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Nachrichten Norddeutschland Neue Partner: Kiel und San Francisco
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22:13 22.09.2017
Kiels Bürgermeister Ulf Kämpfer (l.), San Franciscos Bürgermeister Edwin M. Lee (Mitte) und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar zeigen die Urkunde. Quelle: Foto: Markus Scholz/dpa

. Bayerische Spezialitäten statt Kieler Sprotten – an seinem ersten Abend in Kiel, der neuen deutschen Partnerstadt von San Francisco, entschied sich Bürgermeister Edward M. Lee für eine Wiesn-Platte und Bier, seine Frau aß eine Haxe. „Wir wussten, dass Lee sowas gefällt und wollten ihm mit dem Besuch in einem Kieler Lokal mit Oktoberfest-Programm eine Freude machen“, sagte Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska.

Dort wurde in einer feierlichen Zeremonie die zunächst auf fünf Jahre begrenzte erste Städtepartnerschaft zwischen einer deutschen Stadt und der kalifornischen Metropole mit der weltberühmten Golden Gate Bridge besiegelt. Früher hatten schon mal Heidelberg und Frankfurt Interesse signalisiert – vergeblich. Warum also Kiel?

Erst vor drei Jahren habe er erstmals den Namen der Ostseestadt gehört, räumte Lee ein. 1969 hatte er Berlin besucht, 1989 dann Stuttgart und München. Jetzt ist er zum dritten Mal in Deutschland, begleitet von einer 40-köpfigen Delegation – einschließlich der Terrier-Hündin „Honey“ mit Begleitung, die Leckerli fürs Kieler Tierheim mitgebracht hat.

Starkes bürgerschaftliches Engagement, konkret der Kieler Verein „The Bay Areas“ und das „San Francisco-Kiel Sister City Committee“, sind seit etwa zwei Jahren Herz und Motor der Partnerschaft. Viele Mitglieder haben Kieler oder schleswig-holsteinische Wurzeln.

Als Kämpfer vor einem Jahr San Francisco besuchte, war ihm eine Woche zuvor von der US-Stadt ein „Memorandum of Understanding“ für eine Partnerschaft angeboten worden. „Ich hätte gar nicht gewagt, eine Städtepartnerschaft vorzuschlagen, ich war baff und natürlich erfreut“, sagte Kämpfer. Und dass jetzt schon der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet wurde, „das ist fantastisch“. Den Anstoß gaben laut Kämpfer zwei Cousins – der Kieler Unternehmensberater Thomas Ewoldt und Mark Farrell, ein Stadtdezernent in San Francisco. Farrells Mutter stammt aus der Region Probstei bei Kiel. Die Stewardess wanderte vor Jahrzehnten aus und lebt in San Francisco.

Auf den ersten Blick scheinen die weltberühmte US-Stadt (800 000 Einwohner, in der Region mehr als vier Millionen Menschen) und Kiel (250 000 Einwohner) wenig gemein zu haben. Beide Städte liegen aber an einer Bucht, beide sind Hafenstädte, beide haben mit sozialen Problemen und Umweltproblemen zu kämpfen. Mit dem Institut für Weltwirtschaft, geleitet vom Amerikaner Dennis Snower, und dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung hat Kiel zwei renommierte Einrichtungen. Globale Probleme müssten auch lokal gelöst werden und beide Städte sollten die Chance nutzen, voneinander zu lernen – das betonten Kämpfer und Lee in ihren Reden. Nur einmal wurde Lee am Festtag politisch scharf, als er die Herausforderungen durch den Klimawandel nannte, auch wenn US-Präsident Donald Trump dieses Phänomen bestreite.

„Best Practice“-Lösungen für die Städte auf vielen Ebenen finden und die Wirtschaft entwickeln – das nannten Kämpfer und Lee als Visionen, neben den klassischen Aufgaben von Städtepartnerschaften wie Kultur- oder Schüleraustausche. Beide Städte könnten viel gewinnen, betonte Lee. Eine Arbeitsgruppe der Vereine hat bereits eine große Themenpalette ausgearbeitet und mit Initiativen hinterlegt: Wirtschaft, IT, Start-ups, sozialer Zusammenhalt.

Das Land Schleswig-Holstein wolle, so berichtete Kämpfer, in San Francisco eine Institution zur Förderung von Start-ups ansiedeln – das Silicon Valley ist schließlich nicht weit entfernt.

LN

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