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Norddeutschland Neue Initiative für mehr Hausärzte
Nachrichten Norddeutschland Neue Initiative für mehr Hausärzte
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07:33 19.10.2017
Quelle: dpa
Kiel/Lübeck

„Mit dem Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin gestalten wir qualifizierte Weiterbildung für die nächste Hausarztgeneration aktiv mit, die wir so dringend brauchen“, sagt Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Verantwortlich sind zudem die Ärztekammer, die Krankenhaus-Gesellschaft und die Lehrstühle für Allgemeinmedizin an den Universitäten Kiel und Lübeck.

Konkret geht es darum, angehende Hausärzte nach dem Studium in ihrer mindestens fünfjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zu begleiten. „Dazu gehören vier ganztägige Schulungen pro Jahr, in denen die Themen der hausärztlichen Versorgung diskutiert werden“, erklärt Prof. Hanna Kaduszkiewicz, Leiterin des Instituts Allgemeinmedizin der Uni Kiel. Gebe ich meine private Telefonnummer an Patienten heraus? Leiste ich auch Sterbebegleitung? Was tun, wenn ein Patient auf bestimmte Untersuchungen besteht? Ein Drittel des Unterrichts beschäftigt sich mit dem Praxismanagement – was im Studium gar nicht vorkommt. Geplant ist zudem, vom kommenden Jahr an ein Mentoring-Programm anzubieten, bei dem erfahrene Hausärzte junge Kollegen begleiten.

Ein wichtiger Aspekt der Schulungen sei zudem, dass angehende Hausärzte sich gegenseitig Tipps geben und Kontakte knüpfen können. „Nicht selten kristallisieren sich dabei die Praxisgemeinschaften der Zukunft heraus“, berichtet Prof. Jost Steinhäuser, Institutsleiter Allgemeinmedizin in Lübeck. Er hat bereits in Baden-Württemberg ein solches Kompetenzzentrum mit aufgebaut. „Danach hatten wir 25 Prozent mehr Ärzte, die den Allgemeinmediziner angestrebt haben.“ Es habe Zulauf aus anderen Bundesländern gegeben, auch seien Ärzte in Weiterbildung aus anderen Ländern, beispielsweise der Schweiz, zurückgekommen.

„Das Kompetenzzentrum ist ein wichtiger Schritt, um zu besserer Qualität in der Weiterbildung zu kommen“, meint Kaduszkiewicz. Zugleich müsse aber auch an der Ausbildung und den Bedingungen der Niederlassung gearbeitet werden. In Deutschland legen derzeit zehn Prozent der Ärzte ihre Facharztprüfung zum Allgemeinmediziner ab. „Der Anteil ist zu gering“, sagt sie. Denn 30 Prozent aller Fachärzte seien in der hausärztlichen Versorgung tätig.

Matthias Badenhop, Staatssekretär im Gesundheitsministerium in Kiel, begrüßte das Zentrum als vielversprechendes Gemeinschaftsprojekt, von dem sowohl die Seite der Praktiker wie auch der akademische Überbau profitieren werden. Es wird von Kliniken, Ärzteschaft und Krankenkassen unterstützt. Für die nächsten fünf Jahre sind für Schleswig-Holstein insgesamt maximal 1,5 Millionen Euro Fördergeld bewilligt worden.

 Von Julia Paulat

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