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Norddeutschland Motorradfahren am Himmel
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21:17 13.05.2016
Aus der Luft hat man einen tollen Ausblick auf den Ostsee-Strand und die Seebrücke von Haffkrug.

Das Trike steht am Ende der Startbahn. Fahrradfahrer begutachten das Fluggerät neugierig. „50 Grad warm muss der Motor werden, bis wir abheben können“, sagt Valentina Pascu aus Groß Wesenberg. Sie ist Pilotin – eine der wenigen Frauen, die Drachen-Trikes fliegen. Sie betreibt eine Flugschule, in der sie angehenden Piloten die Geheimnisse des Fliegens beibringt.

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Fluglehrerin Valentina Pascu ist mit dem Trike-Drachen unterwegs – Die LN haben mit ihr eine Runde gedreht.

Hintergrund

Die Ausbildung zum Trikepiloten umfasst Theorieeinheiten an sechs bis sieben Wochenenden und 25 Flugstunden, davon mindestens zehn mit Fluglehrer. Die Ausbildung kostet etwa 5000 Euro.

Erlebnisflüge kosten 50 bis 140 Euro. Das Fliegen ist wetterabhängig. Es empfiehlt sich, mehr Zeit einzuplanen.

• Alle Informationen unter www.trike-fliegen-lübeck.de

Die Bedingungen sind an diesem Tag nicht optimal. Am besten ist es, wenn der Wind beim Start direkt unter die Flügel greift. Heute herrscht aber Seitenwind. Es ist böig. „Wenn wir kurz vorm Start sind, musst Du das Visier runterklappen“, rät Valentina. Noch am Boden die erste Lektion: Auf dem Flugplatz duzt man sich.

Schließlich dreht sie das Dreirad und gibt Gas. Mit 80 km/h jagen wir die Rasenpiste hinab – eine buckelige Angelegenheit. „Wenn wir abgehoben haben, ist alles gut“, meint die Pilotin und behält recht. Keine hundert Meter nach dem Start heben wir begleitet von Turbulenzen ab, sofort ist die Ostsee auf der linken Seite zu sehen. Strahlend blauer Himmel, nur ein paar Wolken – wir fliegen gen Süden.

Valentina Pascu lebt in Groß Wesenberg. Seit 2010 ist sie Fluglehrerin. Angefangen hat alles in Thüringen. Dort hatte sie bei einem Flugplatzbetreiber gearbeitet und sich so mit dem „Fliegervirus“

infiziert. Valentina wurde Pilotin, später Ausbilderin. Dann zog es die 41-Jährige in den Norden, um eine Flugschule zu eröffnen. Ihr Trike steht in einem Hangar in Sierksdorf (Kreis Ostholstein) auf einem kleinen Flugplatz.

Manchmal zerren die Böen an dem Drachen, während wir über dem Ostseestrand entlang gleiten. Trotz des Overalls ist es kalt dort oben. Unten sind Spaziergänger nur zu erahnen, Strandkörbe und Hotels sind zu erkennen, die Ostsee strahlt blau. Segelboote fahren Hunderte Meter unter uns im Wind. Wenn wir auf ein Luftloch treffen, geht es ein paar Meter bergab. „Bei weniger Böen ist hier oben alles ruhig“, erzählt Valentina. Das Fliegen sei dann auch nicht so anstrengend, denn ein Trike wird nur mit Muskelkraft gesteuert. Den Vortrieb leistet ein 80-PS-Viertakter, aber das elf Meter lange Segel wird über eine lange Steuerstange bewegt. Nimmt sie Gas weg, neigt sich die Nase nach unten, wir sinken – für mich kaum merklich.

Mehr als tausend Flugstunden hat Valentina Pascu auf dem Konto. Sie ist eine erfahrene Pilotin. Und von ihrem Wissen profitieren ihre Schüler. Einer von ihnen ist Kay van der Wolk (54). „Fliegen ist nicht schwer“, sagt Valentina. Kay muss grinsen. „Wer landen kann, kann auch fliegen“, sagt seine Ausbilderin. Das sei das Schwerste am Fliegen. „Man muss schon etwas frusttolerant sein“, gibt Kay zu. Aber es werde langsam. Sobald die Windbedingungen stimmen, zieht es den Selbstständigen hinaus auf den Flugplatz. Mindestens 200 Landungen muss er geschafft haben, bevor er allein fliegen darf.

Etliche Flugstunden sind Pflicht, dazu sieben Fächer Theorie – von Meteorologie über Technik bis zu Luftrecht. Am Ende müssen alle Flugschüler eine Prüfung ablegen. Kay hat sie bestanden und kann nun den Sommer zum Fliegen nutzen.

Wir nähern uns Lübeck. Unter uns ist das Travemünder Maritim-Hotel zu sehen, die „Passat“ flankiert von kleinen Booten, die Priwallfähre legt gerade an. Niendorf und Scharbeutz liegen längst hinter uns. „Wie kurz die Strecken von hier oben aus sind“, denke ich. 20 Minuten brauchen wir bis nach Lübeck, zurück – gegen den Wind – wird es etwas länger dauern. Schneller als 100 km/h kann ein Trike fliegen.

Trikefliegen sei ein bisschen wie Motorradfahren, hatte mir Valentina einige Tage vor dem Rundflug gesagt. Es fühlt sich tatsächlich ähnlich an: Kein Blech um sich herum, man sitzt dicht hintereinander, der Wind weht einem ins Gesicht. Es ist ein bisschen wackelig, aber es fühlt sich erstaunlich sicher an. Genau das ist es, was Valentina an Trikes so gefalle – „die Freiheit beim Fliegen“. Im Norden betreibt sie die einzige Trike-Flugschule.

Wir umrunden die Lübecker Altstadt, bevor wir uns an den Rückweg machen. Noch 40 Minuten bleiben, um die Aussicht zu genießen. Etwas später meldet sie sich dann wieder per Funk in Sierksdorf an, das Ende des Fluges ist nahe – leider. Eine Baumreihe an der Landebahn und der Seitenwind könnten die Landung unsanft werden lassen. Vielleicht müssen wir durchstarten. „Wir sind zu hoch und zu schnell“, gibt Valentina mir über die Kopfhörer durch. Schräg kommen wir auf die Piste zu. Im letzten Moment zieht Valentina scheinbar seelenruhig das Trike gerade und wir setzen auf. In kleinen Schlangenlinien geht es dem Hangar und dem „Fliegercafé“ entgegen. „Das war heftig“, sagt Valentina laut seufzend. Stehe der Wind gut, setze man ganz sanft auf.

„Und, wie war es?“, fragt Christian Engel (63) vom Flugplatz und begrüßt uns mit einem Schokoladen-Ei. Zur „heftigen“ Landung sagt er nur: „Valentina ist einfach sehr perfektionistisch.“

Philip Schülermann

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