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Nach TV-Duell: Zahl der Briefwähler steigt

Lübeck Nach TV-Duell: Zahl der Briefwähler steigt

Viele Bürger haben sich offenbar Sonntag entschieden: Die Wahlämter im Land melden seither einen Run.

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Viele Bürger haben sich offenbar Sonntag entschieden: Die Wahlämter im Land melden seither einen Run.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Von wegen langweiliges TV-Duell — der Fernseh-Schlagabtausch zwischen CDU-Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück letzten Sonntag hat im Norden offenbar viele Bürger zum Wählen angeregt. Die Wahlämter in den Kommunen werden seither von Briefwählern überrannt, zumindest die Briefwahl-Wahlbeteiligung dürfte deutlich höher ausfallen als noch bei der letzten Bundestagswahl 2009.

„Es war, als hätten die Leute am Sonntag entschieden, wen sie wählen wollen. Den Beschluss wollten sie dann so schnell wie möglich umsetzen“, sagt Hartmut Gieske vom Wahlamt der Stadt Bad Segeberg.

Mehr als 500 Briefwähler hätten sich bei ihm bereits gemeldet.

Beate Lege und ihr Team vom Lübecker Wahlamt haben schon 9700 Briefwahlanträge abgearbeitet. 2009 waren es drei Wochen vor der Wahl erst 7500. Das TV-Duell habe offenbar wirklich einen Schub ausgelöst, viele Bürger hätten offenbar auch gleich per Internet ihren Antrag auf Briefwahl abgeschickt. Dass Ende letzter Woche auch gerade alle Wahlbenachrichtigungskarten verschickt waren, habe ein Übriges dazu getan. „Montag hatten wir reichlich zu tun.“

„Wir ertrinken hier im Moment“, sagt auch Susanne Koopmann vom Wahlamt in Bad Oldesloe. Im Jahr 2009 habe es in der Stadt bei 18 695 Wahlberechtigten insgesamt 2494 Briefwähler gegeben — eine Quote von 13,34 Prozent, rechnet Hauptamtsleiter Malte Schaarmann vor. Jetzt seien es bei 19 043 Wahlberechtigten schon 1224 Briefwähler — eine Quote von 6,43 Prozent. „Wenn man davon ausgeht, dass die Briefwahlanträge in den nächsten zweieinhalb Wochen in dem Trend weiter gestellt werden, werden wir am Ende fast 20 Prozent erreicht haben“, sagt Schaarmann.

„Das ist schon enorm“, sagt auch Sebastian Langer vom Ordnungsamt in Ratzeburg. Bisher habe er schon 682 Anträge auf Briefwahl für die Bundestagswahl erhalten. Im Jahr 2009 seien es insgesamt nur 1155 gewesen. Auch in Ratzeburg deute sich damit an, dass diese Zahl diesmal übertroffen werden dürfte. Langer rechnet am Ende mit bis zu 1400 abgegebenen Briefwahlzetteln.

Einige Wähler seien auch schon vor dem Verschicken der Wahlbenachrichtigungskarten zu ihr gekommen, berichtet Monika Magiera von der Stadtverwaltung in Eutin. Fünf Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin halte man die Urnen ja schon vor. Die Briefwahlunterlagen — 650 wurden in Eutin bereits beantragt — können die Bürger per Post zurückschicken oder auch gleich vor Ort im Amt ausfüllen und einwerfen.

Für die steigende Zahl von Briefwählern hat Monika Magiera noch eine weitere Erklärung: „Wer einmal Briefwahl gemacht hat, bleibt meistens dabei.“ Viele Bürger kämen schon seit 15 und mehr Jahren vorab zu ihr zum Wählen, fänden es einfach praktisch, terminlich nicht so auf den Wahlsonntag festgenagelt zu sein. „Ein Paar war hier, das am Wahltag in Hongkong sein wird. Sie haben direkt hier im Büro gewählt“, berichtet auch Hartmut Gieske aus Segeberg.

Der Trend zur Briefwahl — und möglicherweise auch zu einer generell höheren Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl am 22. September — ist dabei offenbar nicht auf den Norden begrenzt. Auch aus anderen Bundesländern werden steigende Zahlen gemeldet. In Berlin zum Beispiel war die Briefwahlquote schon 2009 mit fast 27 Prozent sehr hoch. Jetzt meldet etwa der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, dass bereits 40 000 von 220 000 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben. Man habe bis zur Wahl insgesamt nur mit 50 000 gerechnet.

Schon vorher abstimmen: So geht Briefwahl
Jeder Wahlberechtigte, der in ein Wählerverzeichnis eingetragen ist, kann per Briefwahl wählen, wenn er einen Antrag auf Erteilung eines Wahlscheins stellt, heißt es auf der Internetseite des Bundeswahlleiters. Zuständig dafür ist die jeweilige Gemeinde. Bei deren Verwaltung kann die Erteilung schriftlich oder mündlich beantragt werden, also zum Beispiel auch per Telegramm, Telefax oder E-Mail.

Viele Ämter bieten mittlerweile zudem an, den Antrag direkt auf ihrer Internetseite zu stellen. Eine telefonische Antragstellung allerdings ist unzulässig. Behinderte Wahlberechtigte können sich von anderen Personen helfen lassen.

Der Antragsteller muss Familiennamen, Vornamen, Geburtsdatum und seine Wohnanschrift angeben. Wer den Antrag für einen anderen stellt, muss eine schriftliche Vollmacht vorlegen.

Briefwahlunterlagen können bis Freitag, 20. September, 18 Uhr beantragt werden, bei nachgewiesener plötzlicher Erkrankung sogar noch bis zum Wahltag 15 Uhr. Die Briefwahlunterlagen können dann im Amt abgeholt und auch direkt dort ausgefüllt werden. Man kann sie sich allerdings auch zuschicken lassen. Der Wahlbrief sollte dann spätestens am dritten Werktag vor der Wahl zurückgeschickt werden, im Inland ist das portofrei.

Wolfram Hammer und Petra Dreu

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Zahl der Briefwähler steigt
Von Wolfram Hammer

Irgendwie langweilig, zu flach, null zu null unentschieden — was war über das TV-Duell von Kanzlerin und Herausforderer am letzten Sonntag im Nachhinein nicht alles geunkt worden.

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