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Neue Pastoren braucht das Land

Lübeck Neue Pastoren braucht das Land

Nordkirche leistet sich Stelle zur Nachwuchsförderung — 1000 Seelsorger gehen bis 2030 in den Ruhestand.

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Johannes Bischoff (23) — hier vor dem Lübecker Dom — studiert Theologie. Er findet das Fach bisher interessant.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Gute Aussichten für Theologiestudenten in der Nordkirche: Sie werden in den kommenden Jahren dringend gebraucht — obwohl die Kirche kleiner wird. Denn immer mehr Pastoren im Norden gehen auf die Pensionsgrenze zu. So werden in den nächsten 15 Jahren nach Angaben der Nordkirche mehr als 1000 der 1700 Pastoren in den Ruhestand gehen. Mit speziellen Projekten wirbt die Landeskirche um pastoralen Nachwuchs. „Die Berufsaussichten sind glänzend, denn ab 2020 werden wir einen Pastorenmangel haben“, sagt Christiane de Vos, die das Projekt zur Förderung von pastoralem Nachwuchs betreut. Und der sei gravierender als der Rückgang der Gemeindemitglieder. In allen Landeskirchen gebe es ähnliche Entwicklungen. Ein Kampf um junge Pastoren scheint absehbar.

2014 musste die Nordkirche den größten Mitgliederverlust seit Jahren hinnehmen. Gründe dafür sind der demografische Wandel, aber auch eine Welle von Kirchenaustritten. Derzeit gehören der Nordkirche 2,1 Millionen evangelische Christen in 1028 Gemeinden in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern an. Im vergangenen Jahr (Stand Mai 2014) arbeiteten 1650 Pastoren bei der Nordkirche, davon rund 38 Prozent Frauen. Nachdem in den Jahren 2012 und 2013 jeweils nur gut 20 Pastoren ordiniert worden sind, bemüht sich die Nordkirche verstärkt um Nachwuchsförderung.

„Pro Jahr strebt die Nordkirche an, durchschnittlich 30 neue Pastoren in den Dienst aufzunehmen“, erklärt de Vos. Es sei nicht immer leicht, diese Zahl zu erreichen, betont sie. Schließlich komme es auch darauf an, gute Leute zu gewinnen. Bei Informationsveranstaltungen an Universitäten oder auch auf dem sogenannten Wegweiser-Wochenende in Ratzeburg stellt die Kirche den Beruf des Pastors vor. „Die Teilnahmezahlen bei unseren Veranstaltungen sind hoch, das macht uns Mut.“ Zugleich will Christiane de Vos Abiturienten neugierig machen auf das Studienfach Theologie. „Beides, Studium und Beruf, sind sowohl anspruchsvoll als auch erfüllend“, sagt sie.

Einer, den sie begeistern konnte, ist Johannes Bischoff aus Lübeck. Der 23-Jährige studiert inzwischen im fünften Semester Theologie in Jena. Dabei habe das Wegweiser-Wochenende die Entscheidung klarer gemacht, erinnert er sich. Es sei eine gute Möglichkeit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

„Das Studium finde ich interessant“, erzählt Johannes Bischoff. Die alten Sprachen hätten ihn nicht abgeschreckt. Daneben büffelt er Kirchengeschichte, Religionswissenschaften, praktische Theologie und Religionspädagogik. Ob er am Ende tatsächlich Pastor wird, ist noch offen. Fest steht bisher nur: „Das ist ein Beruf, den man leben kann. Das stelle ich mir gut vor.“

Tatsächlich zeigt die Arbeit der Nordkirche, die übrigens als erste Landeskirche eine Stelle für Nachwuchsförderung eingerichtet hat, erste Wirkung — die Studierendenzahlen steigen leicht. „Schon über eine Stabilisierung sind wir froh, denn die Jahrgänge werden ja nicht größer“, so de Vos, die auch als Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg tätig ist. So manch einen Teilnehmer aus einem Wegweiser-Seminar hat sie später an der Uni wiedergetroffen. Das Theologie-Studium dauert in der Regel sechs Jahre; dazu kommen noch zweieinhalb Jahre Vikariat. Der Verdienst liegt zu Beginn bei 3650 Euro (brutto, ohne Zulagen) und damit auf dem Niveau eines Studienrates.

Auf www.die-nachfolger.de gibt es Informationen über das Theologiestudium, über den Pastorenberuf, über Inhalte, Bezahlung, Karrierechancen und Arbeitszeiten. Auf der Internetseite erzählt unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, wie er zum Pastor wurde.

Ähnlich ist die Personalsituation auch für das Priesteramt in der katholischen Kirche. Das Erzbistum Hamburg hat nach Auskunft von Sprecher Manfred Nielen 151 Priester im aktiven Dienst, dazu kommen weitere 80 im Ruhestand, die noch mitarbeiten. Aktuell gibt es zehn Priesterkandidaten. „Die Zahl könnte ruhig höher sein“, so Nielen. Man nutze vor allem das persönliche Gespräch, um Nachwuchs zu akquirieren. „Das ist doch eine sehr individuelle Entscheidung.“

Nordkirche immer kleiner
36 915 Mitglieder hat die evangelische Nordkirche 2014 allein durch Austritte verloren. Da zudem mehr Sterbefällen als Geburten zu verzeichnen waren, sank die Zahl insgesamt um 47481 Menschen auf 2,13 Millionen Mitglieder. Als Hauptursache für den Negativ-Rekord sieht die Nordkirche die Debatte um den katholischen Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst und geänderte Modalitäten beim Kirchensteuer-Einzug, die bei vielen zu Ärger führten.

Julia Paulat

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