Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Müssen autofahrende Senioren bald regelmäßig zum Test?
Nachrichten Norddeutschland Müssen autofahrende Senioren bald regelmäßig zum Test?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:05 24.01.2017
Senioren, die Auto fahren möchten, müssen nach dem Willen von Verkehrsjuristen künftig regelmäßig zum Medizin-Test.  Quelle: dpa
Anzeige
Goslar

Sind ältere Autofahrer ein Risiko im Straßenverkehr? Und sollten Auto fahrende Senioren zu regelmäßigen Gesundheitstests verpflichtet werden? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich morgen die Verkehrsjuristen auf dem 55. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar.

Zur Galerie
Experten beraten in Goslar über verpflichtende Prüfungen. Das lehnen Senioren im Norden ab.

„Spätestens ab dem 75. Lebensjahr sollen Untersuchungen verpflichtend sein“, sagte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins. Bei den Tests müsse die Fähigkeit zum Autofahren ähnlich wie beim Erwerb des Führerscheins von neutralen Stellen überprüft werden. Die Gefahr, bei einem Unfall tödlich oder schwer verletzt zu werden, steige mit dem Alter. „Dabei geht es nicht darum, älteren Menschen reihenweise den Führerschein abzunehmen“, sagt DAV-Fachanwalt Jörg Elsner. „Aber man muss nur die Medien lesen, dass immer wieder extrem viele schwere Unfälle von Senioren verursacht werden.“ So habe die Zahl der Seniorenunfälle in den vergangenen Jahren um 14 Prozent zugenommen.

Verpflichtende Prüfungen lehnen die meisten Autofahrer und Experten im Norden ab. Zum Beispiel der Landesseniorenrat Schleswig-Holstein: „Die Tests sollten erst einmal freiwillig bleiben“, sagt der Vorsitzende Peter Schildwächter. Er appelliert an das Verantwortungsgefühl älterer Autofahrer: „Jeder sollte sich kritisch fragen, ob er wirklich noch am Straßenverkehr teilnehmen kann.“ Andere Länder hätten allerdings schon andere Regelungen. So sind in einigen europäischen Staaten wie Norwegen, Schweden und den Niederlanden, ärztliche Untersuchungen ab 70 Jahren längst Pflicht. „In Spanien muss man sogar schon mit 45 Jahren zum Gesundheitstest“, erklärt Schildwächter. „Früher oder später wird es auch in Deutschland verpflichtende Tests geben.“

Ein Szenario, das sich Alfred Gubbe nur schwer vorstellen kann. Der 69-Jährige aus Steinhorst im Herzogtum Lauenburg will selbst entscheiden, ob und wann er den Führerschein abgibt. „Dann sollte man auch jüngere Autofahrer stärker kontrollieren – jeder sollte selbst beurteilen können, wann er nicht mehr fahren kann.“

Ähnlich sieht das Annette Tabbert. „Ich gehe selbst alle zwei Jahre zum Sehtest“, sagt die 65-jährige Lübeckerin, „wenn man normal und klar denkt, ist das doch selbstverständlich, dafür braucht man keine gesetzlichen Vorschriften.“

Auch der ADAC setzt auf regelmäßige und freiwillige ärztliche Untersuchungen. „Grundsätzlich kann man die Fahrtüchtigkeit einer Person aber nicht am Alter festmachen“, sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein. So gebe es zwar immer mehr Verkehrsunfälle bei älteren Autofahrern, „letztendlich sind Verkehrsteilnehmer zwischen 18 und 24 Jahren aber immer noch die größte Risikogruppe“, sagt Evert.

Für Autofahrer, die ihre eigene Fahrtüchtigkeit überprüfen wollen, bietet der ADAC Fahrfitnesschecks an, bei dem ein unabhängiger Fahrlehrer den Teilnehmer für eine Stunde im Straßenverkehr begleitet. „Anschließend kann der Lehrer eine Einschätzung des Fahrverhaltens geben“, sagt Evert. 49 Euro kostet der Service, bei dem der Prüfer der Schweigepflicht unterliegt. „Der Fahrer bekommt eine objektive Einschätzung. Ob er seinen Führerschein abgibt, liegt jedoch in seiner eigenen Verantwortung“, erklärt Ulf Evert, „jeder muss sich kritisch hinterfragen.“

 Katrin Diederichs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige