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Norddeutschland Entsorger: Falscher Müll landet im Gelben Sack
Nachrichten Norddeutschland Entsorger: Falscher Müll landet im Gelben Sack
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21:36 17.04.2018
In den Gelben Sack gehören grundsätzlich nur Verkaufsverpackungen. Dabei ist egal, ob sie aus Metall, Kunststoff oder Papier sind. Konservendosen, Kronkorken, Milchkartons, Butterverpackungen und Joghurtbecher sind typischer Gelber Sack-Müll. Gespült werden müssen die Verpackungen nicht, sie sollten aber geleert sein. Ist kontaminierter Müll enthalten, wie etwa Windeln, kann der ganze Sack nicht verwertet werden. Quelle: Sergio di Fusco
Bremen/Lübeck

Die Recyclingquoten seien dadurch „viel zu niedrig“, führt der Abfall-Kreislaufexperte aus. „Es gibt ganz erhebliche Verluste.“ Bei Plastik und dünnwandigem Aluminium sei ein Großteil des entsorgten Mülls nicht wiederverwertbar. Bei Papier sei es ähnlich. „Das erhöht die Kosten“, sagt Sommer. Das führe dazu, dass Recycling-Unternehmen weniger Einnahmen hätten. „Und es gibt einen erheblichen finanziellen Mehraufwand, da falsch sortierter Müll teils von Hand ausgesondert werden muss.“ Da das Recycling von den Herstellern finanziert werde, könne die falsche Müllentsorgung zu steigenden Preisen für verpackte Waren wie Lebensmittel führen.

Zum Thema: Der Umwelt zuliebe: Darum trennen wir Müll - Umfrage unter Menschen im Norden

Von der Plastik-Klobürste bis zur Windel lande vieles im Gelben Sack, was dort nicht hineingehöre, verdeutlicht Michaela Zeiss vom Bundesverband Sekundärrohstoffe (BVSE). Dabei werde in größeren Städten weniger auf die richtige Mülltrennung geachtet als auf dem Land. Auch Urlauber haben oft keine Lust auf Mülltrennung: „Besonders hoch ist der Wertstoffanteil im Restabfall in den touristischen Gebieten“, weiß Nicole Buschermöhle vom Zweckverband Ostholstein (ZVO). Werde bei der Sammlung Gelber Säcke festgestellt, dass sie überwiegend falsch befüllt seien, würden sie nicht mitgenommen und mit entsprechenden Aufklebern versehen.

Es fehle offenbar an Aufklärung, wie Müll richtig zu entsorgen sei, vermutet Michaela Zeiss vom BVSE. Das weisen regionale Entsorger wie der ZVO zurück. „Information der Bürger wird bei uns groß geschrieben“, erklärt Cornelia Tews von den Entsorgungsbetrieben Lübeck. In der Hansestadt funktioniere die Mülltrennung vergleichsweise gut. „Beim Bioabfall zum Beispiel liegt der Störstoffanteil nur bei drei Prozent.“ Aber immer wieder würden Plastiktüten in die Biotonne geworfen, etwa solche, die sich selbst recyceln sollen. „Das dauert für uns aber zu lange.“

Die von den Entsorgern gesammelten Gelben Säcke aus Lübeck und der Region gehen überwiegend zur Verwertung zum Veolia Umweltservice in Hamburg, so auch aus den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn. Dort holt die Firma Damm die Gelben Säcke ab. Veolia selbst äußerte sich gestern trotz mehrfacher Nachfrage nicht zum Thema.

Die Menge des recycelten Mülls müsse höher werden, moniert indes auch der Grüne Punkt, der in Lübeck Partner des Dualen Systems ist. Von 2,5 Millionen Tonnen Müll würden hierzulande nur 36 Prozent recycelt.

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