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Müll am Strand: Behörde schlägt Alarm

Kiel Müll am Strand: Behörde schlägt Alarm

Zustände an deutschen Küsten sind laut Umweltbundesamt besorgniserregend.

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Angespülter Müll ist an vielen Stränden leider ein gewohnter Anblick.

Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Kiel. . Das Umweltbundesamt (UBA) hat angesichts der Vermüllung auch der deutschen Küsten Produzenten und Verbraucher zu einem verantwortlicheren Verhalten aufgerufen. Die Belastung in den heimischen Meeren, also Nord- und Ostsee, sei „besorgniserregend“, heißt es in einem Bericht der Behörde. Produzenten müssten stärker Verantwortung für den weiteren Lebensweg der von ihnen in Umlauf gebrachten Güter übernehmen. „Verbraucher müssen verinnerlichen, dass jegliche Verpackung oder andere Produkte aus Plastik, die in die Umwelt geraten, dort bis zu Jahrhunderte verbleiben und Tier wie auch Mensch schädigen können“, erklärte das Umweltbundesamt.

Nach einem UBA-Faktenpapier wurden bei Untersuchungen an den Nordsee-Stränden im Durchschnitt 389 Müllteile auf 100 Metern gefunden. An der erstmals untersuchten Ostseeküste fanden die Forscher demnach durchschnittlich rund 70 Teile auf 100 Metern Küstenlinie. An der Nordsee bestünden fast 89 Prozent der am Strand gefundenen Müllteile aus Plastik, an der Ostsee seien es 70

Prozent.

An der Nordsee hätten 94 Prozent der tot aufgefundenen Eissturmvögel Kunststoffe im Magen. Die Tiere gelten als Indikatorart für die Aufnahme von Plastikpartikeln auf der Meeresoberfläche. „Mit Blick auf die Strandmüll- und Eissturmvogelbefunde ist gegenüber 2012 kein signifikant abnehmender Trend in der Belastung der Nordsee durch Meeresmüll erkennbar“, heißt es in dem Bericht.

Im Kieler Umweltministerium hat man die Nutzung von Plastik an Land als Hauptverursacher des Mülls ausgemacht. Stark zersetzte Plastikteile gelangten sogar in die Nahrungskette, sagte eine Sprecherin. „Wir müssen dringend weg vom Plastik. Das ist eine der zentralen umweltpolitischen Aufgaben.“

Um das Müllaufkommen zu verringern, beteiligt sich Schleswig-Holstein zusammen mit Niedersachsen unter anderem am „Fishing for Litter“-Projekt des Naturschutzbunds Nabu, das eine systematische Entsorgung des Mülls vorsieht, den Küstenfischer als Beifang in ihren Netzen finden. Niedersachsen setzt zudem auf eine Aufklärungskampagne für Kinder und Jugendliche. Die Aktion „Kein Müll ins Meer“ soll Heranwachsende sensibilisieren.

Dass die deutschen Küsten heute noch genauso verschmutzt sind wie vor wenigen Jahren, überrascht Umweltschützer nicht. 32 Prozent der weltweit gebrauchten Plastikverpackungen gelangen nach WWF-Angaben in die Umwelt – ein Teil davon ins Meer.

Das weltweite Problem beschäftigt auch die Vereinten Nationen. So sprachen in dieser Woche Vertreter der Mitgliedsstaaten in New York über die Situation der Ozeane und Wege, sie besser zu schützen.

Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, mahnte gemeinsame Anstrengungen gegen das Problem an. „Wenn die USA aus internationalen Vereinbarungen ausscheren, müssen Europa und Deutschland mehr Verantwortung übernehmen“, erklärte sie in Berlin. Sie forderte die Bundesregierung auf, die Vermüllung wirksam zu bestrafen und Mikroplastik aus Kosmetika zu verbannen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte als Maßnahmen gegen die Meeresverschmutzung eine Abgabe auf Plastiktüten, verbindliche Mehrwegquoten für Getränkeverpackungen, eine Pfandpflicht für alle Getränkeplastikflaschen und ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Im Hinblick auf die gestern zu Ende gegangene UN-Meeresschutz-Konferenz in New York, an der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks teilnahm, mahnt der Verband konkrete Schritte statt „wohlfeiler Empfehlungen an die internationale Gemeinschaft“ an.

LN

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