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Norddeutschland Bäume werfen Äste ab
Nachrichten Norddeutschland Bäume werfen Äste ab
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00:00 16.09.2018
Der herabgestürzte Ast hat eine Lücke hinterlassen. An der Bruchstelle ist der Baum intakt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck/Hamburg

Der lange und trockene Sommer hat Spuren hinterlassen: Viele Bäume leiden unter Trockenstress – und werfen ganze Äste ab. Einige Städte haben bereits Warnungen ausgesprochen. Besonders betroffen ist Brandenburg, dort sind bisher 500 Astbrüche registriert worden. Lübeck meldet 20 Fälle.

„Die Bruchstelle ist völlig intakt“, sagt Karsten Jäkel, Baumbeauftragter des Stadtverwaltungsbereichs Stadtgrün, und zeigt auf eine riesige Eiche im Eschenburgpark. An einem Freitagmittag Ende August ist in rund zwölf Meter Höhe ein ordentlicher Ast herausgebrochen. Experten sprechen von Grünastabbruch. Wissenschaftlich erforscht sei das Phänomen noch nicht, sagt Jäkel. Eine Theorie besage aber, dass manche Bäume in trockenen Sommern so viel Wasser über die Blätter verdunsten, dass sie kollabieren. „Das passiert meist um die Mittagszeit und bei schönstem Wetter.“ Anfällig seien nach bisherigen Erkenntnissen vor allem Pappeln, Kastanien und Ahornbäume.

Die Stadt Lübeck, die 50 000 Bäume in ihrem Kataster führt, zählt nach diesem Sommer bisher 20 Fälle von Grünastabbrüchen an Straßen, auf Schulhöfen und in Parkanlagen, unter anderem auch am Vorwerker Friedhof. Im Kreis Stormarn gab es nach Auskunft von Joachim Schulz, dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, bis zu fünf solcher Astbrüche, darunter auch in Bargteheide. „Man sieht das dem Baum nicht an, das kann kein Gutachter vorab einschätzen“, erklärt Schulz. Spaziergänger sollten sich mit offenen Augen durch Wälder oder Parks bewegen und auf die Umgebung achten, rät das Umweltministerium in Kiel.

Hamburger Verkehrsbehörde warnt

Die langanhaltende Dürre habe die Bäume unter enormen Trockenstress gesetzt, warnte die Hamburger Verkehrsbehörde Anfang September. Der Abwurf grüner Äste sei eine bekannte Anpassungsreaktion einiger Baumarten auf einen akuten, länger wirkenden Wassermangel. Verschärft werde das Problem jetzt noch durch Früchte. Dies führe etwa bei Eiche und Rosskastanie zu enormem Gewicht, welches die durch Trockenstress vorgeschädigten Äste nicht mehr halten könnten, hieß es. Auch könnten Starkregen und stärkere Winde die Bäume zusätzlich belasten und die Gefahr von Ast-, Kronen- oder Baumabbrüchen nochmals beträchtlich verstärken.

Zuvor hatte die Stadt Potsdam vor plötzlich abbrechenden Ästen der Stadtbäume gewarnt. Dort wurden Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gebeten, besonders aufmerksam zu sein. Die unvorhersehbaren Brüche können nach Angaben des Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung auch durch regelmäßige Kontrollen der Bäume nicht vermeiden werden. „Die Blätter sind grün und scheinbar weiterhin ausreichend mit Wasser versorgt. In Wirklichkeit sind die Äste jedoch komplett trocken“, warnte die Behörde.

Nach Auskunft der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, die unter anderem auch für das Land Schleswig-Holstein tätig ist, können die Folgen der Trockenheit örtlich sehr unterschiedlich sein. „Dabei reagieren Eiche und Pappel am ehesten mit Astabbruch“, erklärt Martin Rohde, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Bei der Buche indes komme es schneller zu Blattverfärbung und -abwurf.

Weitere Spätfolgen der Dürre zu erwarten

Die alte Eiche im Eschenburgpark weist keine Schäden auf. Zum Beweis klopft Jäkel mit einem gummierten Hammer auf den Stamm. „Wenn der Baum geschädigt wäre, würde es hohl klingen.“ Er geht davon aus, dass auch in den kommenden Jahren noch mit Spätfolgen der diesjährigen Dürre zu rechnen ist. „Die Bäume sind geschwächt und dadurch leichter angreifbar“, sagt der Abteilungsleiter. Pilze oder Krankheiten wie das Eschentriebsterben könnten sich leichter ausbreiten. „Die Bäume werden in den kommenden Jahren vermutlich vermehrt Totholz produzieren .“ Das sei auch „einhellige Meinung“ auf dem Hanse-Baumforum gewesen, berichtet Jäkel. In der vergangenen Woche hatten sich rund 300 Fachleute in Lübeck über neueste Erkenntnisse ausgetauscht.

Der Naturschutzbund (Nabu) empfiehlt, Bäume, von denen eine Gefahr ausgehen könnte, zu gießen. Die Trockenheit, die das Holz spröde macht, sei dadurch recht einfach zu heilen, meint Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Nabu Bremen.

Forstliche Versuchsanstalt

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt arbeitet im Auftrag der Länder Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Dabei geht es unter anderem auch um den Einfluss des Klimawandels auf die Wälder. Die vier Abteilungen Waldwachstum, Waldschutz, Waldgen-Ressourcen und Umweltkontrolle forschen und beraten Waldbesitzer, Forstbetriebe, Verwaltung und die Politik in den beteiligten Ländern.

Julia Paulat

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