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Nabu warnt vor Sprengungen der Marine in der Ostsee

Kiel Nabu warnt vor Sprengungen der Marine in der Ostsee

Die Marine will an der ausgemusterten Fregatte „Karlsruhe“ vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste die Wirkung von Minen und Bomben testen. Der Naturschutzbund (Nabu) protestiert. Das Vorhaben gefährde Schweinswale, Dorsche und Uferschwalben. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ist über den Alleingang der Marine „sehr irritiert“.

Immer wieder werden in der Ostsee Bomben aus dem zweiten Weltkrieg gesprengt. Jetzt will die Marine die Wirkung von Sprengkörpern an der Fregatte "Karsruhe" testen.

Quelle: Wüstneck/dpa

Kiel. Die Marine will an der ausgemusterten Fregatte „Karlsruhe“ vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste die Wirkung von Minen und Bomben testen. Die Versuche im Marine-Sperrgebiet Schönhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zwischen Damp und Port Olpenitz sollen im Frühjahr und Spätsommer über die Bühne gehen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor. Der Naturschutzbund (Nabu) protestiert. Die Umweltschützer sehen Schweinswale, Dorsche und Uferschwalben gefährdet. Der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ist über den Alleingang der Marine „sehr irritiert“.

Das Sperrgebiet

Für das Sperrgebiet Schönhagen in der Nähe des aufgelösten Marinestützpunkts Olpenitz gilt ein absolutes Durchfahrverbot. Denn dort wird scharf geschossen. Gekennzeichnet ist die Sperrzone durch gelbe Tonnen, die zusätzlich ein rotes Kreuz tragen. Das Übungsgebiet war der Bundeswehr 1961 als „maritimer Truppenübungsplatz“ zur Verfügung gestellt worden.

Es ist eine Nachnutzung der ungewöhnlichen Art für die im vergangenen Sommer außer Dienst gestellte „Karlsruhe“: Die 130 Meter lange Fregatte wird mit Mess instrumenten, Sensoren und Dummys bestückt, um dann beschossen zu werden. Untersucht wird die Widerstandsfähigkeit des Schiffskörpers gegenüber Minen und Bomben. Die Marine will herauszufinden, wie der Schiffstyp insbesondere Angriffen von Terroristen, Piraten oder Milizen standhalten würde. Zur Stärke der geplanten Unterwasser-Sprengungen schweigt sich das Verteidigungsministerium aus. Die Veröffentlichung der Daten ermögliche Schlüsse auf die Verwundbarkeit der Kampfschiffe.

„Ich bin über das Vorgehen sehr irritiert“, reagiert Umweltminister Habeck. Als oberste Naturschutzbehörde sei sein Ministerium für den Vollzug der Naturschutzaufgaben zuständig. „So geht das nicht. Ich werde Frau von der Leyen anschreiben und einfordern, dass dies korrigiert wird.“ Dazu sei als erstes von der Bundeswehr eine Prüfung auf die Vereinbarkeit des Vorhabens mit den Artenschutzbestimmungen sowie eine FFH-Verträglichkeitsprüfung vorzulegen.

Der Nabu befürchtet massive Störungen, Hörschäden und nicht zuletzt tödliche Verletzungen bei den streng geschützten Schweinswalen. „Eine von einer Unterwasserdetonation von 4,5 Tonnen Sprengstoff ausgehende Schockwelle kann einen Schweinswal noch in sieben Kilometern Entfernung schwer verletzen oder töten“, sagt Nabu-Landeschef Ingo Ludwichowski. Sprengungen dieser Größenordnung seien bei Versuchen ähnlich großer Schiffe von Nato- Partnern zum Einsatz gekommen. Östlich des Sperrgebiets befänden sich zudem Laichgebiete des Dorsches. Schutzmaßnahmen müssten auch für an der Steilküste von Schönhagen brütende Uferschwalben getroffen werden. Selbst die Bevölkerung dürfte laut Nabu die Druckwelle spüren. „Das Geschirr in den Häusern am Strand wird klirren“, sagt Ludwichowski.

Das Verteidigungsministerium in Berlin verweist darauf, dass die Schonzeiten für Meeressäugetiere und Seevögel eingehalten werden. Grundsätzlich könne ihr Vorkommen im Versuchsgebiet nicht ausgeschlossen werden. Nach jeder Sprengung werde das Versuchsgebiet auf tote Tiere abgesucht.

Von Curd Tönnemann

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