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Muschelfischer freuen sich, Umweltschützer auch

Sylt Muschelfischer freuen sich, Umweltschützer auch

Mit Zertifikat für nachhaltige Fischerei – Optimistischer Start in die Saison.

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Ein Muschelfischer arbeitet an einer Dretsche (Fangkorb) mit Miesmuscheln im Wattenmeer vor Hörnum auf Sylt.

Quelle: Fotos: Christian Charisius/dpa

Sylt. . Die graue Wolkendecke reißt immer wieder auf, so dass die weißen Schaumkronen auf den Nordseewellen in der Sonne glitzern: Begleitet vom Geschrei der Möwen sind Schleswig-Holsteins Muschelfischer gestern in die neue Saison gestartet. Gemeinsam mit Vertretern der Naturschutzverbände feierten sie die „langfristige gute Zusammenarbeit im Nationalpark“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

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Mit Zertifikat für nachhaltige Fischerei – Optimistischer Start in die Saison.

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Die Fischer sind optimistisch, denn Miesmuscheln aus dem Wattenmeer vor Sylt seien bei Feinschmeckern begehrt, sagte Peter Ewaldsen von der Erzeugerorganisation. Seit der Jahrtausendwende seien im Schnitt jährlich 7700 Tonnen Muscheln angelandet worden. Das entspreche zwar einem Rückgang von mehr als 60 Prozent im Vergleich zu den durchschnittlich 20300 Tonnen Miesmuscheln in den Jahren 1986 bis 1999. Steigende Erzeugerpreise hätten das jedoch wettgemacht.

Zwischen 2000 und 2016 lag der durchschnittliche Jahreserlös bei 7,75 Millionen Euro, sagte Ewaldsen. Das entspreche einem Kilopreis von einem Euro. Von 1986 bis 1999 seien im Durchschnitt jährlich nur 5,55 Millionen Euro erlöst worden, was einem Kilopreis von 27 Cent entspricht. „Bei im neuen Jahrhundert gleichbleibenden Preisen hätte die Muschelfischerei angesichts der gesunkenen Anlandemengen wirtschaftlich nicht überleben können“, sagte Ewaldsen. Als Grund für den Rückgang der Anlandemengen nannte er die rückläufige Saatmuschelentwicklung seit der Jahrhundertwende.

Das Problem beginnt schon beim Sammeln der Besatzmuscheln, der sogenannten Muschelsaat. „Seit 1997 dürfen wir nicht mehr den bei Ebbe trockengefallenen Wattboden absuchen“, sagt Muschelfischer Paul Wagner. Die Suche nach den kleinen Baby-Muscheln ist im wahrsten Sinn des Wortes „im Trüben fischen“. Glück für die Fischer: Muschellarven können nicht aktiv schwimmen, sondern lassen sich von der Strömung treiben. Die Muschelfischer können bei der Suche daher auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Meist werfen sie ihre Netze an den richtigen Stellen aus, um die etwa kaffeebohnen-großen Saatmuscheln einzusammeln. Diese werden dann auf gepachteten Flächen „vorsichtig im Wasser wieder „ausgesät“, sagt Wagner. Nicht zu viel auf einen Haufen, denn Miesmuscheln dürfen maximal in drei Lagen übereinander liegen. „Sonst verhungert die unterste“, erklärt er.

Dann muss man zwei bis drei Jahre warten, bis die Miesmuscheln fünf Zentimeter groß sind. Eine lange Zeit, in der Sturm, Strömung und Wellen die Arbeit zunichte machen können. „Oder eine Sandbank verlagert sich und begräbt die Muscheln unter sich.“

Und dann gibt es noch andere hungrige Meeresbewohner: Krabben, Krebse und Seesterne. „Seesterne können eine Muschelbank in zwei, drei Wochen komplett leer fressen“, sagt Muschelfischer André de Leeuw. Da müsse man schnell sein. „Beim Ernten hoffen wir, dass sie 25 bis 30 Prozent Fleischgehalt haben“, sagt Muschelfischer de Leeuw. 40 Tonnen Muscheln passen in den Bauch eines Kutters, sagt Wagner. Das sind zwei Lkw-Ladungen. Seit Herbst 2016 haben Schleswig-Holsteins Muschelfischer das MSC-Fischerei-Zertifikat zum Nachweis der nachhaltigen Fischerei. „Diese MSC-Zertifizierung bedeutet keine Preisverbesserung; sie sichert aber den Absatz gegenüber den schon länger zertifizierten Muscheln aus Niedersachsen, Dänemark und den Niederlanden“, erklärte Ewaldsen.

Wolfgang Runge

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