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Norddeutschland Mutter im Wahn erstochen: Sohn muss in die Psychiatrie
Nachrichten Norddeutschland Mutter im Wahn erstochen: Sohn muss in die Psychiatrie
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21:10 02.07.2013
Lübeck

Ihm fehlte wegen seiner paranoiden Schizophrenie die Einsichtsfähigkeit, stellte das Lübecker Landgericht in der Urteilsbegründung gestern fest. Wegen seiner Gefährlichkeit muss der Mann aber in die geschlossene Abteilung der Fachklinik für Psychiatrie in Neustadt. „Die Verschwörungstheorie ist noch nicht zu Ende“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann. Die Stimmen könnten dem 31-Jährigen laut psychiatrischem Gutachten auch die Tötung anderer Menschen befehlen.

Was am 2. Januar in der Wohnung der Mutter geschah, blitzte im Urteil noch einmal auf: Dem Wahn gehorchend würgte der 31-Jährige seine Mutter und schlug dann mit einer Holzlatte auf sie ein. Später nahm er eine Haushaltsschere und stach rund 60 Mal zu — bis die Schere in zwei Teile zerbrach. Mindestens 16 Stiche trafen das Herz der Frau, hatte ein Gerichtsmediziner berichtet. Sie verblutete. Der 31-Jährige gestand, die Stimmen hätten ihm befohlen, seine Mutter zu töten. Sie war demnach „wie ein Vampir, der nicht von mir ablässt“, sagte er vor Gericht aus.

Doch obwohl er seit seinem 13. Lebensjahr in psychiatrischer Behandlung war, weigerte er sich vor der Tat schon längere Zeit, Medikamente zu nehmen. In den Monaten zuvor suchte er aber verzweifelt nach Menschen, mit denen er über seine Wahnvorstellungen hätte reden können, niemand habe ihn ernst genommen, berichtete er. Einen Tag vor der Tat hatte die Polizei ihn ins Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht gebracht, weil er in einem Linienbus angekündigt hatte, er wolle seine Mutter töten. Auf dem Weg von Hamburg, wo er in einer Obdachlosenunterkunft lebte, nach Geesthacht berichtete er zwei Männern von den Stimmen und seinem Vorhaben, seine Mutter zu töten. „Sie glaubten mir“, sagte der 31-Jährige im Prozess. Sie waren mit ihm ausgestiegen und informierten die Polizei.

Ob die Tat womöglich hätte verhindert werden können, ließ der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung offen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber gegen eine Ärztin wegen fahrlässiger Tötung. Sie hatte den Beschuldigten, der von der Polizei in ihre Klinik gebracht wurde, wenige Stunden vor der Tat ohne Untersuchung wieder fortgeschickt — mit einer Wegbeschreibung zum Hause der Mutter.

Nach der Aussage einer Krankenschwester hatte der Mann im Krankenhaus um Hilfe gebeten. „Er wollte nicht allein sein und mit jemandem reden“, sagte die 43-Jährige, die seit 16 Jahren auf der psychiatrischen Station arbeitet. Er habe ängstlich und verwirrt gewirkt: „Er bat um Hilfe, sagte, er wolle zurück in die Realität und nicht mehr diese Stimmen hören.“ Das Gericht folgte mit dem Urteil den Anträgen des Staatsanwaltes und der Verteidigung. Der Beschuldigte wirkte während der Urteilsbegründung in sich gekehrt und ruhig. In seinem Schlusswort hatte er bekannt: „Ich brauche Behandlung.“

LN

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