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Nach Stromausfall: Patient stirbt in Schweriner Krankenhaus

Schwerin/Lübeck Nach Stromausfall: Patient stirbt in Schweriner Krankenhaus

Beatmungsgerät des 29-Jährigen hatte versagt. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.

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Tragischer Todesfall im Schweriner Helios-Klinikum: Ein 29-jähriger Patient auf der Intensivstation musste offenbar sterben, weil in der Klinik kurzzeitig der Strom ausgefallen war.

Quelle: dpa

Schwerin. Tragischer Todesfall im Schweriner Helios-Klinikum: Ein 29-jähriger Patient auf der Intensivstation musste offenbar sterben, weil in der Klinik kurzzeitig der Strom ausgefallen war. Sein Beatmungsgerät hatte ausgesetzt. Verkettung unglücklicher Umstände oder Versagen des Betreibers?

Nach Angaben des Helios-Klinikums in Schwerin war das Beatmungsgerät des jungen Mannes nach dem Stromausfall am Dienstag ausgefallen. Der Patient war vor gut einer Woche nach einem Arbeitsunfall mit schweren Kopfverletzungen in die Klinik eingeliefert worden. Obwohl er sofort an ein batteriebetriebenes Gerät angeschlossen worden sei, habe er einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten. Alle Versuche, den jungen Ukrainer wiederzubeleben, seien fehlgeschlagen, sagte Helios-Sprecher Christian Becker, der den Tod des Mannes bedauerte und den Angehörigen sein Mitgefühl aussprach.

Verantwortlich für den Stromausfall war offenbar eine Baufirma, die bei Erdarbeiten ein Stromkabel durchtrennt hatte. Zwar sei „weniger als 15 Sekunden später“ ein Notstromaggregat angesprungen, sagte Becker. Trotzdem seien Teile der Klinik weiter ohne Strom gewesen. Möglicherweise hätten Netzschwankungen bei den örtlichen Stadtwerken ein Steuerungsgerät zerstört.

Horst Träger, Präsident der Fachvereinigung Krankenhaustechnik (FKT) und technischer Leiter des Lubinus-Klinikums in Kiel, zeigte sich darüber verwundert. Er räumt zwar ein, dass es eine 100-prozentige Sicherheit niemals geben könne. „Alle Intensivstationen in Deutschland werden allerdings gleich auf drei Wegen mit Strom versorgt“, erklärt Träger. Erstens durch das reguläre Stromnetz, zweitens durch ein Notstromaggregat, das nach spätestens 15 Sekunden anspringe, und drittens durch eine Batterieversorgung, die unabhängig von Stromnetz und Notstrom den Betrieb auf der Intensivstation für eine gewisse Zeit aufrechterhält. Lebenswichtige Maschinen, wie unter anderem Beatmungsgeräte, müssten zwingend an dieses Batterienetz angeschlossen werden. Vorstellbar sei, dass die Beatmungsgeräte in Schwerin „an der falschen Steckdose hingen“, sagt der Krankenhaus-Techniker.

In die Aufklärung der Todesursache des 29-Jährigen hat sich gestern auch die Schweriner Staatsanwaltschaft eingeschaltet und eine Obduktion des Toten angeordnet. Es müsse festgestellt werden, ob der Stromausfall tatsächlich zum Tode des Patienten geführt habe, sagte Staatsanwalt Stefan Urbanek. Sollte dies der Fall sein, würden weitere Ermittlungen eingeleitet. Auch das Sozialministerium in der Landeshauptstadt Schwerin verlangte gestern Aufklärung vom Helios-Klinikum.

Oliver Grieve, Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), verweist ebenfalls auf die Dreifach-Sicherung für sensible technische Geräte, hält einen ähnlichen Vorfall daher für sehr unwahrscheinlich. Die Beatmungsgeräte am UKSH verfügten weiterhin noch über eine eigene Batterieversorgung, die ihre Funktionsfähigkeit selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Zusammenbruchs aller Netze für 20 Minuten aufrechterhält. „Einmal im Monat wird zudem ein Stromausfall simuliert und die Funktionsfähigkeit des Sicherungsnetzes getestet“, sagt Grieve. Horst Träger zufolge schreibt das Land dieses Testintervall für alle Krankenhäuser in Schleswig-Holstein vor.

Nach Angaben von Lars Hertrampf, Sprecher der Stadtwerke Lübeck, gibt es zumindest in der Hansestadt auch regelmäßige Konsultationen zwischen den Stadtwerken und den Betreibern sensibler Einrichtungen wie Krankenhäuser. Gerade bei Wetterereignissen wie dem Orkan „Christian“ bestehe immer die Gefahr technischer Störungen. „Solche Gespräche sind aber hilfreich, um Risiken zu minimieren“, sagt Hertrampf.

Größter Klinikbetreiber
Die Helios-Gruppe mit Sitz in Berlin ist der größte private Krankenhausbetreiber in Europa. Zur Gruppe gehören 74 Kliniken in Deutschland. Die Klinik in Schwerin ist eines von sechs Helios-Krankenhäusern mit Maximalversorgung. Die anderen sind in Berlin, Krefeld, Duisburg, Erfurt und Wuppertal. In Schleswig-Holstein ist Helios mit acht Standorten vertreten: in Bad Schwartau, Geesthacht, Damp (2), Kiel, Schleswig, Schönhagen und Lehmrade.

Oliver Vogt

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