Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Mühsame Spurensuche: Prozess gegen Norman L. dauert länger
Nachrichten Norddeutschland Mühsame Spurensuche: Prozess gegen Norman L. dauert länger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:22 15.11.2013
Blick in den Saal 8 des Landgerichts Schwerin: Norman L. (45), mutmaßlicher Mörder von Anna-Lena U., während einer Verhandlungspause. Seine Persönlichkeit und sein Motiv bleiben weiter im Dunkeln. Quelle: Oliver Vogt
Schwerin

Die Suche nach einem Motiv im Mordfall der 29-jährigen Anna-Lena U., die im Juli in einem Waldstück nahe Herrnburg umgebracht wurde, geht im Schweriner Landgericht weiter nur schleppend voran. Gestern setzte die 2. Große Strafkammer vier weitere Verhandlungstage für die Zeugenbefragung an. Der Mordprozess gegen Norman L. dürfte damit statt am 8. erst am 20. Januar zu Ende gehen.

Da der 45 Jahre alte Angeklagte sowohl zur Tat als auch zu seiner Person schweigt, muss das Gericht zunächst weiterhin nach jedem Strohhalm greifen, um die bislang nur schemenhaft bekannte Persönlichkeit von Norman L. aufzuhellen. Als einzige Zeugin des Tages sagt im Saal 8 des Landgerichtes gestern eine Mitarbeiterin des Lübecker Jobcenters aus, die L. an sechs Terminen von Februar bis Juni 2013 kennengelernt hatte. L. hatte damals eine Umschulung zum Fachlageristen abgeschlossen, sollte für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Die 34-Jährige zierliche, attraktive Frau beschreibt den Angeklagten als „insgesamt nicht auffällig“. Irritiert habe sie allerdings, dass L. sie bei zwei Gelegenheiten zu einem Kaffee einladen wollte. „Bis dahin ist mir das noch mit keinem Kunden passiert.“

L. habe unter den Mitarbeitern aber als mitunter „uneinsichtig“ und „kampfeslustig“ gegolten. Als ein Antrag auf einen Pkw-Führerschein abgelehnt wurde, weil ein ärztliches Gutachten den Verdacht auf Alkoholmissbrauch nahe gelegt hatte, „hat er empört reagiert und ist immer von neuem mit dem Thema angefangen“, erklärt sie.

Zu beobachten ist, dass der Vorsitzende Richter Robert Piepel sich bemüht, jedes noch so kleine, vermeintlich unbedeutende Detail aus den Zeugen herauszukitzeln. Dennoch: „Der Prozess wird am Ende nicht durch die Zeugen, sondern durch die objektive Spurenlage entschieden werden“, glaubt Jörn Gaebell, Verteidiger von L. Und danach, das räumt Gaebell ein, gebe es an einer Täterschaft kaum einen begründeten Zweifel. Das belege nicht nur die DNA an der Tatwaffe, sondern auch Faserspuren am Opfer, die zur Bekleidung von Norman L. gehörten.

In Zweifel zu ziehen sei allerdings ein sexuelles Tatmotiv. Dieser Verdacht basiere bislang nur auf einem Urteil des Lübecker Landgerichts von 1989, das L. wegen versuchter Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Die Spurenlage sei damals aber nicht eindeutig gewesen. Wie bei Anna-Lena U. hatte L. sein Opfer mit einem Messer angegriffen. Es habe jedoch keine Hinweise gegeben, dass der damals 21-Jährige sich an der Kleidung des Opfers zu schaffen gemacht hatte. Auch an der Leiche von Anna-Lena U. gab es keine derartigen Anzeichen.

Gaebell kritisiert, dass die Lübecker Richter damals in dem Prozess keinen psychologischen Gutachter hinzugezogen hatten. „Falls mein Mandant gefährlich ist, hätte das womöglich damals schon festgestellt werden können.“

Der Prozess wird am 2. Dezember fortgesetzt.

Oliver Vogt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!