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Nach dem Einbruch bleibt die Angst

Lübeck Nach dem Einbruch bleibt die Angst

Zahl der Delikte in Schleswig-Holstein um 6,6 Prozent gestiegen. Heute bundesweiter Tag des Einbruchschutzes.

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Marion Meier (73) zeigt das Fenster, durch das die Diebe in ihr Haus in Lübeck einstiegen. Der Einbruch hat ihr Leben verändert — jetzt schließt sie nachts sogar die Schlafzimmertür ab.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Die Zahl der Einbrüche steigt. Im vergangenen Jahr wurden allein in Schleswig-Holstein 11 143 Fälle gezählt — das sind 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Diebe greifen gern in der Urlaubszeit zu oder auch tagsüber, wenn niemand zu Hause ist. Daran soll der heutige bundesweite Tag des Einbruchschutzes erinnern. Die Betroffenen leben nach dem Einbruch oft in Angst — so wie Marion Meier.

Mehr als zwei Monate ist es nun schon her, dass bei Marion Meier eingebrochen wurde. Doch die 73-Jährige kann den Tag nicht vergessen. Am 14. August hat sie ihr kleines Doppelhäuschen im Lübecker Stadtteil St. Jürgen um 10.15 Uhr verlassen. „Als ich um kurz nach 14 Uhr zurückkam, stand das Toilettenfenster offen. Ich wusste sofort: Da war jemand“, berichtet Meier. Da sie sich allein nicht in die Wohnung traute, rief sie zunächst ihren Sohn, dann die Polizei an. Innen bot sich ihr ein Bild der Verwüstung. Die Blumentöpfe von der Fensterbank im Bad waren heruntergefallen und zerschlagen.

Überall lagen Scherben und Erde herum. „Alle Schränke, alle Schubladen waren herausgerissen.“ Sogar den Dachboden hatten die Diebe durchsucht. Dabei ließen sie eine Box mit älteren Münzen, 300 Euro und etwas Schmuck mitgehen.

Für Marion Meier ist das ein großer Verlust. Die Lübeckerin, die ehrenamtlich für die Lübecker Tafel arbeitet, lebt von Grundsicherung. Der Schmuck gehörte ihrer Mutter. „Ein goldenes Armband war dabei und einige silberne Ringe. Die sind ja nicht viel wert, aber ich wollte sie mal meinen Enkeln schenken. Nun sind sie weg“, sagt die Lübeckerin traurig.

Das Geld hatte sie nach und nach beiseite gelegt — für einen Besuch bei ihrer Schwester, die in Kanada lebt. „Ich möchte sie gern noch einmal sehen.“ Auch ein Sparschwein machten die Diebe leer. Wie viel Geld darin war, weiß Marion Meier nicht. „Das ist hier eigentlich eine ruhige Gegend, es ist nie etwas gewesen“, erzählt Meier. Sie selbst lebt schon seit 25 Jahren in der eng bebauten Wohnstraße nahe der Ratzeburger Allee. Ihre Haustür, die von außen nur mit einem Knauf ausgestattet ist, zog sie nachts nur zu. „Ich habe eigentlich überhaupt keine Angst“, sagt sie. Doch seit dem Einbruch ist das anders: „Jetzt schließe ich alles ab.“ Sogar in der Schlafzimmertür wird nachts der Schlüssel herumgedreht. In der ersten Nacht blieb ihr Sohn mit in dem Haus, damit sie überhaupt zur Ruhe kam.

Zwei Tage lang habe sie aufgeräumt, erinnert sie sich. Als erstes habe sie die Bettwäsche abgezogen und gewaschen. Es sei ein „schlimmes Gefühl“, dass Fremde in der Wohnung waren. „Ich denke, vielleicht haben die mich zuvor beobachtet“, sagt sie. Tatsächlich müssen die Täter ja gesehen haben, wann Meier an jenem Tag das Haus verließ. „Ich weine sehr viel, seit das passiert ist.“

„Schwerwiegend ist der Schock der Geschädigten“, berichtet Detlef Hardt von der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“. „Die Wohnung wurde ,besudelt‘, die intimsten Dinge berührt, viele ekeln sich, haben Angst vor Wiederholungen.“ Der „Weiße Ring“ hilft mit der Kostenübernahme für therapeutische Behandlungen. In Einzelfällen müsse auch ein Umzug in eine neue Wohnung geplant werden, so Hardt.

Auch Marion Meier will das Haus nun hinter sich lassen. „Ich hätte gern eine kleine Wohnung in einem Block“, sagt die 73-Jährige. Doch das sei nicht einfach zu finden. Gern möchte sie in der Gegend bleiben.

Sicherheitstipps
Einbrecher müssen meist schnell sein: „Kommen sie nach drei bis vier Minuten nicht ins Haus, ziehen sie oft weiter“, erklärt Thomas Take, Risikoberater der Provinzial Versicherung in Kiel. Daher sollte man die Haustür stets absperren sowie Balkon- und Terrassentüren schließen, bevor man das Haus verlässt. Hausschlüssel sollten nicht unter der Fußmatte, in Blumenkästen oder in der Garage versteckt werden. Auch sollten in sozialen Netzwerken wie Facebook keine Hinweise auf Abwesenheit gegeben werden. Die Provinzial empfiehlt zudem, von Zeit zu Zeit Inventarlisten zu erstellen. Dazu gehöre es auch, den Schmuck zu fotografieren und Kaufbelege aufzubewahren.

Bei Einbrüchen kommt in Deutschland jährlich eine Gesamtschadenssumme von 400 Millionen Euro zusammen.

Julia Paulat

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