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Norddeutschland Nach Surfer-Drama: Ärger um Edelyacht
Nachrichten Norddeutschland Nach Surfer-Drama: Ärger um Edelyacht
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21:22 05.07.2013
22,26 Meter lang, 50 Tonnen schwer, 3600 PS stark: Die 2,3 Millionen teure Sunseeker-Motoryacht des Typ „Predator“ liegt im Hafen von Neustadt vor Anker. Quelle: Fotos: BSU
Lübeck

Zwei Jahre nachdem ein in Eutin lebender Surfer vor Pelzerhaken von der Motoryacht eines Lübecker Unternehmers überfahren wurde und ihm anschließend ein Bein amputiert werden musste (die LN berichteten), ist nun ein Streit zwischen der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) und der Herstellerwerft Sunseeker entbrannt. Grund ist der Untersuchungsbericht, den die BSU im Mai zu dem Unfall im Internet veröffentlich hat. Die Werft aus dem englischen Poole fordert die Bundesstelle unter Androhung einer Schadenersatzforderung auf, den Bericht aus dem Netz zu entfernen. Die BSU sieht dafür keinen Anlass.

Grund für das anwaltliche Schreiben aus England an die Behörde ist die harsche Kritik, die die BSU und ein unabhängiger Gutachter an der Konstruktion des Steuerstandes auf dem Boot des Typ „Predator“

äußern. Demnach sei das Sichtfeld auf der Brücke stark eingeschränkt. Dass der Surfer bei der schnellen Fahrt des Bootes schlicht übersehen wurde, wird in dem Bericht als mögliche Kollisionsursache angegeben.

Laut Din-Norm dürfen die Sichteinschränkungen auf dem Steuerstand 30 Grad betragen. Nach den Untersuchungen der BSU betragen die Sichteinschränkungen auf der „Predator“ wegen breiter Holme und Türrahmen aber teilweise zwischen 52 und 60 Grad. Laut Gutachter bedarf die gesamte Bootsreihe „umfangreicher konstruktiver und baulicher Veränderungen, um die Anforderungen der Norm zu erfüllen“.

Für die BSU ist darüber hinaus nicht verständlich, wie das Boot von der italienischen Klassifikationsgesellschaft Rina eine CE-Zulassung erhalten konnte.

Auf diese beruft sich aber Bootshersteller Sunseeker. „Unsere Boote sind von einer unabhängigen Stelle zertifiziert. Wir nehmen die Sache sehr ernst — haben aber keinen Fehler gemacht“, weist Sean Robertsen, Sales-Director von Sunseeker in Poole, die Vorwürfe gegenüber den LN zurück. Falsch sei dagegen laut der Sunseeker-Anwälte der BSU-Bericht. Die Untersuchungen seien angeblich nicht richtig durchgeführt worden.

Weil die Werft nun um ihren Ruf fürchtet, soll die BSU das brisante Dokument aus dem Netz verbannen. Ansonsten will Sunseeker Schadenersatz einfordern. In Hamburg bei der BSU sieht man der Drohung gelassen entgegen. „Wir sehen keinen Anlass, den Bericht aus dem Internet zu entfernen“, sagt Jürgen Albers, stellvertretender Leiter der Bundesstelle. Nur neue Erkenntnisse würden es rechtfertigen, einen neuen Bericht anzufertigen und den aktuellen dann zu ersetzen. Doch neue Hinweise gibt es laut Albrecht bislang nicht.

Der Vize-Chef der Behörde kritisiert außerdem die Kooperationsbereitschaft von Sunseeker. Die Schifffahrtsexperten hätten Probleme gehabt, für ihre Untersuchung überhaupt persönlich an Bord der „Predator“ im Hafen von Neustadt zu kommen. Immer wieder seien sie lediglich mit Unterlagen über das Boot vertröstet worden.

Gegen den 73-jährigen Yachtbesitzer, der den Surfer 2011 mit 70 Stundenkilometern überfahren hatte, war Strafbefehl erlassen worden. Das Amtsgericht Kiel verhängte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung sowie eine Zahlung von 10 000 Euro an die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wegen fahrlässiger Gefährdung des Schiffsverkehrs sowie fahrlässiger Körperverletzung.

Experten für Seeunfälle
11 Mitarbeiter hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) mit Sitz in Hamburg. Die Experten der BSU erfassen und untersuchen weltweit alle Arten von Seeunfällen an Bord oder unter Beteiligung von Schiffen unter deutscher Flagge. Innerhalb der deutschen Hoheitsgewässer wird die BSU unabhängig von der Flagge des oder der daran beteiligten Fahrzeuge tätig. Die unabhängige Institution ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

Jan Wulf

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