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Norddeutschland Mord an Seniorin: 43-Jähriger muss lebenslang in Haft
Nachrichten Norddeutschland Mord an Seniorin: 43-Jähriger muss lebenslang in Haft
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21:16 23.09.2016
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Hamburg

Für einen tödlichen Überfall auf eine 84-jährige Frau in Hamburg-Wilhelmsburg muss ein 43-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. „Nach unserer Überzeugung hat sich der Angeklagte des Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge (. . .) schuldig gemacht“, sagte der Vorsitzende der Strafkammer am Landgericht, Wolfgang Backen, gestern. Der 43-Jährige habe die Frau am 17. Juni 2014 mit mindestens zwei Komplizen aus Habgier heimtückisch in ihrer Wohnung überfallen. Er habe die 84-Jährige mit so großer Gewalt geknebelt, dass sie erstickte. Zuvor hätten die Räuber sie gefoltert, um das Versteck für Tresorschlüssel und die PIN-Nummern von Geldkarten zu erfahren.

Der Raub sei geplant gewesen und mit einer Gewalt verübt worden, die weit über das Maß hinausging, das zur Ruhigstellung des Opfers erforderlich gewesen wäre. „Stattdessen folterte man sie regelrecht, was die zahlreichen Verletzungen belegen“, sagte der Richter. Bei der Knebelung sei der Mundwinkel der Frau acht Zentimeter lang aufgerissen, sie habe stark geblutet. Die 84-Jährige habe sich heftig gewehrt, den Angeklagten gekratzt und mindestens zweimal um Hilfe geschrien. Die Täter hätten ihr zudem eine Decke so fest um den Hals geschlungen, dass sie am Kehlkopf Verletzungen erlitt. „Hier musste eine alte, gebrechliche Frau unter ganz fürchterlichen Umständen sterben“, so Backen.

Der Angeklagte, der schon in Polen lange im Gefängnis saß, sei Ende 2013 oder Anfang 2014 nach Deutschland gekommen und habe „freiwillig wie ein Sklave“ bei einer Großfamilie gelebt. Er selbst hatte vor Gericht erklärt, als Packer gearbeitet zu haben, sein Lohn sei aber bis auf etwa 50 Euro im Monat einbehalten worden. Obwohl die Familie, aus der auch die Komplizen kommen sollen, über ihn bestimmte, hätte er nach Einschätzung der Strafkammer nicht am Verbrechen teilnehmen müssen.

Der menschliche Abgrund, den die Tat offenbare, mache das Gericht fassungslos, sagte Backen. Seine Urteilsbegründung hatte er mit den Worten eingeleitet: „Es gibt Straftaten, bei denen selbst eine Schwurgerichtskammer noch eine Gänsehaut bekommt.“

LN

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