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Norddeutschland Neue Ideen für die Konfirmation
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18:24 02.04.2016
Im Dom zünden die Konfirmanden Kerzen zum Gedenken an. So beginnt jedes der wöchentlichen Treffen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Leise ist es im Dom und fast menschenleer. Nur um den Kerzenaltar sammelt sich eine Gruppe Jugendlicher und zündet Lichter an. „Diese Kerze ist für meine Oma, die bald wieder gesund werden soll“, sagt eines der Mädchen. „Diese Kerze ist für die Opfer des Terrors“, sagt einer der Jungen. Andere zünden die Lichter für verstorbene Angehörige oder einfach für ein schönes Wochenende an.

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Auch heute noch entscheiden sich Jugendliche für den Kirchenunterricht — nicht nur der Geldgeschenke wegen.

Leben, Tod, Glaube — schon sind die Themen, die bewegen, mit diesem Anfangsritual in den Konfirmandenunterricht getragen worden. Und da wollen sie behandelt werden. „Die Konfirmanden sind gerade in einem spannenden Alter, in dem viele Fragen auftauchen“, sagt Pastorin Margrit Wegner über ihre Gruppe, die sich seit September einmal in der Woche trifft. „Und es zeigt sich: Inhalte sind das eine, aber was hängen bleibt, sind die Erlebnisse.“

Statt viele Bibelstellen auswendig zu lernen oder jeden Gottesdienst besuchen zu müssen, wie es einst im Konfirmandenunterricht üblich war, geht es an die Themen des Lebens. Statt sich etwa nur über den Tod zu unterhalten, ist die Gruppe zum Beispiel vor kurzem bei einem Bestatter zu Besuch gewesen. Da haben die „Konfis“ mit ihren vielen Fragen so die Zeit überzogen, dass anschließend alle den Bus verpasst haben. „Meinen eigenen Konfirmandenunterricht früher fand ich grottenschlecht“, sagt Margrit Wegner. „Schon da habe ich mir überlegt, dass man das doch anders machen könnte.“

Die Zahlen scheinen ihr und Mitstreiter Pastor Martin Klatt da Recht zu geben. Zwar ist die Zahl der Konfirmationen im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg seit 2011 um gut 20 Prozent zurückgegangen und die Quote in Schleswig- Holstein laut Nordkirche um rund zehn Prozent — nicht zuletzt wegen geburtenschwächerer Jahrgänge. Am Dom aber hat sich die Zahl der Konfirmanden im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt. „Generell aber ist in Schleswig-Holstein und Niedersachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern die Neigung, sich konfirmieren zu lassen, noch recht hoch“, sagt Frank Zabel, Sprecher der Nordkirche. „Hier kommen durchschnittlich 1,1 Konfirmanden auf hundert Kirchenmitglieder — in anderen Ländern liegt die Quote nur bei 0,7.“

Dass da möglicherweise auch die Erneuerungen des herkömmlichen Konfirmandenunterrichts eine Rolle spielt, bestätigt Matthias Voss, Pastor der Kirchengemeinde Segeberg. Auch er stellt heraus, wie wichtig Erlebnisse sind, um Themen wie Vertrauen verarbeiten zu können —, und dass dazu die Konfirmanden auch eigenverantwortlich in die Veranstaltungen eingebunden sind. Wie bei der Konfirmanden-Freizeit zum Beispiel. „Wenn die Jugendlichen da Verantwortung übernehmen und selbst Andachten organisieren, dann wirken diese häufig viel stärker“, sagt Voss. Nicht nur werde das Selbstvertrauen beim Reden über Gott in eigenen Worten gestärkt, sondern auch auf die anderen Jugendlichen würden die Betrachtungen so viel authentischer wirken. „Das kommt dann von Herzen und so kann man selbst als Pastor noch viel lernen“, sagt Voss. Sich konfirmieren zu lassen, ist offensichtlich noch nicht „uncool“ — obwohl die Konfirmanden sich häufig auch den Unterricht selbst vorher etwas anders vorgestellt haben. „Ich hätte gedacht, dass es strenger ist und mehr wie Schule“, sagt Fina (14). „Aber man kann hier zusammen über Themen reden, für die in der Schule meist kein Platz oder keine Zeit ist.“

Und die Gemeinschaft ist das, was die Jugendlichen schätzen: „Man kommt hier mit Personen in Kontakt, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte“, sagt Henrieke (14). Daneben scheint das oft beschworene „Jugendliche lassen sich doch nur wegen des Geldes darauf ein“ in den Hintergrund zu treten. Geschenke sind zwar schön, aber: „Ich freue mich vor allem auf die Feier, weil dann die ganze Familie zusammenkommt“, sagt Jannis (14). „Mit der Konfirmation wird man ein ganzes Stück erwachsener.“

Geistliches Rüstzeug fürs Leben

Die Konfirmation ist eine feierliche Segenshandlung in den meisten evangelischen Kirchen, die den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter markiert. In den deutschen Landeskirchen findet die Konfirmation meist im Alter von 14 Jahren statt. Der ursprüngliche Grund lag darin, dass früher die meisten Volksschüler mit der 8. Klasse an Ostern ihre Schulzeit beendeten und vielfach ihr Zuhause verließen. Mit der Konfirmation sollte ihnen das geistliche Rüstzeug fürs Leben mitgegeben werden. Die Vorbereitung auf die Konfirmation mit dem Konfirmandenunterricht dauert heutzutage je nach Kirchenordnung zwischen neun Monaten und mehreren Jahren.

Von Lena Modrow

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