüte gefunden.
Monatelang haben Vullgraf und seine zwei Mitstreiter die Akten der vier Mordkommissionen im Land, auch der in Lübeck, durchgearbeitet und die 180 Fälle gesammelt. In 70 davon wird bereits seit Jahren wegen Mordes ermittelt, in den anderen wegen Totschlags. Oder es sind Vermisstenfälle, bei denen aber der dringende Verdacht besteht, dass es sich ebenfalls um ein Tötungsdelikt handelt.

Alles aufklären

Mord verjährt nicht. So legt es das deutsche Strafgesetzbuch fest. Das heißt, dass Täter zeitlich unbegrenzt verfolgt und belangt werden können. Totschlag verjährt nach 20 Jahren. Dennoch versucht die „Cold Case Unit“ auch solche Fälle noch aufzuklären. Oftmals entpuppten sie sich doch noch als Mordfälle und die Täter könnten bestraft werden.

„Jetzt schauen wir, ob sich irgendwelche neuen Ermittlungsansätze ergeben“, sagt Jens Vullgraf. Meist sind diese neuen Ansätze das Ergebnis des rasanten Fortschritts der Kriminaltechnik. So könnten mittlerweile auch an alten Beweisstücken noch DNA-Spuren gesichert werden und mit denen von damals tatverdächtigen Personen abgeglichen werden. „Manchmal sind es aber auch neue Personenkonstellationen, von denen wir erfahren, Beschuldigungen, Geständnisse, die zur Aufklärung führen können.“ Auch innerhalb der 180 Fälle müssen die drei Beamten aber aus Kapazitätsgründen Arbeitsschwerpunkte setzen, sagt der Kripo-Mann. So wollen sie sich zunächst vor allem die Sexual- und Raubmorde darunter noch einmal genau vornehmen.
Auch bisher schon seien in den vier Mordkommissionen im Land alte Fälle immer wieder vorgenommen worden, betont man im LKA in Kiel. Jetzt allerdings würden eben noch einmal ganz neue Ermittler drauf gucken und sich durch dir oftmals viele Regalmeter umfassende Aktenflut wühlen. Sie könnten womöglich ganz neue Ermittlungsideen einbringen. Und: Sie könnten sich voll auf die Altfälle konzentrieren, würden nicht von aktuellen Ereignissen wieder aus der Arbeit daran gerissen werden. Die zwei Kommissare, darunter der langjährige Lübecker Mordermittler Torsten Pardun, würden jedenfalls jede Mange Erfahrung aus Mordkommissionen mitbringen, sagt Vullgraf.

Von Wolfram Hammer

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