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Norddeutschland Nach dem Hochwasser: Welle der Hilfsbereitschaft für Lauenburg
Nachrichten Norddeutschland Nach dem Hochwasser: Welle der Hilfsbereitschaft für Lauenburg
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22:21 28.06.2013
Von Timo Jann
Axel Müller-Blech fängt erst jetzt mit dem Aufräumen an. Er gönnte sich eine Auszeit, weil er die Sandsäcke nicht mehr sehen konnte.

Das Hochwasser der Elbe geht weiterhin zurück — aber die Stadt erreicht im selben Atemzug eine neue Welle — eine deutlich schönere: Eine Spenden-Flut. „Es läuft zum Glück sehr gut“, freut sich Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede (CDU). Fast 100 000 Euro für die vom Hochwasser in seiner Stadt betroffenen Menschen sind bereits auf dem Spendenkonto eingegangen.

Gerade brachte die Firma Colgate zusätzlich zu einem Sattelzug voller Putzmittel noch 10 000 Euro in bar mit. Am vergangenen Wochenende bekam Thiede in Harmstorf bei Lensahn an der Ostsee mehr als 4000 Euro aus dem Erlös eines Fußballturniers für die Flutopfer in die Hand gedrückt. Und morgen startet ein Benefiz-Tag in Geesthacht.

„Wir werden uns große Gedanken darüber machen müssen, wie wir das gespendete Geld, das eins zu eins den Betroffenen zugutekommen soll, gerecht verteilen“, sagt Thiede. Seine Idee ist, mit einigen Betroffenen sowie Vertretern der Parteien und der Kirche einen kleinen Arbeitskreis zu gründen, der sich darum kümmert. „Ein Einzelner kann diese Entscheidungen nicht treffen“, so Thiede. Persönliche Verhältnisse sollen ebenso Berücksichtigung finden wie der Grad der Betroffenheit und der Schwere der Schäden.

Mittlerweile hat die Bundesregierung auch den Flut-Fonds mit acht Milliarden Euro freigegeben. „Wenn wir von diesem Geld nur ein Prozent nach Lauenburg holen könnten, wäre uns sehr geholfen“, sagt der Bürgermeister. Das wären 80 Millionen Euro von Bund und Ländern. Wie dringend Geld benötigt wird, zeigt die Situation vieler Betroffener. „Ich fange jetzt erst an, die Schäden aufzunehmen. Ich habe mir eine Auszeit gegönnt, weil ich keine Sandsäcke mehr sehen konnte“, berichtet Axel Müller-Blech. Der Kunstglasbläser lebt in einem 1876 errichteten Haus an der Elbstraße. „Das Wasser ist weder vorne noch hinten rein gekommen, sondern durch den Keller, weil ich ja evakuiert war und nicht mehr pumpen durfte“, sagt er. Ähnlich sieht es auch bei Jürgen Mahnecke einige Häuser elbabwärts aus. „Nach ersten Schätzungen habe ich einen Schaden von mehr als 55 000 Euro“, sagt er.

Mit Unterstützung zahlreicher Freunde hat Sönke Ellerbrock, der Wirt des Hotel und Restaurant „Zum alten Schifferhaus“, bereits weitestgehend Klarschiff gemacht. „Es ist einfach nur traurig“, sagt Ellerbrock. Das Wasser stand stellenweise bis zu 70 Zentimeter hoch im Erdgeschoss seines 350 Jahre alten Hauses. Und Klarschiff bezieht sich nur auf den Abriss der zerstörten Einrichtung. Selbst internationale Hilfe kommt bereits in Lauenburg an. Donnerstag traf sich der Bürgermeister mit den Botschaftern von Argentinien, Polen und des kleinen Inselstaates Tuvalu im Pazifischen Ozean, die einen Scheck des konsularischen Korps aus Hamburg in Höhe von 2500 Euro überreichten. Vom Kieler Korps bekommt Lauenburg noch einmal 2500 Euro.

Nur langsam kehrt indes in der Altstadt wieder normales Leben ein. „Wir sind mit einem blauen Augen beim Hochwasser davon gekommen, leiden jetzt aber darunter, dass viele Menschen die Elbstraße meiden“, sagt Maik Peters vom „Altstadtfriseur“. Peters: „Die Menschen denken, hier wäre alles im Chaos versunken. Aber es muss ja weitergehen.“ Darauf hofft auch Ellerbrock. „Im Hotel biete ich wieder Übernachtungen an, das Frühstück und kleine Speisen gibt es dank einer in Zelten auf der Terrasse untergebrachten Notgastronomie“, erklärt der Wirt. Ob er wie geplant ab September wieder regulär öffnen könne, sei aber noch nicht absehbar. „Ich bin stolz auf unsere Lauenburger, die alle gemeinsam anpacken, um die Lage in den Griff zu bekommen“, sagt Thiede. „Und außerdem bin ich überwältigt, welche große Hilfe uns von außerhalb zuteil wird. Die ist auch dringend nötig, denn viele Menschen hat das Hochwasser in schlimme Situationen gestürzt.“

Hilfe für Hochwasser-Geschädigte
Die Stadt Lauenburg hat eigens für die Flut-Hilfe ein Spendenkonto eingerichtet. Das Konto der Stadtkasse Lauenburg, Stichwort: Hochwasserhilfe, hat die Kontonummer 4000064 bei der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, Bankleitzahl 23052750. Die IBAN-Nummer lautet DE07 2305 2750 000 4 0000 64, die BIC ist

NOLADE21RZB.

Bei Beträgen bis zu 200 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank als Nachweis über die Spendenzahlung an.

Darüber hinaus stellt die Stadt Lauenburg bei Bedarf Spendenbestätigungen aus. Spender sollten dazu ihre Anschrift auf dem Überweisungsbeleg angeben.

„Ich bin stolz auf unsere Lauenburger, die alle gemeinsam anpacken, um die Lage in den Griff zu bekommen.“
Bürgermeister

Andreas Thiede

Timo Jann

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