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Norddeutschland Nationalpark als Tourismusmagnet
Nachrichten Norddeutschland Nationalpark als Tourismusmagnet
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21:50 31.12.2015
Blick bei Niedrigwasser auf das Wattenmeer und den Leuchtturm von Westerhever. Die Landschaft bietet vielen Tieren und Pflanzen eine Heimat. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Husum

Vor 30 Jahren konnte sich kaum jemand vorstellen, welche Erfolgsgeschichte der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer schreiben wird. „Es gab nur wenige Leute, die sagten, da machen wir mal mit“, erinnert sich der Leiter der Nationalparkverwaltung, Detlef Hansen. Heute erleben der Nationalpark und das Weltnaturerbe eine überwältigende Akzeptanz:

„Wenn man die Menschen befragt, kommt man auf sozialistische Werte von über 80 Prozent, die den Nationalpark gut finden oder stolz darauf sind.“

Seit seiner Gründung sind die Urlauberzahlen an der Westküste Schleswig-Holsteins stetig gestiegen, der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region, an dem zehntausende Jobs hängen.

Mittlerweile erleben rund zwei Millionen Menschen dort jedes Jahr die einzigartige Natur, dazu kommen 15 Millionen Tagesausflügler. „Das ist ein enormer Druck auf die Schutzgebiete — und trotzdem können wir sagen, Tourismus und Nationalpark geht, das passt gut zusammen“, betont Hansen.

Die Anfänge waren jedoch schwierig. „In den 1980ern waren die Salzwiesen im Vorland golfrasenkurz geweidet, Jäger schossen jährlich 10000 Enten im Wattenmeer, Tiefflieger brachten Vogelwärter zur Verzweiflung, Deichbauer und Naturschützer trennten tiefe Gräben“, schreibt Umweltminister Robert Habeck (Grüne) in der Dezemberausgabe der Zeitschrift „Nationalpark Nachrichten“. „Es gab Schaumberge am Meeresufer, Öl an den Füßen und relativ wenige scheue Seehunde und Ringelgänse.“

Detlef Hansen und andere Naturschützer hatten damals eine Vision für die Zukunft des Wattenmeers. „Ich bin durch die Gastsäle getingelt mit meinen Lichtbildern und habe Werbung gemacht für den Nationalpark“, sagt Hansen. Doch „der Nationalpark war hier nicht gewollt“. Aufgestochene Autoreifen, brennende Strohballen oder aufgehängte Strohpuppen zeugten damals vom heftigen Widerstand der Einheimischen.

Doch all das hat sich gewandelt. „Es gibt neben den Behörden und den Umweltschützern mittlerweile ganz viele Menschen, die den Nationalpark gut finden“, sagt Hansen. Das Gebiet aus Wattflächen mit Rinnen und Prielen, mit Sandbänken, Dünen und Salzwiesen ist eine der fruchtbarsten Regionen der Erde und bietet 3200 Tierarten einen Lebensraum.

„Was wir erreicht haben, ist gut“, lautet das Fazit von Wattenmeerexperte Ulrich Rösner. „Aber wir sind noch nicht fertig: Wenn wir es halten wollen, haben wir noch ein bisschen was vor uns“, betont der Biologe von der Umweltstiftung „World Wide Fund For Nature“ WWF.

Großes Gebiet

441 000 Hektar misst der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und ist damit der größte Nationalpark zwischen dem Nordkap und Sizilien. Er beginnt 150 Meter seewärts von Deich und Dünen. Die höchste Erhebung ist eine acht Meter hohe Warft auf der Hallig Süderoog. Die tiefste Stelle des Nationalparks liegt mit 27 Metern unter dem Meeresspiegel südlich von Amrum.

LN

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