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Norddeutschland Nervosität vor dem Ostsee-Manöver
Nachrichten Norddeutschland Nervosität vor dem Ostsee-Manöver
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22:17 26.07.2017
Ein chinesisches Kriegsschiff feuert: Die baltischen Staaten und Dänemark sind besorgt über die Seeübung von Russen und Chinesen. Quelle: Imago

Während man in der deutschen Marine, im Bundesverteidigungsministerium sowie bei Schifffahrtsunternehmen einigermaßen entspannt auf die Seeübungen reagiert, sind die Anrainerstaaten im Baltikum, aber auch Dänemark, sehr besorgt.

Bislang übten russische sowie chinesische Marine lediglich im Pazifik gemeinsam. In dieser Woche also die fragwürdige Premiere in der Ostsee. Der militärische Aufwand ist enorm. Neben drei modernen Kriegsschiffen aus China schickt die russische Flotte das 173 Meter lange Atom-U-Boot „Dimitry Donskoi“ sowie den Raketenkreuzer „Peter der Große“ mit 250 Metern Länge in die Seeübung.

Sicherheitsexperten glauben, dass die Chinesen ihre Glaubwürdigkeit als Partner Russlands unter Beweis stellen wollen. Und der Kreml dürfte auch daran interessiert sein, ein Gegengewicht zu den Nato- Operationen in der Ostsee zur Schau stellen zu können. Vielleicht ist das Muskelspiel der russischen und chinesischen Schiffe auch eine Art Retourkutsche auf die Stationierung von zusätzlichen 4000 Mann Nato-Truppen und Panzern an der Nato-Ostgrenze, etwa in Litauen.

In den baltischen Staaten ist die Besorgnis gegenüber der russischen Militärmacht und nun angesichts des Flottenmanövers besonders groß. Aber auch in Dänemark beherrscht die Seeübung seit Tagen die Schlagzeilen. „Dänemark ist ein kleines Land und lebte über mehrere Generationen im Schatten der Sowjetunion. Daher sind die Bilder und die Vorstellungen aus dem Kalten Krieg auch nicht ganz weg“, sagte der Sicherheitsexperte Thomas Wegener Friis von der Universität Odense dem NDR.

Im Bundesverteidigungsministerium in Berlin gibt man sich offiziell gelassen angesichts des Manövers. Es sei das Recht sowohl von Russland als auch von China, „in internationalen Gewässern der Ostsee zu fahren“, sagte ein Ministeriums-Sprecher den LN. Die deutsche Marine und Verbündete würden die Seeübung allerdings „begleiten, wie dies in solchen Fällen üblich“ sei, erklärte Kapitän zur See Johannes Dumrese, der Sprecher des Marineinspekteurs, Vizeadmiral Andreas Krause, gestern in Rostock-Warnemünde. Dass russische und chinesische Verbände in der Ostsee Übungen abhielten sei ein „völlig normaler Vorgang“. Das deutsche Marinekommando hatte aus Presseerklärungen des russischen Verteidigungsministeriums von der Übung erfahren.

Noch entspannter reagierte das deutsch-dänische Fährunternehmen Scandlines auf das Manöver. Man sei mit seinen Linien in der westlichen Ostsee „in keiner Weise betroffen“, sagte Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Das Kreuzfahrtunternehmen Aida, das derzeit mit allein fünf großen Urlauberschiffen in der Ostsee unterwegs ist, wollte sich nicht zum Manöver äußern.

 Reinhard Zweigler

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