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Norddeutschland Neue Lust am Schreiben: Liebesbotschaften per WhatsApp
Nachrichten Norddeutschland Neue Lust am Schreiben: Liebesbotschaften per WhatsApp
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21:37 28.09.2016
Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, Fotolia
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Lübeck

Franziska Mey schreibt täglich Liebesbotschaften an ihren Freund. Mal bekommt er von der 22-Jährigen ein „Ich liebe dich“ nach dem Aufstehen, mal ein rotes Herz während einer Schulpause. Allerdings nicht klassisch auf Papier, sondern über den Nachrichtendienst WhatsApp auf sein Smartphone. Ein Weg, den immer mehr Pärchen für ihre Liebeskommunikation wählen.

„In den 60er Jahren hat das bequeme Telefon der Briefkorrespondenz große Konkurrenz gemacht“, sagt Eva Wyss, Hüterin eines 15000 Liebesbriefe umfassenden Archivs in Koblenz. „Jetzt haben viele Partnerschaften mit ihren Handys einen permanenten Kommunikationsstrom. Sie haben eigentlich den anderen immer in der Hosentasche.“ Doch das habe den Liebesnachrichten nicht den Todesstoß versetzt, sondern zu einer neuen Lust am Schreiben geführt.

„Über WhatsApp geht es einfach schneller“, sagt die 17-jährige Lili Vidal. „Da schreibt man eher mal ein ,Ich liebe dich’. Ich würde aber nie auf die Idee kommen, einen handgeschriebenen Liebesbrief zu verfassen.“ Dabei hat die Lübeckerin in der Grundschule selbst „relativ viele Liebesbriefe“ bekommen. „Ich habe alle aufgehoben.“

Auch ihre Freundin Milli Keil kann sich noch gut an den ersten Liebesbrief erinnern, den sie erhalten hat. „Wenn du möchtest, können wir, wenn wir älter sind, heiraten“ habe in der handgeschriebenen Nachricht gestanden, dazu sei eine Halskette beigelegt gewesen. „Ich war damals in der ersten Klasse, er in der vierten“, erzählt die 16-Jährige und lächelt. Sie selbst würde für Liebesbotschaften eher zu WhatsApp greifen oder sie per Telefon übermitteln. „Das finde ich am schönsten, weil es persönlicher ist.“

Heute sei die Liebeskommunikation lockerer und teilweise auch verspielter, sagt Wyss. „Sie ist kein immer wieder unterbrochener Monolog wie beim Briefeschreiben, sondern findet bei WhatsApp und anderen Kurznachrichtendiensten nahezu gleichzeitig und permanent statt.“ Die Paare mischten ihre Sätze mit Emojis (Bildsymbolen) und Screenshots (Bildschirmfotos) – und sie wechselten romantische Liebesbezeugungen mit Alltagsinformationen wie zum Beispiel einer Einkaufsliste ab.

 

„Meine Freundin und ich führen viel Smalltalk über WhatsApp, zum Schlafengehen ist dann auch mal ein ,Ich liebe dich‘ dabei.“Marvin Dick (24) aus Geesthacht
„Ich schreibe meinem Freund täglich über WhatsApp. Manchmal schicke ich einfach nur Herzchen, was Mädchen halt so machen.“ Franziska Mey (22) aus Ahrensburg
„Ein Brief bleibt eher in Erinnerung als eine WhatsApp-Nachricht. Deswegen schreibe ich lieber auf Papier.“ „Marie-Theres Wardius (21) aus Steinhorst
„Ich bin nicht so der Briefe-Typ und nutze eher WhatsApp. Am schönsten finde ich es, so etwas über das Telefon zu sagen.“ Milli Keil (16) aus Lübeck

So macht es auch Marvin Dick. Der 24-Jährige führt eine Fernbeziehung. „Wir führen viel Smalltalk über WhatsApp und zum Schlafengehen ist dann auch mal ein ,Ich liebe dich’ dabei“, sagt er. Vor ein paar Tagen hat der Geesthachter einen handschriftlichen Brief an seine Freundin verfasst. „Ich habe ihr Präsente geschickt und in das Paket auch einen Brief gelegt.“

Marie-Theres Wardius zieht Briefe auf Papier vor. „Da bin ich altmodisch“, sagt die 21-Jährige. „Ein Brief bleibt eher in Erinnerung als eine WhatsApp-Nachricht.“ Zum Valentinstag schreibe sie deshalb zum Beispiel immer ihrer besten Freundin einen Brief.

Doch auch unter denjenigen, die zu WhatsApp greifen, versuchten viele, sich wieder elegant und poetisch auszudrücken. Wyss: „Sie wollen ihre Partner auch sprachlich beeindrucken.“

 Janina Dietrich

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