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Norddeutschland Juist-Fähre bekommt Konkurrenz
Nachrichten Norddeutschland Juist-Fähre bekommt Konkurrenz
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09:00 17.02.2019
Die Schiffe der Reederei Frisia können Hunderte Passagiere mitnehmen. Quelle: Bäsemann/dpa
Norddeich/Schwarzenbek.

Es mutet an wie ein verfrühter Aprilscherz. Zumindest für eingefleischte Juist-Urlauber erscheint die Nachricht fast unglaublich. Aber sie ist wahr. Die mit 17 Kilometern längste der ostfriesischen Inseln soll schon in Kürze auf dem Wasserweg nicht nur über Frisia-Fähren ab Norddeich erreichbar sein, sondern mit einem zusätzlichen Fährboot, das doppelt so schnell durchs Watt pflügt wie die angestammten, bislang konkurrenzlosen Fähren. Ein Juister Gastronom ist Initiator der Idee, das Boot stammt aus Schleswig-Holstein.

Fähren müssen nur Fußgänger transportieren

Juist ist autofrei, wenn man von den wenigen Rettungswagen für Polizei und Feuerwehr absieht. Und der Insel-Doc darf motorisiert sein – für alle Notfälle. Autos müssen also nicht auf die Insel transportiert werden – anders als auf den Nachbarinseln Norderney und Borkum. Die bekannten Personenfähren der Reederei Frisia sind betagte Diesel und tuckern im Fußgängertempo unter mäßigem Komfort gemächlich durchs Watt. Geschlagene anderthalb Stunden benötigen sie für die wenigen Kilometer vom Festlandshafen Norddeich in den Juister Hafen – so weit es auf dem Zickzackkurs keine Zwischenfälle gibt. In der engen und flachen Fahrrinne haben die Frisia-Fähren immer mal wieder Grundberührung.

45 statt 90 Minuten Reisezeit

Der 50-jährige Unternehmer Jörg Schmidt (Pizzeria „Piratennest”/Steakhaus „Hacienda”) will Juist, die Insel der Entschleunigung, nun schneller erreichbar machen. Zwar nicht ganz so flott wie mit dem Sportflugzeug, aber immerhin doppelt so schnell wie die alten Frisia-Fähren sind. Mehr als 16 Knoten sind im Naturschutzpark Wattenmeer jedoch nicht erlaubt, 45 Minuten soll die Überfahrt dauern, 45 Euro die einfache Fahrt kosten. Zu seinen Beweggründen für das 330.000-Euro-Projekt sagt der Gastronom: „Ich habe mich geärgert über die Frisia, die zuletzt an einem sonnigen Pfingstmontag morgens früh die Insel von Gästen ,leergesaugt’ hat.” Die Fähre mit neuen Gästen habe erst abends angelegt. Ihm hätte das in seinen Restaurants Umsatzeinbußen beschert. Auch Einheimische bekundeten inzwischen Interesse an dem zusätzlichen, flexibleren Fährangebot

Kapitäne sind schon da

Der „Töwerland-Express” erhält seinen handgefertigten Rumpf in St. Petersburg (Russland), der Endausbau erfolgt bei der Firma AluForce in Schleswig-Holstein. Alle Boote dieses Unternehmens werden ausschließlich aus einer extrem stabilen, rostfreien und seewasserbeständiger Aluminium-Magnesium-Legierung gefertigt. Das Leergewicht des Bootes beträgt dadurch nur gut zwei Tonnen. An Bord der kleinen Fähre wird es Heizung und Toilette geben. Einen Liegeplatz an Norddeich-Mole hat sich Investor Jörg Schmidt bereits gesichert, Kapitäne sind nach seinen Angaben bereits eingestellt.

Start im März

Schmidts „Töwerland-Express” wird allerdings nur elf Personen aufnehmen können. Zum geplanten Start Mitte März setzt er zunächst ein kleineres Ersatzboot ein, das maximal acht Personen befördert. Denn die bestellte, elf Meter lange Mini-Fähre mit einem Tiefgang von nur 60 Zentimetern sei nach behördlichen Verzögerungen in der Planung noch nicht gebaut. Beide Boote des Herstellers AluForce hat Schmidt bei All Adventure Maritim in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) gekauft. Bei einer Besichtigung des Bootstyps in Neustadt/Holstein hatte der Juister Gastronom sich beeindruckt gezeigt.

Der Endausbau des „Töwerland-Express” erfolgt in Schleswig-Holstein. Quelle: Aluforce

Zwei bis sechsmal pro Tide will Schmidt in Konkurrenz zur Frisia-Reederei treten. Die Juist-Fähren der 1871 gegründeten Frisia können bis zu 1100 Personen befördern. Auf der Insel verbringen Prominente wie Günther Jauch, Harald Schmidt oder Kai Wiesinger ihren Urlaub.

Curd Tönnemann

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