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Norddeutschland Neue Netze sollen Fischotter schützen
Nachrichten Norddeutschland Neue Netze sollen Fischotter schützen
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18:10 14.10.2017
Kiel/Rendsburg

Entwickelt wurden zwei verschiedene Arten von Ausstiegen aus einer Reuse. Das erste Modell besteht aus zwei flexiblen Drahtseilen, die von einem Gummiband gehalten werden. Das andere ist durch eine Federtechnik zu öffnen. Wie Forscher in Tests herausfanden, spürt der Otter, dass das Gummiband beziehungsweise die Feder auf Druck nachgeben. Das Tier drückt die Drahtseile auseinander und kann sich damit aus der sonst tödlichen Falle befreien. Weitere Tests im Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow ergaben, dass die neuen Reusenausstiege für Fische wie etwa Aale nicht zu überwinden sind, hieß es. „Die Otter können raus, die Fische bleiben drin“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Aktion Fischotterschutz, Oskar Kölsch.

„In diesem Projekt ist es gelungen, technische Lösungen zu finden, die Fischerei- und Artenschutzinteressen in Einklang bringen“, sagt Jana Ohlhoff, Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. Den Anlass für das Projekt gab ein jahrelanger Streit zwischen Tierschützern und Fischern am Steinhuder Meer in Niedersachsen. Dort sollten die Fischer verpflichtet werden, sogenannte Otterkreuze beim Fischen mit Reusen einzusetzen. Diese Kreuze oder Ottergitter gehen aber zu Lasten der Fischer. „Die Gitter verkleinern den Zugang zur Reuse, sodass Ottern der Weg versperrt wird“, erklärt Sabine Schwarten, Fischerin und Vorsitzende vom Verband der Binnenfischer und Teichwirte in Schleswig-Holstein, der ebenfalls an der Entwicklung der Ausstiege beteiligt war. Das Problem der Gitter: Sie versperren nicht nur Ottern, sondern auch großen Fischen wie Hechten oder Brassen den Weg.

„Bedarf an den neuen Ausstiegen haben wir auch in Schleswig-Holstein“, sagt Schwarten. Sie fischt im Bischofssee, einer Bucht des Großen Plöner Sees, und hat wegen der Nachteile des herkömmlichen Otterschutzes bisher auf das Auslegen von Reusen verzichtet. „In landeseigenen Gewässern, bei denen das Land Verpächter der Fischereirechte ist, gibt es eine strikte Regelung“, erklärt dazu Jana Ohlhoff. „Fischer müssen Reusen mit Otterschutz einsetzen, wenn die zuständige Fachbehörde das Vorkommen des Otters bestätigt.“ Am Großen Plöner See sei das der Fall. Die Kreise Plön und Ostholstein gelten sogar als flächendeckend besiedelt.

Im Ministerium ist man zuversichtlich, dass sich die Ausstiege rasch verbreiten werden. Für den Otterschutz wäre das ein großer Erfolg. Denn die Tiere werden nur langsam wieder heimisch. 2016 konnten in Schleswig-Holstein 165 Otter nachgewiesen werden.

LN

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