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Norddeutschland Nacktschnecken: Schleimige Vielfraße ärgern Gärtner
Nachrichten Norddeutschland Nacktschnecken: Schleimige Vielfraße ärgern Gärtner
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21:40 12.07.2016
Mehmet Karatasli ärgert sich sehr über die Nacktschnecken. Sie haben in seinem Kleingarten viel zerfressen, hier Zucchini-Blätter. Quelle: Olaf Malzahn

Gegen Abend kriechen sie zu Hunderten heran und greifen an. Ob Blumen oder Gemüse: Die Nacktschnecken machen kurzen Prozess. Nur noch ein gerupftes Häufchen Elend sind die Dahlien in der Parzelle von Aleksandr Savcenko im Kleingärtnerverein Buntekuh in Lübeck, nachdem die schleimigen Kriechtiere über sie hergefallen sind. „Wir haben hier sehr viele Schnecken“, sagt der 53-Jährige, der die Blumen nun umgepflanzt hat. Im Frühjahr würden die Schnecken alles fressen, auch die Blätter der Kartoffeln und Gurken. Jetzt im Sommer hätten sie mehr Auswahl und seien wählerischer. „Sie mögen gerne junge Blätter“, sagt Savcenko.

Die Kriechtiere richten große Schäden an – Nabu empfiehlt gegen sie Kaffee oder Kalk.

Die Nacktschnecken sind eine wahre Plage für Gärtner. Der Kohlrabi in der Parzelle der Kita Bugenhagen I ein Stück weiter ist wohl hinüber, die Blätter sind total abgefressen, zeigt Erzieherin Natalja Renje. Auch Mehmet Karatasli ärgert sich über die glitschigen Tiere. „Ich versuche etwas anzupflanzen, aber die Schnecken kommen, fressen es und hauen ab“, sagt der Kleingärtner. Statt bei ihm auf dem Teller landeten seine Kopfsalate ausschließlich im Magen der Schnecken. Karatasli ist deshalb nun aktiv geworden und hat Salz in das Beet gestreut. „Da sterben sie dann“, sagt er. Otto Markhardt will den Kriechtieren ebenfalls an den Kragen. Im Bauhaus an der Lohmühle in Lübeck kauft der Bad Schwartauer Schneckenkorn. „Das ist das gefragteste Mittel“, sagt Fachberaterin Birgit Jurchen.

Es muss allerdings nicht immer Gift sein. Die Expertin hat eine ganze Reihe von Anti-Schnecken-Mitteln im Angebot, bei denen die Tiere überleben. So gibt es Beetumrandungen mit einer Kupferschicht.

„Da gehen die Schnecken nicht rüber“, erklärt die Fachfrau. Auch Schneckenzäune oder -bleche sollen das Eindringen der Kriechtiere verhindern. Gerade in diesem feuchten Sommer würden viele Kunden im Bauhaus wegen Gegenmitteln nachfragen.

Die Verbraucherzentrale warnt allerdings vor einem leichtsinnigen Gebrauch von Schneckenkorn. Gartenbesitzer sollten damit vorsichtig umgehen und sicherstellen, dass Haustiere und Kleinkinder ferngehalten werden und nicht davon essen. Den Verbraucherschützern in Schleswig-Holstein liegt ein tragischer Beschwerdefall vor, bei dem ein Hund nach dem Verzehr von Schneckenkorn starb.

Der Naturschutzbund (Nabu) lehnt den Einsatz von Gift generell ab. „Es ist unklar, wo es verbleibt“, sagt Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Nabu Schleswig-Holstein. Er rät schneckengeplagten Gärtnern zu Gelassenheit. Die Naturschützer empfehlen vor allem, natürliche Feinde der Schnecken wie Igel, Kröten oder Blindschleichen zu fördern. Ein probates Mittel laut Nabu ist es auch, rund um die Beete eine breite Schicht aus Sägemehl und Kalk zu streuen. Schnecken meiden raue Oberflächen, und der Kalk verätzt ihre Sohle. Eine wirksame Möglichkeit sei zudem der Einsatz von Kaffee und Kaffeesatz. Gärtner sollten laut Nabu gefährdete Beete nichts abends, sondern frühmorgens gießen, so dass die nachtaktiven Schnecken die Feuchtigkeit nicht mehr zur Nahrungssuche ausnutzen können. Auch Laufenten helfen gegen die unliebsamen Gartenbesucher.

Als ein Klassiker im Anti-Schnecken-Einsatz gilt die Bierfalle. Werner Heimann, Leiter des Bauhaus-Marktes an der Lohmühle, hat das bereits ausprobiert und kann davon nur abraten: „Das riecht eklig“, sagt der Bad Schwartauer. Einige Hobbygärtner sind von den Nacktschnecken so genervt, dass sie selbst zum Angriff übergehen – und zum Spaten oder der Heckenschere greifen.

Spanische Wegschnecke ist von Gärtnern gefürchtet

Für die Schäden in Gärten sind fast ausschließlich Nacktschnecken verantwortlich. Gehäuseschnecken verursachen kaum Schäden. Als die häufigste Schneckenart gilt in Deutschland inzwischen die spanische Wegschnecke. Sie frisst fast alles Pflanzliche, was ihr vor das Maul kommt – aber auch Aas. Sie ist rotbraun und circa 10 Zentimeter lang, manche Exemplare werden auch größer. Angeblich sollen sie aus Südeuropa mit Pflanzentransporten eingeschleppt worden sein. Doch Forscher haben festgestellt, dass es sich bei ihr um einen mitteleuropäischen Ureinwohner handelt.

 Julia Konerding

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